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Die Ehrenplakette und eine Urkunde verleiht Arno Nunn (l.) an Florian Lang. Lebensgefährtin Gundula Schmidt und Tochter Johanna begleiten ihn zur Ehrung.

Die Liste an Verdiensten ist lang

Ein Botschafter Oberammergaus: Florian Lang erhält Ehrenplakette in Gold

  • Manuela Schauer
    VonManuela Schauer
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Die letzte Auszeichnung dieser Art liegt 16 Jahre zurück. Jetzt hat sie mit Florian Lang wieder ein Oberammergauer erhalten - für sein umfassendes Engagement.

Oberammergau – Arno Nunn hat sich in den feinen Zwirn geworfen. Auch für Oberammergaus Bürgermeister ist es am Mittwochabend ein „besonderer Tagesordnungspunkt“. Eine Premiere. Er darf die Ehrenplakette in Gold verleihen. Florian Lang ist der erste seit 16 Jahren, der sie von der Gemeinde erhält.

Bereits im Januar dieses Jahres hatten sich die Kommunalpolitiker dazu entschlossen, den 60-Jährigen auszuzeichnen. „Er hat sich wie nur wenige andere im Ort durch sein berufliches und ehrenamtliches Engagement große Verdienste um das Gemeinwohl Oberammergaus erworben“, betont Nunn. Für diese Ehrung gilt ein strenger Maßstab. Lang erfüllt ihn locker. Angesichts seiner „großen Lebensleistung“ sei es nicht schwer gewesen, die Würdigung zu begründen, betonte Ludwig Utschneider.

Der Fraktionsprecher der Freien Wähler war es auch, der die Laudatio auf den Chef von Lang sel. Erben, dem ältesten Betrieb im Dorf, hielt. Lang selbst gehörte von 2008 bis 2014 der Gemeinderatsfraktion an. Die beiden Männer verbindet zudem der Hang zu Historischem.

Ein Bewahrer von Historie, aber offen für Neues

Warum Lang die Ehrenplakette in Gold verdient? Utschneider hätte seine Rede noch länger ausführen können. „Die Liste geht noch weiter“, sagt er. Doch der Gemeinderat beschränkt sich auf das Wesentliche. Leistungen, die für drei Menschen reichen. 18 Jahre (von 1984 bis 2002) leitete Lang das Heimatmuseum Oberammergaus, sorgte in dieser Zeit unter anderem für die erstmalige Erfassung der umfangreichen Sammlung und baute eine Datenbank auf. Außerdem stand er dem Volkstrachtenverein vor und übt jetzt das Amt des Stellvertreters aus. „Ihm sind Berggottesdienste und das Brezenangeln zu verdanken“, sagt Utschneider. Damit noch nicht genug: Ob Ausschussvertreter beim Soldaten- und Veteranenverein, Mitglied beim St.-Lukas-Verein, Mitgründer und Teil des Vorstands beim Historischen Verein oder langjähriges Mitglied im Kirchenvorstand (1982 bis 2010) der evangelisch-lutherischen Kirche – Lang ist bereichernd. Für die Vereine, für den Ort. Als Kraxenträger bei den Gau- und Trachtenfesten sorgt er dafür, dass „Oberammergau besonders wahrgenommen wird“, sagt Utschneider und bezeichnet ihn als „Botschafter“ des Ortes.

„Deswegen werd‘ ich jetzt kein braver Bürger“

Als Schüler von Hans Schwaighofer unterstützte Lang die Rosner-Prob’, die Reform-Passion. „Er ist offen für Neues.“ Aber er bewahrt auch Heimat-Historie, unterstützt Ausstellungen des Museums und sammelt leidenschaftlich. Zum Beispiel Postkarten. Knapp 2500 Stück sind’s inzwischen, ein „unheimlicher Fundus der Ortsgeschichte“, betont der Fraktionssprecher. Und vor allem „sitzt er nicht drauf“, sondern leiht sein Material auch aus. Ähnlich wie er sein Haus, das Geburtshaus von Ludwig Thoma, öffnet. Für Theaterstücke oder Vorträge. Stets „unkompliziert, unbürokratisch und kostenfrei“.

Lang selbst lauscht der Laudation aufmerksam und sagt danach: „Das hört sich wild an.“ Er freut sich über die Ehrenplakette, merkt aber gleich an: „Deswegen „werd’ ich jetzt kein braver Bürger.“ Grundsätzlich ist er nicht der Typ für Ehrungen. „Es gibt auch andere Ammergauer, die viel machen“, sagt er. Bescheidenheit zeichnet ihn aus. Das findet auch Nunn. Obwohl die beiden im Gemeinderat des öfteren „gehakelt“ haben, schätzt er Lang und sieht ihn als Vorbild für die jüngere Generation: „Du hast ein riesengroßes Herz und eine unheimlich soziale Ader.“ 

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