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Herz der Ausstellung: Der sogenannte Pestsarg, präsentiert von Museumsleiterin Dr. Constanze Werner.

Ausstellung zum Thema Pest

Oberammergau und der Schwarze Tod

Pest und Passion sind in Oberammergau untrennbar miteinander verbunden. Gut ein Jahr vor den Gelübde-Spielen findet nun ein Ausstellung zum Schwarzen Tod statt.

OberammergauÜber viele Jahrhunderte hinweg war die Pest eine der schlimmsten Seuchen der Menschheitsgeschichte. Bereits in der Bibel wird von ihr berichtet, der Ausbruch der Justinianischen Pest im sechsten Jahrhundert gilt als die größte antike Pestepidemie Europas. Was sich vor allem ins kollektive Gedächtnis gebrannt hat, ist der Ausbruch der Seuche zwischen 1347 und 1351. Rund ein Drittel der damaligen europäischen Bevölkerung fielen damals dem „Schwarzen Tod“ zum Opfer.

In Oberammergau spielt die Krankheitswelle Anfang des 17. Jahrhunderts eine große Rolle. Auf dem damals abgelegten Pestgelübde basieren die im zehnjährigen Turnus wiederkehrenden Passionsspiele. Passend zum Thema findet derzeit eine Ausstellung im Obergeschoss des Oberammergau Museums statt unter dem Motto „Der Schwarze Tod – Seuchen, Angst und Glaube“. Im Fokus steht die Frage: Wie geht der Mensch mit einer solchen Bedrohung um?

Ein an die Wand geschriebenes Klagelied und passende Texte des Barockdichters Andreas Gryphius leiten den Besucher durch die Schau, die einen guten Überblick über das Leben mit der Seuche gewährt. „Dass Gott Epidemien als Strafe oder Prüfung schickte, wurde kaum angezweifelt“, sagte Museumsleiterin Dr. Constanze Werner im Rahmen der Ausstellungseröffnung. „So hat man auf Schutz und nicht auf Heilung gebaut.“

Amulette und Kräutersammlungen spiegeln die Versuche wider, der Krankheit vorzubeugen. Man tat, was man konnte – vermischte Aberglauben mit Glauben und Magie. So entstand eine große Bandbreite an Talismanen zusammengesetzt aus Reliquien, Kräutern und Substanzen wie Steinbockhorn.

Auch die Schutzheiligen Sebastian und . Rochus zogen in die Häuser ein. Holzschnitzer verewigten diese in Form von Skulpturen oder personifizierten den Schwarzen Tod direkt. Das ausgestellte Abbild eines wiedererweckten Toten präsentiert das Grauen der Krankheit eindrücklich.

Wie die Stimmung zum Ausbruch der Pest um die Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) gewesen sein muss, kann man sich heute kaum vorstellen. Auf Stoffbahnen gedruckte Textpassagen gewähren einen Einblick. „Ein sogenannter Winterkomet, der seit Ende November 1618 am Himmel zu sehen war, wurde als schlechtes Omen gedeutet“, erklärte Werner. Zudem waren die Auswirkungen der Kleinen Eiszeit an den Missernten deutlich spürbar. Eine starke Inflation und Hungersnöte waren die Folge.

1632 erreichte die Seuche das Ammertal und das Werdenfelser Land. Hunderte ohnehin geschwächte Menschen starben an der Beulenpest. Ein schmaler Pestsarg, der den Mittelpunkt der Ausstellung bildet, lässt erahnen, dass die Helfer nicht viel Gewicht zu tragen hatten. Durch eine seitlich zu öffnende Klappe ließen sie die Toten in die Gräber gleiten. Ein Auszug aus der berühmten Pestmatrikel belegt das Ende des Grauens in Oberammergau. Zeitgleich mit dem Pestgelübde, das die Bürger 1633 abgelegt hatten, verzeichnet sie einen abrupten Abbruch des Sterbens.

Die Ausstellung

„Der Schwarze Tod – Seuchen, Angst und Glaube“ im Oberammergau Museum ist bis 3. November dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr und an Feiertagen auch montags geöffnet.

Beate Berger

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