+
Sind überzeugt vom digitalen Parken: Keven Lehmann (l.) und Arno Nunn. 

Auch die „Semmeltaste“ gibt‘s

Nie mehr Strafzettel: Parken per Smartphone in Oberammergau ab sofort möglich

  • schließen

Oberammergau zieht nach: Ab sofort muss man keine Parkscheine mehr am Automaten ziehen. Das bringt Vorteile mit.

Oberammergau – Natürlich gab es Diskussionen, sagt Arno Nunn und grinst. Ohne geht’s in Oberammergau nur selten. Das Ergebnis: Anders als Ettal, Unterammergau und Bad Kohlgrub, die das digitale System Park Now eingeführt haben, heißt der neue Kooperationspartner der Gemeinde Parkster. „Wir haben die Angebote verglichen“, sagt der Rathauschef. Und am Ende eine Entscheidung für die seiner Meinung nach bürgerfreundlichste Option getroffen.

Ab sofort ermöglicht das Unternehmen, das 2010 in Schweden gegründet wurde und seit 2018 in Deutschland am Markt vertreten ist, auf den Abstellflächen im Zentrum, am Schwimmbad und auf vielen Wanderparkplätzen bargeldlos Tickets zu lösen. Mit der kostenlosen Parkster-App auf dem Smartphone. Damit „erhöhen wir die Möglichkeiten und den Komfort beim Bezahlvorgang und bieten dies über eine zeitgemäße Technologie an“, betont Nunn.

Die Handhabung ist ein Kinderspiel: Aktiviert der Nutzer die Standortinformationen beziehungsweise Ortungsdienste in seinem Handy, erkennt die App automatisch den Parkplatz, Im anderen Fall gibt der Autofahrer den Zonencode ein, der auf den grün-weißen Parkster-Schildern vor Ort steht. Kennzeichen eintippen und den Parkvorgang auf dem Touchscreen starten. Der große Vorteil des digitalen Parkscheins gegenüber seinem gedruckten Kollegen: Die Zeit kann übers Smartphone verlängert werden. Es gibt also keinen Grund mehr, Knöllchen zu fürchten, wenn’s im Café oder im Wartezimmer beim Arzt länger dauert. Kehrt man früher als gedacht zum Fahrzeug zurück, beendet man die Laufzeit und spart unnötige Gebühren.

Bezahlung per Rechnung

Die App ist mit Zusatzfunktionen ausgerüstet: Zum einen mit der digitalen Parkscheibe, die es auf den entsprechenden Flächen ermöglich, kostenfrei zu parken. Zum anderen mit der „Semmeltaste“. Durch sie kann ein Gratisticket bei schnellen Besorgungen gelöst werden.

Die Kontrolle übernimmt die Verkehrsüberwachung. Sie kann die Parkster-Scheine in Echtzeit einsehen. Als Erfolgsrezept bezeichnet Keven Lehmann, Vertriebsleiter Deutschland, die Zahlungsmethode. Sensible Kontodaten einzugeben, ist nicht nötig. „Man braucht kein PayPal oder eine Kreditkarte“, sagt er. Der Nutzer erhält monatlich eine Rechnung – per E-Mail oder per Post. Beträge unter drei Euro werden auf den nächsten Monat übertragen.

Nunn hält das Angebot für äußerst attraktiv. Gerade bei der geschlossenen Bebauung und der hohen Frequenz im Zentrum Oberammergaus. Auch das Abrechnungs-Modell überzeugt ihn. „Wir wollen die Gebühren nicht auf die Nutzer abwälzen“, sagt der Bürgermeister. Denn anders als Park Now, das auf diese noch bis zu 25 Cent drauf packt, zieht Parkster der Gemeinde als Empfänger der Parkgebühren davon Transaktionskosten ab.

Nunn sieht noch weitere positive Effekte: Neben der zusätzlichen Bezahloption ist mittelfristig mit einem geringeren Bedarf an Automaten sowie niedrigeren Wartungs- und Betriebskosten – darunter die Gebühren bei der Bankeinzahlung – zu rechnen. Außerdem stellt Parkster detaillierte Angaben zur Auslastung der Stellflächen bereit und liefert die Datenbasis für künftige Planungen. Interessant für einen Tourismusort wie Oberammergau. Damit könnte man irgendwann den Verkehrsfluss ein bisschen steuern.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Radschnellweg wirft Fragen auf
Zum Thema Radschnellweg Loisachtal fordert Robert Allmann, SPD-Kreisrat, in einer Anfrage von Landrat Anton Speer (Freie Wähler) Auskunft über den Fortgang des Projekts. …
Radschnellweg wirft Fragen auf
Mobilfunk: Eschenloher Pannen-Mast steht - nur die Technik fehlt noch
Erst soff ein Fundament am Rande des Naturschutzgebiets Murnauer Moos ab, dann versackte eine große Bohrmaschine. Im fünften Jahr hat’s geklappt: Seit kurzem steht der …
Mobilfunk: Eschenloher Pannen-Mast steht - nur die Technik fehlt noch
Teuflisch lustig: Hermann Giefer auf dem Weg in die Unterwelt
Von Lansing in die Unterwelt: Nun versuchen sich Dohoam-is-dahoam-Darsteller in einer Extraausgabe des Komödienstadels. Mit dabei: Hermann Giefer aus Mittenwald.
Teuflisch lustig: Hermann Giefer auf dem Weg in die Unterwelt
Hitzige Debatte über Mobilfunkmast in Graswang: Bürger lassen nicht locker
Die Situation ist verzwickt, die Rechtslage eindeutig. Gemeinden können sich nicht vor dem Aufstellen von Mobilfunkmasten schützen. Ettal geht‘s da nicht anders. 
Hitzige Debatte über Mobilfunkmast in Graswang: Bürger lassen nicht locker

Kommentare