Tickets für Passion: Viagogo darf nicht mit "ausverkauft" werben
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Tickets für Passion: Viagogo darf nicht mit «ausverkauft» werben

Streit mit Viagogo

Wirbel um Oberammergauer Passionsspiele: „Günstige Tickets fast alle schon weg“

  • Nina Gut
    VonNina Gut
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Fast ein Jahr noch bis zur Passion in Oberammergau – und fast alles schon angeblich ausverkauft. Mit solchen irreführenden Hinweisen wirbt Viagogo für Tickets.

Oberammergau/München – Neulich standen Kunden in der Geschäftsstelle der Passionsspiele Oberammergau Vertriebs GmbH im Landkreis Garmisch-Partenkirchen und fragten, wo denn ihre begehrten Karten blieben. Die Oberammergauer wussten gar nicht, wie ihnen geschieht. Denn die Kunden hatten ihre Tickets bei Viagogo bestellt, einer Schweizer Online-Plattform, die mit reißerischen Aussagen wirbt. Damit es nicht weiter zu Irrungen und Wirrungen um die Karten kommt, hat die Vertriebs GmbH die Passions-Vertriebsgesellschaft Viagogo verklagt. In erster Instanz hat sie gewonnen. Am Donnerstag wurde nun in der zweiten Instanz am Oberlandesgericht (OLG) München verhandelt.

Viagogo: Ticket-Börse suggeriert Knappheit, die es so gar nicht gibt

Viagogo ist ein so genannter Ticket-Zweitmarkt, auf dem Dritte Karten weiterverkaufen können. Auf der Website wurden schon im Oktober 2018 Karten für die Passion 2020 angeboten, deren Preis ein Vielfaches über dem Originalpreis lag. Beworben wurden die Tickets mit drängelnden Sprüchen wie „Ausverkauft“, „Die günstigsten Tickets sind schon fast alle weg“ oder „Weniger als ein Prozent der Tickets noch verfügbar“.

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Das hält die Vertriebs GmbH für irreführende Werbung – und beantragte eine einstweilige Verfügung auf Unterlassung. Zu Recht, sagte gestern auch das OLG. Punkt für Punkt ging es die Hinweise auf der Homepage durch.

So gaukle etwa die Aussage „Ausverkauft“ vor, dass das Kontingent bereits erschöpft sei und Tickets nicht mehr bezogen werden könnten, sagte der Vorsitzende Richter Andreas Müller. Dabei können Karten bei den Oberammergauern gekauft werden. Bei Viagogo dagegen wird nur verkauft, was gerade von Nutzern eingestellt wird. Auch die Aussage „Weniger als ein Prozent der Tickets noch verfügbar“ bedeute zu Unrecht, dass die Tickets extrem knapp und fast alle ausverkauft seien. Auch ein kleiner Passus auf der Homepage zur Erklärung eigne sich nicht, weil er nicht erkläre, dass auf der Plattform immer nur einzelne Tickets verfügbar sind und nichts über das Gesamtkontingent aussagen.

Festspiele scheitern mit zweitem Teil der Klage

Nur in einem kleinen Punkt unterlagen die Oberammergauer. Sie wehrten sich auch gegen den Verkauf von begehrten Karten für die Premiere am 16. Mai 2020. Dafür sind im Handel gar keine Tickets zu haben – die Plätze sind geladenen Gästen vorbehalten. Dennoch darf Viagogo die Karten weiter anbieten, entschied das Gericht. Premierengäste, die nicht kommen wollen, könnten ihre Plätze über die Plattform anbieten.

Walter Rutz, Geschäftsführer der Passions-Vertriebsgesellschaft, war nach der Verhandlung zufrieden: „Wir sind froh, dass das Gericht klargestellt hat, dass es sich um Irreführung handelt.“ 

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Den Streit gegen die Ticket-Börse Viagogo haben die Oberammergauer gewonnen, der Kampf gegen ungebetene Gäste im Oberammergauer Passionstheater ist jedoch noch im vollen Gange. 

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