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Die Gemeinde Oberammergau bietet verschiedene Bestattungsarten an, darunter das Erdbegräbnis.

Gemeinderat behandelt Antrag der Frauenliste

Mittenwald als Impulsgeber: Gibt‘s  in Oberammergau künftig einen „Naturfriedhof“?

  • Manuela Schauer
    VonManuela Schauer
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Erdbestattung, Urnengrab oder -Nische: In Oberammergau gibt es verschiedene Arten der letzten Ruhestätte. Jetzt brachte die Frauenliste eine weitere Variante ins Spiel – einen „Naturfriedhof“.

Oberammergau – Der Markt Mittenwald macht’s vor. Er ist Teil des Pilotprojekts der Bayerischen Staatsforsten, die das Konzept „Stille Wälder“ – also Friedhöfe in Waldgebieten – im Freistaat verwirklichen wollen. Die Pläne im Isartal waren für die Frauenliste-Fraktion der Impuls, sich auch in Oberammergau mit dem Thema auseinanderzusetzen. Sie beantragte deshalb, dass die Verwaltung prüft, ob auf Gemeindegebiet eine Möglichkeit besteht, einen „Naturfriedhof“ einzurichten. Eine Zusammenarbeit mit anderen Ammertaler Kommunen sollte ebenfalls bedacht werden. Die aber lehnten bereits ab, wie auch die Mehrheit im Gremium. Nur fünf Ortspolitiker konnte die Frauenliste für den Vorschlag begeistern.

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Zwar war Mittenwalds Vorgehen der Motor für den Antrag, die Entwicklung bei Bestattungen verfolgt Katharina Floßmann aber schon länger. „Die normale Erdbestattung wollen immer weniger“, argumentierte sie. Aus finanziellen und persönlichen Gründen. „Dem sollten wir Rechnung tragen.“

Die Rathausverwaltung vertritt eine andere Meinung. Nachdem die Gebühren der Bestattungseinrichtung nach einer Kalkulation des Kommunalen Prüfungsverbands vor vier Jahren stark angestiegen waren, wurden immer mehr Grabstätten nach Ablauf der Nutzungsfrist aufgelöst. Zwischen September 2015 und Juli 2019 insgesamt 100 Stück. Eine Entwicklung, die sich wohl so fortsetzt. Um dem Trend entgegenzuwirken, „sollte die Gemeinde aus Sicht der Verwaltung keine weiteren Bestattungsmöglichkeiten anbieten“, sagte Bürgermeister Arno Nunn (parteifrei) in der Sitzung.

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Außerdem gab er zu bedenken, dass die Bauhof-Mitarbeiter ob des enormen Unterhaltsaufwands an Leistungsgrenzen stoßen würden. Zumal der Friedhof am Malensteinweg ohnehin seit Jahren nur mit großer Mühe gepflegt und eine 450-Euro-Kraft dafür abgelehnt wurde. Beschwerden über das Erscheinungsbild der Anlage – keine Seltenheit.

Eher eine „Modeerscheinung“

Damit nicht genug: Nunn zufolge ist erst eine Urne im neu geschaffenen „anonymen Gemeinschaftsurnengrab“ unterhalb des Grottenweges – es ähnelt einem „Friedwald“ – beigesetzt worden. Warum die Bevölkerung diese Möglichkeit nicht annimmt? Der Rathauschef kann nur spekulieren, tippt aber auf die unwürdige Optik. 

Das Gros der Gemeinderäte konnte sich mit einem „Naturfriedhof“ ebenfalls nicht anfreunden. Während Florian Schwarzfischer (BIO) ihn für eine „Modeerscheinung“ hält, zweifelte Michael Fux (Freie Wähler) daran, dass eine Bestattung dort billiger käme als auf dem „anonymen Gräberfeld“, die insgesamt 1400 Euro kostet. Eine Einschätzung, die Eugen Huber (Mit Augenmaß) mit Zahlen bekräftigte. Der Zweite Bürgermeister hat sich über Preise informiert. Sie liegen ihm zufolge für einen Baum bei 2500 Euro, für einen anonymen Platz bei 500 Euro – zuzüglich der Beisetzungsgebühren von etwa 500 bis 600 Euro. „Das ist nicht viel günstiger“, machte er deutlich. Gleichzeitig wies Huber auf die Beschaffenheit des Waldes hin. Stabil müsse er sein. „Sonst fallen die Bäume bei Sturm um.“ Einen geeigneten Standort zu finden, erachtet Nunns Vize als schwierig.

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Dass die vorgeschlagene Variante gleich im kommenden Jahr umgesetzt wird, damit hatte Floßmann gar nicht gerechnet. Vielmehr ging es ihr darum, die Idee im Hinterkopf und die Entwicklung in Mittenwald im Auge zu behalten. Schlau gemacht hat sich die Verwaltung im Isartal schon. Allerdings noch ohne großen Erkenntnisgewinn. Unter anderem, weil der Personenkreis, der sich dort im Wald bestatten lassen darf, noch nicht näher bestimmt worden ist. Auskünfte darüber sowie über Kosten und Gebühren für den Markt gibt es frühestens im Januar 2020.

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