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Ein wichtiges Signal: An den Ortseingängen von Oberammergau weisen seit kurzem wieder große Tafeln auf die Passionsspiele in zwei Jahren hin.

Zusatzkosten durch Verschiebung

Jesus bleibt Jesus: Passionsdarsteller behalten ihre Rollen

  • Ludwig Hutter
    vonLudwig Hutter
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In Oberammergau ist nach dem großen Passions-Schock erstmals wieder eine leise Aufbruchstimmung spürbar. Das Leitungsteam hat den Fahrplan für die kommenden zwei Jahre vorgestellt.

Oberammergau – Ein Dorf in Schockstarre. Wie ausgestorben. Plätze und Straßen? Menschenleer! Und daran ist nicht nur Corona schuld. Als Spielleiter Christian Stückl mit tränenerstickter Stimme an diesem 19. März 2020 die Absage der 42. Passionsspiele (und Verschiebung auf 2022) verkündet, muss jeder in Oberammergau diese Nachricht für sich ganz persönlich verarbeiten. Ob auf einem einsamen Berggipfel, daheim im stillen Kämmerlein oder im Gespräch mit der Familie. Obwohl man es längst geahnt hat, sitzt dieser Stachel sehr tief. Viele spüren eine große Leere. Heute, gut elf Wochen später, hat sich der Ort mit der Situation arrangiert – und die Verantwortlichen blicken bereits wieder voraus auf 2022. Regisseur Stückl: „Es hilft ja alles nix. Mia san wieda gefordert.“

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Jedes Kostüm muss wieder anprobiert werden

Vor dem Gemeinderat gab das Leitungsteam der Passion jetzt einen Überblick zum Status Quo. Der Spielleiter machte eine klare Ansage dahingehend, „dass jeder Mitwirkende auf der Rolle bleibt, für die er vorgesehen war“. Mit Veränderungen müsse man rechnen: „Wenn der eine oder andere aus beruflichen Gründen nicht mehr kann. Dann gibt’s halt Umbesetzungen.“ Obwohl sehr viele Gewänder fertig sind, wartet auf die Schneiderei von Susanne Eski ab Herbst 2021 viel Arbeit: „In zwei Jahren verändert sich die Figur, die Jungen wachsen draus. Wer werden jedes Kostüm noch einmal anprobieren müssen, ob es noch passt“, schaut Stückl voraus. Anberaumt sind 75 Anproben-Tage.

Mit den Proben will der Spielleiter am 7. Januar 2022 wieder starten – Markus Zwink, der musikalische Leiter, im Oktober 2021. Die Abteilung Bühnenbau von Carsten Lück war bis zum 15. Mai mit dem Rückbau sowie dem Einlagern von Ausstattung und Technik beschäftigt. Ab Oktober 2021 wolle man, so Lück, langsam wieder loslegen. Später sollen dann elf Personen über einen Zeitraum von fünf Monaten beschäftigt sein. Im Herbst wird es weitere Anstellungen geben – so die weiteren Dirigenten hinter Markus Zwink, einen zweiten Spielleiter sowie Assistenten von Stückl und Zwink. Im vollen Einsatz stehen bereits jetzt Vertrieb und die Sparte Medien von Frederik Mayet. Heuer am 5. Oktober startet wieder der Kartenvorverkauf für die Passion, bereits vorher läuft die Werbung mit Flyern und in den sozialen Medien. Ein weiterer Termin ist der Aschermittwoch nächsten Jahres, wenn sich die Mitwirkenden wieder dem Haar- und Barterlass „unterwerfen“ müssen.

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Neues Budget von 1,85 Millionen Euro

Die Macher gehen davon aus, dass durch die Verschiebung der Passionsspiele von 2020 auf 2022 Zusatzkosten für die Inszenierung in Höhe von 1,85 Millionen Euro entstehen werden. An zusätzlichen Materialkosten für Bühnenbau und Kostüme sind 100 000 Euro eingeplant sowie weitere 150 000 Euro für derzeit noch nicht definierbare Ausgaben. Diesem Budget stimmte der Gemeinderat am Mittwoch nach längerer, kontroverser Diskussion mit 12:6-Stimmen zu. Mit welcher Summe die Gemeinde von der Ausfallversicherung rechnen kann, steht noch nicht fest. Werkleiter Walter Rutz: „Sämtliche Unterlagen liegen derzeit bei unserem Vertragspartner. Ich hoffe, dass noch im Juni ein Gesprächstermin zu Stande kommt und wir danach klarer sehen, was wir erstattet bekommen.“

Nach der Erfahrung von 2020 wird sich Oberammergau in zwei Jahren wohl wieder entsprechend absichern. Die Kosten für die Versicherung in Höhe von 140 000 Euro hat man „gerne“ aufgebracht.

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