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Ball der „Schwarzen“ am Ruaßigen Freitag: Für manchen Einheimischen in Oberammergau ein rotes Tuch.

Haben die „Schwarzen“ mit einer Tradition gebrochen?

Faschingsgaudi im Passionsjahr: CSU-Ball löst Kritik aus 

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Die CSU traut sich was: Der Ortsverband veranstaltet am Ruaßigen Freitag einen Faschingsball. Und das im Passionsjahr. Das findet nicht jeder richtig.

Oberammergau – Herbert Köpf war erregt: „Ihr redet’s von Tradition und macht’s im Passionsjahr an Faschingsball. Des passt ned zusammen und wirft koa guades Licht auf Eire Einstellung. So was geht hoid ned!“ Ein sensibles Thema. Für manche. Andere sehen es lockerer, entspannter. Die Frage, die momentan die Gemüter in Oberammergau erhitzt: „Ist das Maschkeragehen im Dorf in einem Passionsjahr zu tolerieren oder tabu?“ Herbert Köpf thematisierte die Sache am Donnerstagabend in der Podiumskussion im Ammergauer Haus.

Im Visier der Kritik des konservativen Lagers – ein anderer Köpf. Markus Köpf, Vorsitzender des CSU-Ortsverbandes, der am Ruaßigen Freitag, 21. Februar, um 20 Uhr im Kleinen Theater einen Maschkera-Ball mit Barbetrieb und Live-Musik veranstaltet. Wie auch schon in den letzten vier Jahren. „Wir sehen das als Angebot für Junge und Junggebliebene – auch um die Kleine Theater zu beleben.“ Dass in drei Monaten der Passion beginnt, ist für die CSU kein Hinderungsgrund.

Rödl: Immer schwieriger für die Jugend

In den sozialen Medien wird CSU-Bürgermeisterkandidat Andreas Rödl attackiert, der auf die Frage, was Oberammergau für ihn ausmache, antwortet: „ ... besonders gefällt mir unser Dorfleben mit unseren vielen Traditionen ...“ Dazu der Kommentar auf Facebook: „Was stimmt jetzt? Für oder gegen Traditionen? Maschkera im Passionsjahr gab es nicht, aus Tradition. Und die CSU bricht diese Tradition ...“ Bei der Podiumsdiskussion von Herbert Köpf darauf angesprochen, erwiderte Rödl: „Hat das wirklich Tradition? Ich kann mich noch gut an den Bergwachtball 2010 erinnern und weiß, dass viele Oberammergauer vor zehn Jahren den Fasching in Unterammergau, Bad Kohlgrub oder Murnau gefeiert haben.“ Es werde, so Rödl, immer schwieriger im Ort, dass die Jungen fortgeh’n können, bei nur noch zwei Gaststätten, die länger als 21 Uhr geöffnet seien. Köpf hielt dem entgegen, dass der Vergleich mit der Bergwacht nicht passe, weil den Ball ja ein Verein ausrichte.

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Utschneider verzichtet auf närrische Aktivitäten

CSU-Chef Markus Köpf weiß, dass viele Ammergauer auch in einem Passionsjahr ringsherum im Fasching unterwegs seien: „Eine Tradition, etwas nicht machen zu dürfen, ist eine merkwürdige Tradition. Wir sehen das als Angebot für die jungen Leute, die im Ort bleiben können und sich nicht ans Steuer eines Autos, eventuell sogar alkoholisiert, setzen müssen. Wir verfahren eher nach dem Motto ,Leben und leben lassen’ und sehen keinen triftigen Grund, warum man in einem Passionsjahr nicht Maschkeragehen sollte.“

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Eine etwas andere Auffassung vertritt Ludwig Utschneider, Bürgermeisterkandidat der Parteilosen Wählergemeinschaft: „Ich weiß von Vereinen, die heuer auf Faschingsaktivitäten verzichten. Es hat durchaus seinen Charme, diesmal mit Rücksicht auf die Passionsvorbereitungen kürzer zu treten. Die CSU geht mit ihrem Ball einen anderen Weg. Das ist so, muss aber nicht allen gefallen.“ Utschneider selbst will heuer auf eigene närrische Aktivitäten verzichten, und erlaubt sich, „diese Tradition zu leben.“

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