Beliebte Route für Gassigeher: Der Altherrenweg verläuft zwischen Ober- und Unterammergau.
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Beliebte Route für Gassigeher: Der Altherrenweg verläuft zwischen Ober- und Unterammergau.

Tiere reißen Wild

„Massive Probleme“ an beliebtem Weg: Hunde laufen frei herum - Gemeinde greift zum Schutz des Wilds durch

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
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Es ist beschlossene Sache: In Oberammergau soll eine Anleinpflicht eingeführt werden. Die Geltungsbereiche werden noch definiert.

Oberammergau – Dominik Rödel treibt sich in der Regel in der Natur herum. Kümmert sich um die Wildtierfütterung oberhalb des Altherrenwegs und allgemein um die Jagd in Oberammergau. Diesmal aber sitzt er im Ammergauer Haus. Schildert im Gemeinderat seine Eindrücke, spricht Klartext: „Wir haben in dem Bereich Probleme.“ Der Berufsjäger geht noch einen Schritt weiter – „massive Probleme“. Täglich zählt er auf der beliebten Gassiroute um die 50 Hunde. „Wenn einer davon nicht pariert“, betont er, „ist das einer zu viel.“ Ein Wildtier könnte das mit dem Leben bezahlen. Wie es schon mehrfach passiert ist.

Jedes Jahr kommt es zu solchen Fällen. Allein heuer weiß er von zwei. Ende Januar zum Beispiel war ein Rehkitz von einem frei laufenden Hund getötet worden. „Das ist immer ärgerlich“, sagt Rödel. Nur wie löst man dieses Problem? Der Gemeinderat möchte es nun versuchen und stimmte grundsätzlich dem Erlass einer Verordnung über das Halten von Hunden zu. Heißt nichts anderes, als dass eine Anleinpflicht kommen soll. Für welche Bereiche sie gilt, wird die Rathausverwaltung zusammen mit dem Naturpark Ammergauer Alpen definieren und zu gegebener Zeit dem Gremium zur Abstimmung vorlegen. Pukall führt mit den Landwirten bereits Gespräche. Auch mit Unterammergaus Bürgermeister Robert Stumpfecker stimmt man sich ab, um die Anleinpflicht fortzuführen. Denn wer weiß schon, wo genau die Gemeindegrenzen verlaufen.

Anleinpflicht eigentlich zum Schutz des Menschen gedacht

Die Privatwaldgemeinschaft hatte die Verordnung bereits im Februar 2019 für den Altherrenweg gefordert. Ebenso wie ein Wildschutzgebiet. Das Landratsamt reagierte, wies vier Areale aus, darunter fiel auch der Bereich oberhalb der Route, wo sich die Fütterung befindet. Dort herrscht seither von 1. November bis 30. April ein Betretungsverbot für die Allgemeinheit. Doch Rödel sagt: „Die Leute halten sich einfach nicht dran.“

Bürgermeister Andreas Rödl (CSU) hielt mit seiner Meinung pro Anleinpflicht schon seit längerem nicht mehr hinterm Berg. Wollte diese aber ergebnisoffen im Gemeinderat diskutieren. Im Naturparkforum war das Thema unlängst debattiert worden. Mit dem Ergebnis, dass eine Verordnung als nicht zielführend erachtet werde, weil eine Ahndung kaum möglich sei. Klaus Pukall erläuterte wie Berufsjäger Rödel in der Sitzung seine Sicht der Dinge. Er hält die Anleinpflicht allgemein nicht für das richtige Mittel, um das Problem zu lösen. Denn diese sei für den Schutz der Bevölkerung gedacht und betrifft nur die Vierbeiner mit einer Schulterhöhe ab 50 Zentimetern oder Kampfhunde. Am Altherrenweg aber, meinte der Naturpark-Koordinator, macht die Verordnung Sinn. „Das Reißen von Wildtieren ist durch große Hunde wahrscheinlicher.“

Naturpark-Ranger bereits verstärkt unterwegs

In erster Linie würde er aber auf andere Präventionsmaßnahmen setzen. Zum einen, verstärkt an die Vernunft der Herrchen und Frauchen zu appellieren. Zum anderen, Einzelverordnungen für diejenigen zu erlassen, die sich wiederholt „daneben benehmen“ . Auch die Ranger sind verstärkt am Altherrenweg unterwegs, um die Besitzer darauf hinzuweisen, ihre Hunde an die Leine zu nehmen.

Florian Schwarzfischer (Bio) geht das aber nicht weit genug. Für ihn ist die Verordnung nur ein erster Schritt, der Altherrenweg nur ein Anfang. Er würde am liebsten eine Anleinpflicht für alle Hunde und überall verhängen, dafür Freilaufflächen ausweisen. Wohlwissend, dass „die Viecher nichts dafür können, und die Halter die Depperten sind“. Gleichwohl weiß er, dass die Überwachung schwierig werden dürfte, gerade in der freien Natur.

Bußgeld-Hinweise auf Schildern

Eine grundsätzliche Pflicht, sein Tier anzuleinen, gibt die Gesetzeslage aber nicht her. Pukall aber stimmte Schwarzfischer beim Kontrollproblem zu. Die Ranger dürfen jedoch keine Bußgelder ausstellen. Das sei von den Fördergeldgebern nicht gewünscht. Stattdessen bringt er ein Pilotprojekt des Landkreises ins Spiel. Dieser plant, drei hauptamtliche Naturschutzwächter auf Streife zu schicken. Diese wiederum sollen in möglichst vielen Kommunen Freiwillige ausbilden. Ob das eine Möglichkeit wäre, muss Pukall aber erst mit dem Naturpark-Vorstand besprechen.

Einen weiteren Vorschlag unterbreitete Karl-Heinz Götz (PWG). Der Kommunalpolitiker denkt an Hinweise auf den Schildern. Konkret an einen Vermerk, welche Bußgeldsummen – der Rahmen liegt zwischen 5 und 1000 Euro – bei einem Verstoß anfallen können. Als Abschreckung. Er könnte sich vorstellen, dass die Hunde-Halter das Risiko dann eventuelle nicht eingehen.

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