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Berührungsängste: Kaspar Schisler (r./Maximilian Stöger) mit dem Totengräber Faistenmantl (Rochus Rückel).

In Oberammergau feiert das Pestspiel an diesem Freitag Premiere

Wie es 1633 zum Passions-Gelübde kam

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Es war eine verhängnisvolle Heimkehr des Kaspar Schisler - er brachte Pest und Tod. Daraus sind dann aber die Oberammergauer Passionsspiele entstanden. 

OberammergauWenn sich – rein symbolisch – der Vorhang auf der riesigen Freilichtbühne im Oberammergauer Passionstheater für die erste Aufführung des Pestspiels öffnet, dann weiß jedes Kind im Dorf: „Es is’ nimmer lang hi bis zum Passio’!“ Schon im November starten die Proben für das weltbekannte Gelübdespiel. Die Geschichte, wie es zu diesem Schwur der Ammergauer im Sommer 1633 kam, „alle zehen Jahre die Passionstragödie zu halten“, erzählt eben das Pestspiel, eine Tragödie aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs, als der „Schwarze Tod“ ganze Landstriche ausrottete.

Acht Aufführungen plant Regisseur Christian Stückl ab dem kommenden Freitag, 28. Juni. Gespielt wird jeweils ab 20 Uhr im Passionstheater, wobei eine Vorstellung mit Pause zweieinhalb Stunden dauert. Für einen wie Stückl, der schon alles inszeniert hat – von Theaterstücken über Musicals, Opern bis hin zu Eröffnungsfeiern für eine Fußball-WM, sollte ein relativ leichter Stoff wie dieses Drama um den Taglöhner Kaspar Schisler, der von Eschenlohe herüber die Pest in seinem Heimatort einschleppte, kein allzu großes Problem sein. „Ja, die G’schicht kennt ja jeder bei uns im Dorf, aber es gibt schon einige Klippen zu meistern. Zum Beispiel die Szene, wie es zum Passionsgelübde kommt. Des muss schon glaubhaft rüberkommen“, erzählt der Spielleiter, der mit seiner Truppe seit sechs Wochen probt: „Damals hat’s ja no koan Bürgerentscheid ’geben . . .“, sagt Stückl mit einem süffisanten Schmunzeln.

Viele Junge hat er diesmal dabei, „und die machen sich alle richtig gut“, findet Christian Stückl. Die Paraderollen haben Rochus Rückel als Totengräber (der Jesus bei der Passion), Maximilian Stöger als Kaspar Schisler (2020 als Kaiphas), Martin Güntner (Vorsteher), Benedikt Geisenhof (Pfarrer), Steinbacher (Andreas Richter) und Thomas Müller (Pestvogt) inne. Wie beim Passion gibt es unter den Sprechrollen nur zwei Frauen, nämlich Barbara Schuster (Schislers Frau) und Sophie Schuster (Tochter des Vorstehers). Den „zweiten Jesus“ Frederik Mayet sucht man diesmal vergebens unter den Hauptdarstellern. Im Juli heiratet sein Cousin, daher musste er diesmal passen und mischt sich „nur“ unter die 70-köpfige Bürgerschaft, wenn er da ist.

Für das Pestspiel hat Markus Zwink eine komplett neue Musik geschrieben, die vom Passionschor und -orchester interpretiert wird. Für das Bühnenbild aus dunklen Gassen und Häusern sowie die Kostüme zeichnet Stefan Hageneier verantwortlich, der auch die Passionskulissen und -gewänder entwirft und gestaltet.

Für die Inszenierung der Pest nimmt die Gemeinde Oberammergau richtig viel Geld in die Hand – insgesamt steht ein Budget von 687 000 Euro zur Verfügung, allein der Bühnenbau verschlingt 200 000 Euro. Der Vorverkauf für das „Übungsspiel“ lief bisher ganz hervorragend: Bereits 12 000 Tickets – pro Vorstellung stehen 2000 Sitzplätze zur Verfügung – sind bereits verkauft. Der Eigenbetrieb Kultur der Gemeinde hofft auf eine Auslastung von 90 Prozent, was einem Umsatzerlös von 520 000 Euro entspräche.

Auf einen Blick

Spieltermine: 28. und 29. Juni, 12./13./19./20. Juli sowie 2./3. August, jeweils 20 Uhr, Passionstheater; Preise: 19, 29, 39 und 49 Euro; Tickets im Vorverkauf: Telefon 08822/945 88 88 oder unter www.passionstheater.de

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