Nach Hotel-Brand: Kripo ermittelt in alle Richtungen

Oberammergau - Eine große Hilfsbereitschaft, "die ihresgleichen sucht", spürt Michael Altgassen, Betreiber des Hotels Arnika in Oberammergau, nach dem Brand in der Silvesternacht.

Michael Altgassen flüchtet in Galgenhumor: „Des neie Jahr fangt guad o’!“ Die Eindrücke vom frühen Morgen des Neujahrstages sind bei dem Oberammergauer Hotelier noch so gegenwärtig, dass er momentan nicht weiß, wo ihm der Kopf steht. Aber er sagt auch: „Es muaß halt weitergeh’n, irgendwie.“

Gegen 4.35 Uhr war im rückwärtigen Teil seines Hotels Arnika ein Feuer ausgebrochen, in dessen Verlauf über 60 Gäste evakuiert werden mussten. Die Flammen wüteten mit solcher Intensität, dass nach ersten Schätzungen ein Sachschaden von weit über 100 000 Euro entstand. Und hätten nicht die Oberammergauer und Unterammergauer Feuerwehr mit insgesamt 60 Einsatzkräften so schnell und entschlossen Hilfe geleistet, wäre unter Umständen der gesamte Hotelkomplex ein Raub der Flammen geworden. Oberammergaus Kommandant und Einsatzleiter Peter Gaus bestätigt: „Alle ham guad zuag’langt.“ Auch das Rote Kreuz leistete mit rund 80 Helfern bei der Evakuierung, Erstversorgung und Betreuung der Hotelgäste hervorragende Arbeit.

Dass alles noch hätte viel schlimmer kommen können, dessen ist sich Michael Altgassen bewusst. Um so mehr schätzt er das besonnene und beherzte Handeln der Retter: „Die verstehen ihr Handwerk.“ Eine Hilfsbereitschaft, „die ihresgleichen sucht“, spürte das Ehepaar Altgassen auch bei Nachbarn, Handwerkern und Hotelierskollegen, die sofort die evakuierten Gäste bei sich aufnahmen: „So etwas gibt es wohl nur auf dem Land.“ Es zahle sich aus, wenn man beim Bau einheimische Firmen beauftrage: „Die sind sofort zur Stelle, wenn man sie braucht.“

Auch Bürgermeister Arno Nunn erschien gestern vormittag, um Mut zuzusprechen: „Wenn so etwas passiert, ist das erst einmal ein großer Schock. Aber es ist schön, wenn man in einer solchen Situation gute Freunde hat.“

Der Hotelbetrieb im „Arnika“ läuft derzeit nur stark eingeschränkt weiter, denn zwei Dutzend der insgesamt 32 Zimmer sind aufgrund der starken Rußbildung bis auf weiteres nicht mehr bewohnbar. Getätigte Buchungen von Gästen werden zum Teil an andere Betriebe im Ort weitergeleitet. Versicherungstechnisch fühlen sich die Betreiber auf der sicheren Seite, denn im Zuge der Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen mit Ausbau zum Drei-Sterne-Superior-Haus bei einer Gesamtinvestition von über einer Million Euro habe man auf dem Sektor, so Altgassen, alles Notwendige veranlasst.

Die Kripo Garmisch-Partenkirchen setzte gestern ihre Ermittlungen hinsichtlich der Brandursache fort, das LKA wird für heute erwartet. Kripo-Chef Bernhard Hoffmann: „Wir ermitteln in alle Richtungen.“ Beim Ausbruch des Feuers Samstag früh wurden am Fußweg hinter dem Hotel einige Jugendliche gesehen. Ob sie eventuell etwas mit dem Feuer zu tun haben, steht ebenfalls noch nicht fest.

Ludwig Hutter

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