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Vor dem Felsendom auf dem Tempelberg: Die beiden Jesus-Darsteller Rochus Rückel (links) und Frederik Mayet.

Reise an Originalschauplatz

„Jesus“ der Passionsspiele besucht Israel: „Man muss jüdische Seite von ihm kennenlernen“

Die Schauspieler der Oberammergau Passionsspiele haben eine Reise nach Israel gemacht. Unter ihnen waren auch die  Jesus-Darsteller Frederik Mayet und Rochus Rückel.

Oberammergau – Auf dieser Reise wurde Glauben lebendig: Die Schauspieler der Oberammergauer Passion (Kreis Garmisch-Partenkirchen) sind mit Spielleiter Christian Stückl nach Israel gereist, um sich vor Ort für die Passionsspiele 2020 inspirieren zu lassen und Einblicke in das Leben Jesu zu bekommen. Besonders beeindruckend war das für die Jesus-Darsteller Frederik Mayet und Rochus Rückel. Ein Gespräch mit Frederik Mayet über Religion, berührende Begegnungen und Bilder im Kopf.

Herr Mayet, wie war es, als Jesus-Darsteller im Heiligen Land auf den Spuren Christi zu wandeln?

Frederik Mayet: Es war sehr interessant. Als wir die Original-Schauplätze besucht haben, sind ganz besondere Bilder im Kopf entstanden. Am See Genezareth zum Beispiel saßen wir mitten auf einem Feld und haben über Jesus gesprochen. Man sieht die Landschaft und weiß, dass sie vor 2000 Jahren, als Jesus dort seine Bergpredigt gehalten und seine Wunder vollbracht hat, schon so ähnlich ausgeschaut hat. Da fühlt man sich der Person Jesus plötzlich sehr nahe. Jesus wird erlebbar.

Wie haben Sie sich mit der biblischen Geschichte auseinandergesetzt?

Mayet: Bei unserer Reise waren Theologen dabei, die mit uns Bibelstellen gelesen und darüber diskutiert haben. Ich denke, dass ich mich in der Passionsgeschichte jetzt ganz gut auskenne.

Sie waren bereits zum dritten Mal in Israel. Haben Sie trotzdem etwas Neues gelernt?

Mayet: Ja, man lernt immer etwas dazu. An einem Abend haben wir einen Professor für religiöse Studien getroffen, der uns Jesus aus der jüdischen Perspektive erklärt hat. Da habe ich gemerkt, dass ich in dem Bereich Wissensdefizite habe. Bis zum Probenstart werde ich mich noch einmal genauer mit dem Judentum beschäftigen. Ich finde, man muss auch die jüdische Seite von Jesus kennen, um ein gutes Gesamtbild von ihm zu bekommen.

Oberammergau: Bald starten die Proben für die Passionsspiele 2020

Warum ist dieses Wissen so wichtig?

Mayet: Wenn Ende November oder Anfang Dezember die Proben starten, ist nicht mehr so viel Zeit für eine intensive inhaltliche Auseinandersetzung mit der Bibelgeschichte. Das ist aber wichtig, um die Rollen ganz ausfüllen zu können. Das spüren auch die Zuschauer. Wir werden in den Proben deshalb sicher noch oft auf die Reise zurückkommen.

Was hat Sie dabei besonders berührt?

Mayet: Wir hatten sehr viele starke Begegnungen. Der jüdische Holocaust-Überlebende Abba Naor hat uns von seinem Schicksal erzählt. Er hat gesagt, dass er seinen Glauben verloren hat. Aber obwohl er die Hölle auf Erden durchgemacht hat, empfindet er keinen Hass. Er hat das Ideal der Feindesliebe, das ja auch Jesus predigt, total verinnerlicht. Das hat mich sehr beeindruckt.

Welche Eindrücke nehmen Sie aus Jerusalem mit?

Mayet: Unsere Unterkunft in Jerusalem war mitten in der Altstadt. Es war sehr interessant zu erleben, wie die drei Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam aufeinandertreffen und wie sich das Leben vermischt. Das gibt es sonst in keiner Stadt der Welt. Aber leider hatte ich bei der Reise auch den Eindruck, dass die Spannungen zwischen den religiösen Gruppen zunehmen und dass das Extreme immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Oberammergau: Vorfreude auf Passionsspiele 2020 ist durch Reise gewachsen

Eine persönliche Frage: Sind Sie selbst gläubig?

Mayet: Ja, schon. Wir waren am Sabbat an der Klagemauer. Es war beeindruckend, wie die Religion wertgeschätzt wird. Ich würde mir wünschen, dass es sich bei uns auch wieder mehr in diese Richtung entwickeln würde. Je mehr ich mich mit Jesus beschäftige, desto begeisterter bin ich von ihm. Er hat Haltung gehabt – zum Beispiel, als er sich für die Armen starkgemacht hat. Das ist heute noch genauso wichtig wie damals. Gerade diese sozialen Aspekte möchte auch Christian Stückl in der Passion besonders herausarbeiten.

Wie ist nach der Reise die Stimmung im Team?

Mayet: Die Vorfreude auf die Passionsspiele ist noch einmal größer. Wir sind eine super Gruppe, die Zusammenarbeit macht viel Spaß. Durch die Israel-Reise ist die Saat gelegt, jetzt kann sie keimen.

Die Passionsspiele 2020 werfen bereits seit geraumer Zeit ihre Schatten voraus. Über die Reise der Schauspieler nach Israel hatte merkur.de* bereits berichtet. Auch die Forderung, Jesus auf dem E-Scooter statt auf dem Esel einziehen zu lassen, hatte merkur.de* bereits in einem Artikel aufgegriffen.

Video: Vor Passionsspielen: Ein Dorf rasiert sich zum letzten Mal

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

cla

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