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Nach tragischem Todesfall im Oberammergauer Wellenberg: Prozess geht weiter

Zwei Bademeister für 40 000 Quadratmeter

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Fahrlässige Tötung – dieser Vorwurf wird zwei Bademeistern aus dem Oberammergauer Wellenberg zur Last gelegt. Die Staatsanwaltschaft sieht bei beiden eine Mitverantwortung am Ertrinken eines zehnjährigen Buben. Am Dienstag wird der Prozess fortgesetzt.

Oberammergau – Klarheit. Die erhofft sich Christian Langhorst vom zweiten Verhandlungstag vor dem Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen. Klarheit darüber, wie der Betrieb im Erlebnisbad Wellenberg in Oberammergau läuft. Und auch „über die medizinischen Ursachen des Ertrinkens“. Der zehnjährige Bub, der im Juli 2016 tragisch zu Tode gekommen war, „befand sich nur etwa 1,10 Meter, gut eine Armlänge, vom Beckenrand entfernt“, sagt der Rechtsanwalt, der einen der beiden Bademeister vertritt. „Warum ist er nicht mehr rausgekommen?“ Die Aussage der medizinischen Sachverständigen, die für Dienstag als Zeugin geladen ist, erwartet er daher mit großer Spannung.

Im Raum steht fahrlässige Tötung – und die legt die Staatsanwaltschaft den Badermeistern zur Last, die an dem Unglückstag im Dienst waren. Gegen den Trainer und die beiden Betreuer der Fußball-Nachwuchsmannschaft aus Langerringen (Landkreis Augsburg), die mit zehn Kindern und fünf weiteren Erwachsenen den Ausflug zum Saisonabschluss organisiert hatten, stellte das Schöffengericht das Verfahren bereits am ersten Verhandlungstag ein – „wegen geringer Schuld“. Sie müssen allerdings eine Geldauflage zahlen. Denn über die mangelhaften Schwimmkenntnisse des Buben wussten sie Bescheid, nachdem der Zehnjährige vor der Rafting-Tour, dem ersten Programmpunkt an diesem Unglückstag, in Anwesenheit eines der Jugendbetreuer in Tränen ausgebrochen war.

Dass nun allein die Bademeister für den Ertrinkungstod des Kindes zur Verantwortung gezogen werden sollen, kann Rechtsanwalt Michael Röhrig genauso wenig nachvollziehen wie Langhorst. „Meiner Meinung nach haben sie ihre Aufgaben erfüllt“, betont Röhrig. Während sie auf die eine Gefahrenquelle im Rutschenhaus achteten, wo mehrere Kinder direkt hintereinander die Röhre hinuntersausten, parallel dazu ein blutendes Kind verarzteten, ein kleines Mädchen ohne Schwimmflügel im Auge behielten und die Wasserwerte kontrollierten, bemerkten sie nicht, was sich zeitgleich im Sportbecken abspielte. Dort versuchte der Zehnjährige, sich über Wasser zu halten, immer wieder stieß er sich vom Boden ab. Etwa fünf Minuten lang. Dann gab er auf, sackte auf den Beckenboden, von wo ihn weitere acht Minuten später ein Badegast raufzog. Die Frau, die von ihrem Sohn alarmiert worden war, sagt auch vor Gericht aus.

Etliche Zeugen am zweiten Prozesstag

Genau wie die anderen Bademeister. Von ihnen erwartet Langhorst, mehr über das enorme Aufgabenspektrum zu erfahren. Zu zweit mussten sie damals das gut 40 000 Quadratmeter große Areal mit acht Becken, Rutschen und Sprunganlagen überwachen. Einer sollte möglichst einen Rundgang machen, der andere den Monitor, auf dem die Bilder von neun Überwachungskameras übertragen werden, beobachten. So lautet nach Aussage von Betriebsleiter Alexander Richter die mündliche Dienstanweisung. Schriftlich sei nichts fixiert. Ein Manko, auf das auch die Bayerische Akademie für Verwaltungs-Management hinwies, die von der Gemeinde nach dem tragischen Vorfall mit einem Schwimmbad-Check beauftragt worden war. Ziel sei es, alle Empfehlungen daraus auch umzusetzen, erklärte Bürgermeister Arno Nunn vor Gericht.

Was er allerdings auch deutlich machte, ist das völlig veränderte Verhalten der Badbesucher, von denen viele mit dem Kauf der Eintrittskarte jegliche Verantwortung abgeben. „Ich hatte nie die Erwartung, dass ein Bademeister auf meine Kinder aufpasst“, erinnerte sich der Oberammergauer. Das könne auch gar nicht die Aufgabe der Mitarbeiter sein, bekräftigt Röhrig. Da seien Eltern oder andere Begleitpersonen gefordert – und das natürlich umso mehr, wenn einer ihrer Schützlinge nicht oder nur schlecht schwimmen kann.

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