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Hölzerner Hammer auf der Richterbank: Die Verhandlung fand vor dem Landgericht München II statt.

Verhandlung am Landgericht München II

Frontal in geparktes Auto: Angeklagter nimmt Berufung zurück

Ein Mann (30) hat nach einer Alkoholfahrt in Oberammergau die Berufung zurückgenommen. Das Amtsgericht hatte ihn zuvor zu einer Geldstrafe verdonnert und eine Führerscheinsperre verhängt.

Oberammergau/München – Ein Alkoholunfall in Oberammergau hat jetzt vor dem Landgericht München II ein gerichtliches Nachspiel gefunden. Angeklagt war ein 30-jähriger Gebirgs-Pionier aus Ingolstadt, der im Juni 2018 mit seinem Wagen auf der Bahnhofstraße in Oberammergau frontal in eine geparktes Auto gekracht war. Nach dem Unfall flüchtete er, damit seine Alkoholisierung nicht festgestellt werden konnte. Später stellte er sich der Polizei und behauptete, ohnmächtig geworden zu sein. Das Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 5600 Euro (80 Tagessätze) und verhängte eine 14-monatige Führerscheinsperre gegen ihn. Dagegen legte er zunächst Berufung ein.

Vor Gericht führte er seine Schulden (29 000 Euro) und sein schwieriges Arbeitsleben ohne Führerschein an. Er hätte gerne eine niedrigere Geldstrafe erwirkt, um finanziell nicht so arg in Bedrängnis zu geraten. Doch aus Sicht des Gerichtes stand einfach zuviel gegen ihn an. Nach Ausführung des Ersturteils hätte der 30-Jährige unbedingt erkennen müssen, dass er fahruntauglich war. Am frühen Sonntagmorgen hatten sich in Oberammergau sehr wohl Leute auf der Straße befunden. Vom Angeklagten war demnach eine Gemeingefährlichkeit ausgegangen. Zu seinem Alkohol-Problem wollte er nichts sagen, rang dann aber doch um eine Erklärung. „Ich habe mein Leben drastisch verändert, seit dem Tag will ich nur noch mit ausgewählten Menschen zu tun haben“, bemerkte er ungewollt abgehoben. Angeblich trinkt er seit dem Fiasko keinen Alkohol mehr – vielleicht mal ein Bier, schob er ein. „Wirklichen Konsum gibt es nicht mehr“, beteuerte er.

Das Gericht ließ diese Aussage noch unkommentiert stehen, griff aber in der Diskussion um die vermeintlichen Zusatz-Fahrtkosten mit der Bahn ein. Angeblich gelang es dem Angeklagten nicht, die üblichen Sparmaßnahmen aufzugreifen. Er sah sich selber als Opfer seiner Straftat. Die beiden Richterinnen legten dem Angeklagten nahe, die Berufung zurückzunehmen. Das Urteil ihres Garmisch-Partenkirchner Kollegen hielten sie durchaus für passend. Nach einer Besprechung mit seinem Anwalt zog der 30-Jährige tatsächlich die Berufung zurück.

Angela Walser

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