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Will gesund leben: Der Sänger, Hobby-Angler und angehende neue Oberammergauer Bürgermeister Andreas Rödl hält daheim in seinem Garten Hühner.

Überschattet von Corona-Krise 

Schwieriger Start für künftigen  Oberammergauer Bürgermeister

  • vonBarbara Falkenberg
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Am 1. Mai ist es soweit. Dann tritt Andreas Rödl (CSU) die Nachfolge von Noch-Bürgermeister Arno Nunn in Oberammergau an. Die beiden sind seit ihrer gemeinsamen Zeit im Gemeinderat gut befreundet. Rödl hatte sich in der Wahl knapp gegen seinen Kontrahenten Ludwig Utschneider (Parteilose Wählergemeinschaft, PWG), durchgesetzt.

Oberammergau – „Damit gerechnet habe ich nicht. Ich bin eher ein vorsichtiger Typ und dachte, dass es in jedem Fall knapp wird“, erklärt der 34-Jährige, der gerade seine letzte Nachtschicht als Polizeihauptmeister in Murnau hinter sich gebracht hat. Geboren wurde Rödl in Garmisch-Partenkirchen, aufgewachsen ist er in Oberammergau, für ihn „der schönste Ort der Welt“. Seit zwei Jahren ist er mit der Bildhauerin und Kunststudentin Lena (28) verheiratet. Die zwei hatten sich 2010 bei der Passion kennengelernt.

Ja, die Passionsspiele, oder besser gesagt, das Aus wegen der Corona-Krise beschäftigt den angehenden Rathaus-Chef sehr. „Ich bin selbst mit den Spielen groß geworden, und die Absage trifft uns hart. Die Krisenarbeit ist nun meine erste und vorrangigste Aufgabe.“ Diese Zeit müsse man nun erst einmal überstehen, die „schwerste Aufgabe, die vor mir liegt“, meint Rödl. Es geht vor allem darum, Betriebe im Ort nicht zu verlieren und den Tourismus wiederzubeleben. Im Sinne der Normalität, die hoffentlich bald wieder einkehrt, obwohl Rödl sich jetzt schon recht sicher ist: „Es wird anders werden. Wie früher ist es jedenfalls nicht mehr.“

Es sei wohl das Los der Neuen, sinniert er. Auch sein Vorgänger Arno Nunn hatte 2008 einen schweren Start. Damals war Oberammergau schwer verschuldet in die Proben für die Passionsspiele gegangen. Die Finanzierung war lange nicht gesichert. Rödl ist voll des Lobes für seinen scheidenden Amtsvorgänger: „Arno ist ein Mensch, der mit jedem, wenn er es denn möchte, zusammenarbeiten kann. Nie hat er sich beleidigt oder nachtragend gezeigt, er ist ein warmherziger, offener und überaus positiver Mensch.“

Auch er wolle versuchen, in diesem Sinne zu agieren und unvoreingenommen und offen zu sein für jeden, egal, welch politischer Couleur er angehört und mit welchem Anliegen er kommt.

Doch bei all den Herausforderungen sieht der künftige Chef im Rathaus auch eine gute Seite: „Wir alle sind im Ort wieder mehr zusammengewachsen. Der gemeinsame Kampf gegen die Widrigkeiten und ein gemeinsames Ziel schweißen zusammen. In unseren Sitzungen geht es derzeit weniger um Politik, als um die aktuelle Lage und wie wir sie am besten bewältigen können.“ Wie niemals zuvor, gehen nun die Beschlüsse fast durchweg einstimmig über die Bühne. „Es wäre schön, wenn das auch nach Corona-Zeiten so bleibt“, sagt Rödl mit einem Schmunzeln.

Der Sänger und Angler aus Leidenschaft hält zwölf Hühner im eigenen Garten, „weil wir gesund leben wollen.“ Er sieht sich selbst als sachlichen Typen, der versucht, die Emotionen aus Diskussionen herauszunehmen. Auf Sachebene spricht es sich einfach leichter. Eine objektive Sichtweise hat schon sein Beruf als Polizist erfordert. „Die hoffe ich, in mein neues Amt übernehmen zu können.“

Mit welchen Themen er sich nach der Corona-Krise zuerst beschäftigen wird? Das Wellenberg-Schwimmbad und auch das Ammergauer Haus, das derzeit jährlich 300 000 Euro Defizit bringt, stehen ganz oben auf der Agenda. „Wir würden gern für das Bad einen Investor ins Boot holen. Aber bei der aktuellen Finanzsituation ist es natürlich eine Frage, ob uns das gelingen wird“, sagt Rödl. In das Ammergauer Haus, in dem die Tourist-Info und das Backoffice der Ammergauer Alpen untergebracht sind, soll, wenn es nach ihm geht, ein Naturparkzentrum quasi als Informationszentrale für den Naturpark Ammergauer Alpen einziehen. Hier bemühe man sich um einen Zuschlag, ein Gutachten wird gerade erstellt.

Noch befindet sich Rödl in der Einarbeitungsphase. Froh ist er darüber, dass Arno Nunn ihn in seine Aufgaben einführt, ihm vieles in der Verwaltung zeigt, dafür hat Rödl seinen Urlaub geopfert, um möglichst optimal vorbereitet in sein neues Amt gehen zu können. Auch an Familienplanung ist gedacht. „Damit wollten wir eigentlich noch bis nach der Passion warten, aber man soll ja nie Pläne schmieden.“ Falls seine Ehefrau nach Mittenwalder Vorbild auch in die Politik gehen will, was derzeit allerdings nicht geplant ist, hätte Rödl nichts dagegen. Im Gegenteil. „Auch wenn dann sicher zuweilen die Fetzen fliegen werden, denn Lena vertritt eher eine grüne Position.“ 

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