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Praxis-Unterricht: die Lehrlinge der Ausbildungsklasse Zimmermann, Schreiner, Holzschnitzer.

Die nächsten Pläne gibt es schon

„Schülerhilfe für Nepal“ macht keine Pause: Jetzt ist eine Gewerbeschule entstanden  

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Bildung ist ein hohes Gut. Sie zu erhalten, in einem Land wie Nepal aber nicht selbstverständlich. Jörg Bahr und sein Verein „Schülerhilfe für Nepal“ setzen alles daran, die Situation zu verbessern. 

Oberammergau/Nepal – Noch immer kämpft Nepal mit den Folgen der katastrophalen Erdbeben 2015. Tausende starben, Gebäude fielen zusammen wie Kartenhäuschen. In einem der ohnehin ärmsten Länder Asiens verloren Menschen ihr Zuhause. Ihre Zukunftsperspektive. Die Aufbauarbeiten dauern an. Dafür braucht’s gut ausgebildete Fachkräfte. Doch die fehlen. Das versucht die Schülerhilfe in Nepal (SHN) zu ändern – und errichtete von 2015 bis 2018 in Bhaktapur im Kathmandutal eine Gewerbeschule.

„Es ist die erste und modernste“, sagt SHN-Vorsitzender Jörg Bahr. Vor zehn Jahren gründete der damalige Stellvertretende Kommandeur der Nato-Schule den gemeinnützig anerkannten Verein. Mehr als 1,4 Millionen Euro wurden mittlerweile investiert und neun Schulen – vor allem in abgelegeneren Regionen – gebaut.

Doch was passiert danach? Eine Berufschulausbildung wie in Deutschland gibt es in Nepal nicht. Nur kurze Lehrgänge, die zwischen sechs bis zwölf Wochen dauern. Das Erlernte reicht oft nicht für die Anforderungen eines Berufs. Zusammen mit seinem Freund Rabindra Puri, nepalesischer Architekt und Künstler, hat Bahr das Konzept für die staatlich anerkannte Gewerbeschule namens „Nepal Vocational Academy“ entworfen. „Auf Basis des deutschen Dualen Systems“, sagt der frühere Bundeswehr-Offizier, der auch schon den „German Rotary Volunteer Doctors“ vorstand. Und in Absprache mit der nepalesischen Regierung. Diese hat die Absicht, auch in Zukunft eng mit der SHN als Ideengeber zusammenzuarbeiten. Als Betreiber der Schule tritt die Stiftung „Rabindra Puri Foundation for Conservation“ auf.

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Kosten lagen bei einer halben Million Euro

Das Vorhaben zu realisieren, war ein Kraftakt. Bahr bezeichnet es als „größtes und anspruchsvollstes Projekt“ des Vereins. Die Kosten für das Gebäude und das Interieur mit Möbeln, Werkstätten und einer Kantine lagen bei über 500 000 Euro. Allen voran rotarische Einzelspender sowie Rotary Clubs, darunter auch der aus Murnau-Oberammergau, dem Bahr angehört, schulterten die Gewerbeschule.

Ziel ist es nun, möglichst viele Schulabsolventen an die Einrichtung zu vermitteln. Gerade auch Jugendliche aus armen Familien. Zwölf Monate dauert die Ausbildung, die mit einer Prüfung unter Aufsicht des jeweils zuständigen nepalesischen Ministeriums endet. Dann gibt’s ein Zertifikat.

Bis Ende dieses Jahres werden 15 Schüler zu Schreinern und Holzschnitzern, je 20 als Elektriker und Installateure ausgebildet. Ab 2020 will man die Zahl sukzessive auf 150 erhöhen. Die Kosten für die Lehre und die Unterbringung betragen pro Person jährlich 400 Euro. Bislang kommt die SHN dafür auf.

Deutsche Handwerksmeister für Hilfe gesucht

Die Lehrer der Gewerbeschule würden ebenfalls gerne Erkenntnisse dazu gewinnen. Bahr hofft darauf, dass sich deutsche Handwerksmeister finden, die sich vorstellen könnten, für drei bis vier Wochen nach Nepal zu reisen, um diese zu vermitteln. „Da wären wir sehr dankbar“, betont er.

Der SHN-Vorsitzende wird längst nicht müde, zu helfen. Er hegt schon die nächsten Pläne. „Ich habe die Absicht, ab 2020 die Gewerbeschule um ein Wohnheim für Lehrlinge und ab 2021 um eine Mittelschule – vornehmlich für Mädchen – zu erweitern.“ Je nachdem, wie viele Spenden eingehen, soll dann ab zirka 2023 auch ein Waisenhaus errichtet werden. Der Name für das Projekt steht bereits: „Bildungszentrum Bhaktapur“.

Derzeit baut der Verein seine zehnte Schule. „Sie wird 550 Buben und Mädchen aufnehmen“, berichtet Bahr. Nach der Fertigstellung betreut die SHN dann insgesamt 4100 Schüler. Sie alle bekommen eine Chance auf Bildung – und damit eine Zukunftsperspektive.

Weitere Informationen

zur Schülerhilfe in Nepal und den Projekten gibt’s im Internet unter www.schuelerhilfe-nepal.de.

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