eine Klinik von oben
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Der größte Arbeitgeber im Ammertal: die Waldburg-Zeil-Klinik am Lärchenbichl.

Personalwechsel am Lärchenbichl

Neugierig auf neue Herausforderungen: Direktor verlässt Klinik Oberammergau - Nachfolger steht fest

  • Manuela Schauer
    VonManuela Schauer
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Nach zehn Jahren ist Schluss: Robert Tauber, Direktor der Waldburg-Zeil-Klinik in Oberammergau, will sich beruflich verändern. In seiner Dienstzeit ist viel passiert.

Oberammergau – Robert Tauber thront wie ein König über Oberammergau. Von seinem Büro mit Dachterrasse im achten Stockwerk hat er alles im Blick: Links das Weidmoos. Rechts Oberammergau mit Kirchturm. In der Mitte den Kofel. Und freilich auch sein Arbeitsreich, die Klinik Oberammergau, das frühere Rheumazentrum. So ein Dienstzimmer „werde ich nicht mehr bekommen“, sagt der Direktor und lacht. Nimmt er in Kauf. Zum 31. Dezember verlässt Tauber die Einrichtung am Lärchenbichl – nach zehn Jahren.

Er geht im Guten. Bereut keine Minute. „Es war eine superschöne Zeit mit einem tollen Team“, sagt der 49-Jährige. Doch der Gedanke reifte, neue Wege einzuschlagen. Der Diplom-Betriebswirt musste sich selbst die Frage stellen, ob er sich noch einmal beruflich verändern oder bis zum Ruhestand an seinem gewohnten Arbeitsplatz verharren wolle. Die Antwort lieferte er sich selbst: „Ich bin noch zu jung, um mich auf die eine Stelle zu fixieren.“ Viel zu neugierig sei er, stelle sich gerne neuen Herausforderungen. „Ich bin niemand, der an einem Posten kleben bleibt“, betont er. „Ich will gestalten, nicht verwalten.“

Hohe Investitionen in den vergangenen zehn Jahren

Seinen Fingerabdruck hinterlässt Tauber in Oberammergau. Während seiner Dienstzeit wurden über 20 Millionen Euro in das Zentrum für Rheumatologie, Orthopädie und Schmerztherapie investiert. Unter anderem entstand ein Ersatzbau für den Akutbereich, die Abteilung Geriatrie wurde neu geschaffen, das Therapiegebäude saniert, die digitale Infrastruktur an aktuelle Standards angepasst. Manche Bereiche, sagt Tauber, haben Hotel-Niveau. Nur die weniger schmucken Hochhäuser von damals – die Einrichtung feiert heuer ihr 50-jähriges Bestehen – „kann ich nicht wegzaubern“.

Zieht den Schlussstrich: Klinikdirektor Robert Tauber.

Viel ist passiert am Lärchenbichl, eine Baustelle jagte die nächste – immer unter laufendem Betrieb. Das zu koordinieren – „herausfordernd“. Ebenso die Corona-Pandemie und der daraus resultierende Druck. Der finanzielle Ausgleich für ein privates Haus – Träger sind die Waldburg-Zeil-Kliniken – wie das in Oberammergau fehlt.

Nachfolger fungiert als Klinikmanager

Frühzeitig informierte der gebürtige Günzburger, der in Seeshaupt wohnt, die Geschäftsleitung über seine Pläne. Wohin es ihn nach seinem Ausscheiden verschlägt, verrät er aber nicht. Noch würden die Gespräche laufen. Wohl aber bleibt er dem Gesundheitswesen treu. Einen Nachfolger gibt es bereits. Allerdings wird dieser ein etwas anderes Stellenprofil erfüllen. Daniel Nauroth übernimmt die Rolle des Klinikmanagers statt des Direktors. Es handelt sich um eine „Querschnittsfunktion mit der Zentrale“, sagt Tauber. Heißt: Der neue Mann hält sich nicht dauerhaft in Oberammergau auf, sondern steuert auch vom Hauptsitz der Waldburg-Zeil-Kliniken in Isny (Allgäu) aus.

Ob der Posten des Direktors in seiner aktuellen Form nachbesetzt wird, weiß Tauber nicht. Er nimmt Abstand davon, sich in Zukunftsfragen einzumischen. Die Gesamt-Kontinuität beim größten Arbeitgeber im Ammertal sieht er so oder so gewährleistet. Was er an einer Person festmacht: Ellio Schneider, seit 30 Jahren Geschäftsführer der Waldburg-Zeil-Kliniken.

Ich nehme mich selbst nicht zu wichtig.

Robert Tauber

Bis Tauber seinen Rückzug antritt, bleibt er aber nicht tatenlos. Er möchte seine begonnen Projekte zu Ende bringen: die ambulant-stationären Kooperationsformen, das Mobilitätskonzept, das zuletzt im Beisein von CSU-Landesgruppenchef in Berlin, Alexander Dobrindt, und den Ammertaler Bürgermeistern präsentiert wurde, Konzepte für Altersmedizin und die Maßnahme am Schilcherhof, bei der Wohnraum für Angestellte entstehen soll. Denn eines sagt Tauber im Brustton der Überzeugung: „Wir sind gut aufgestellt für eine Fachklinik.“

300 stationäre Plätze für Patienten

Dazu trägt seine Mannschaft maßgeblich bei. Das Team – rund 360 Köpfe zählen zum Mitarbeiterstab, zirka 180 davon sind Vollzeitkräfte – sind der Kitt der Klinik. Mit Empathie, Freundlichkeit und Kompetenz sorge es dafür, dass sich die Patienten – 300 stationäre Plätze bietet das Haus unter anderem – heimelig fühlen.

Die Angestellten setzte Tauber bereits über seinen Abschied in Kenntnis. „Sie waren überrascht“, erzählt er. Nach seiner Einschätzung pflege man ein gutes Verhältnis im Haus. Schließlich sei eine familiäre Atmosphäre Teil seiner Philosophie. „Ich nehme mich selbst nicht zu wichtig und brauche auch keine Titel“, sagt der 49-Jährige über seine eigenen Charakterzüge. So versuchte der Direktor stets, wahrgenommen zu werden. Ohne hierarchischen Führungsstil. Trotz eines dekadenten Büros mit majestätischem Ausblick.

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