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Beeindruckend: Die Lichtinstallation in St. Peter und Paul.

Passionsspiele 2020

Grandiose Lichtinstallation in der Oberammergauer Pfarrkirche

Eintauchen und Runterkommen: Pünktlich zur Passion verwandelt sich St. Peter und Paul in eine Welt aus Farben und Texten.

Oberammergau – Aufwühlende Szenen werden sich sicherlich auch 2020 wieder im Rahmen der nächsten Oberammergauer Passion abspielen. Um den Besuchern die Möglichkeit zu geben, diese im Nachgang gut zu verarbeiten, hat man sich in der Pfarrgemeinde Gedanken gemacht. Eine spezielle Lichtraumgestaltung des Künstlerduos Georg Trenz und Detlef Hartung wird in der Pfarrkirche St. Peter und Paul allabendlich für einen besinnlichen Ausklang sorgen. „Die Zuschauer sollen hier nach der Passion runterfahren und das Gesehene nachwirken lassen“, erklärt Dekan Thomas Gröner.

Ursprünglich stand dabei die Idee im Raum, biblische Passionstexte über die Passionsfresken der Kirche zu legen. „Der Text war hierzu jedoch zu lang.“ Trenz und Hartung wählten daraufhin drei der letzten Worte Jesu, die nun mit Hilfe zweier Beamer und eines Projektors in Szene gesetzt werden. „Jetzt schwirren die Worte durch die Kirche, als würde es schneien“, beschreibt Gröner. „Es ist grandios!“ Wer die Licht-Wort-Künstler schon einmal in Aktion erlebt hat, der kann sich eine Vorstellung machen. Weltweit sorgen sie seit rund 20 Jahren für Aufsehen, wenn sie bekannte Gebäude wie die Stadtmauer in Jerusalem oder den Kölner Dom in Szene setzen. Sie verwenden lichte Schlagworte, lassen Sätze ineinanderfließen und spielen mit einzelnen Bruchstücken, um damit Emotionen auszulösen.

Auch in der Oberammergauer Pfarrkirche soll die Konstruktion das Innerste des Betrachters berühren. Durch das Spiel mit Licht, Geschwindigkeit und Form wird das Geschriebene fühlbar. „Es geht weniger um die Lesbarkeit, sondern der Sinn soll über die Fragmente erkennbar sein“, erklärt Trenz. Durch das Auseinandersetzen mit der Textur bildet sich eine Struktur, die den ganzen Kirchenraum einnimmt. Das gewohnte Antlitz der Kirche löst sich auf und scheint nur noch durch. „Jeder Text ist auch ein Bild.“ Bei dem Satz: „Mein Gott, wieso hast Du mich verlassen?“ geht etwa ein stiller Aufschrei durch den Raum, mit einer horizontalumarmenden Umkreisung des Kircheninneren heißt es: „Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Vertikal fließen die Buchstaben, die letztlich mit dem finalen Ausspruch „Vater, in Deine Hände lege ich meinen Geist“, die Decke erhellen. Etwa 16 Minuten dauert ein Durchgang, der dann in einer Loop-Schleife mehrmals wiederholt wird. Bewusst haben die Künstler auf eine Vertonung verzichtet. „Der Betrachter soll sich in der Stille seinen eigenen Gedanken widmen“, betont Trenz.

Für ihn und seinen Kollegen ist die Arbeit in Oberammergau etwas ganz Besonderes. Sie betrachten es als eine große Aufgabe, vor allem den Bürgern mit ihrer Kunst gerecht zu werden. „Der ganze Ort lebt für die Passion. Es handelt sich weniger um ein Kunst-Publikum, sondern es sind gläubige Menschen, die ihren Kirchenraum neu wahrnehmen.“ Eine abgespeckte Version präsentierten die Künstler bereits zur Finissage der Oberammergauer Bibelausstellung am Palmsonntag.

Damit diejenigen, die bei dem Spiel mitwirken, das Werk in seiner ganzen Pracht bewundern können, soll es zwei Wochen vor dem Passions-Start eine Premierenvorführung geben. Danach wird das meditative Spektakel nach jeder Aufführung der Passion zu bewundern sein.

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