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Wenn der Passion Thema ist, herrscht in Oberammergau stets hohe Aufmerksamkeit. Der Mittwochabend war wieder ein Beispiel dafür.

Spielleiter Stückl appelliert an Gemeinschaftsgefühl

Umbau der Passionsbühne: Bürgerbegehren wird abgeschmettert

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    Ludwig Hutter
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Jetzt steht es fest: Das Bürgerbegehren gegen den Umbau der Bühne im Passionstheater ist für nicht zulässig erklärt worden. So lautet das Ergebnis der Gemeinderats-Sondersitzung. 

Update vom 29.August, 17.15 Uhr: 

Überm Rappenkopf zucken grelle Blitze, Donner grollen, schwarze Wolken verbreiten eine Endzeitstimmung. Wenigstens die Blasmusik beim Sommerkonzert im Parterre kann die Gemüter etwas aufheitern. Der Marsch „In Treue fest“ erklingt. Ein Fingerzeig? Showdown im Oberammergauer Gemeinderat. Muss die Premiere der Passion 2020 verschoben werden? Drohen gar Regressforderungen in Millionenhöhe? Da verwundert es nicht, dass der Sitzungssaal im ersten Stock des Ammergauer Hauses vor Zuhörern überquillt: rund 80 Bürger, dazu über 20 Gemeinderäte, Mitarbeiter der Verwaltung, Werkleiter, Spielleiter.

Nach zweieinviertelstündiger, intensiver Diskussion ist der Spuk vorbei: 6:12 – die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens „Einzigartige Bühne des Passionsspielhauses erhalten!“ ist abgeschmettert. Um 21.12 Uhr appelliert Christian Stückl unter Applaus: „Wir haben a große Aufgabe vor uns und müssen jetzt endlich olle zsammhoit’n. Des spalten und die schlechte Stimmung muss endlich aufhören!“ Ob die Grabenkämpfe weitergehen?

Verwaltungschef: Bei Bürgerentscheid wäre Premierentermin nicht zu halten gewesen

Stand im Fokus der Diskussionen: die Bühne im Passionstheater. 

Intensiv hatte sich Geschäftsleiter Christian Ostler im Vorfeld mit der Thematik auseinandergesetzt, Bestimmungen, Kommentare, Paragraphen gewälzt und den Sachverhalt „aus absolut neutraler Sicht geprüft“. Dabei kam die Verwaltung zu dem Ergebnis, dass die „formelle Zulässigkeit“ (561 gültige Unterschriften – 430 waren mindestens erforderlich, Art der Fragestellung, etc.) gegeben sei, nicht jedoch die materielle Zulässigkeit. Ostler leitete diese Einschätzung davon ab, dass es vertragliche Bindungen, unter anderem mit dem Leitungsteam der Passion, gebe, die einzuhalten seien. Der Geschäftsleiter wörtlich: „Die weitreichenden Kompetenzen des Spielleiters hat der Gemeinderat am 16. Mai 2018 beschlossen und diesen vertraglich verpflichtet, das Bühnenbild in eigener künstlerischer Verantwortung zu erstellen.“

Ferner sei die Gemeinde bereits lange vor Einreichung des Bürgerbegehrens am 16. August vertragliche Verpflichtungen zum Umbau der Bühne eingegangen. Kernaussage des Verwaltungschefs: „Sollte es zu einem Bürgerentscheid kommen, wäre unabhängig vom Ausgang der Premierentermin der Passion am 16. Mai 2020 auf keinen Fall zu halten. Die Verschiebung der Premiere würde zu einem immensen Schaden, nicht nur in materieller Hinsicht, für die Gemeinde führen.“ Diese Einschätzung teilt auch die Rechtsaufsicht, sprich das Landratsamt, wo Christian Ostler eine Stellungnahme einholte. Zwei zentrale Aussagen des Sachgebietsleiters Günter Hopfensberger: „Die Gemeinde hat die Eigenverantwortung der künstlerischen Neuinszenierung an die Spielleitung übertragen und somit auf die Gestaltung der Bühne keinen Einfluss mehr.“ Das Bürgerbegehren sei demnach als unzulässig zurück zu weisen.

Kompromissvorschlag „nah an einem Schildbürgerstreich“

Den Reigen der Wortbeiträge in der engagierten, absolut sachlichen Diskussion eröffnete Kristina Rupprecht von der Bio-Liste. Sie stellte die Frage in den Raum, ob die Gemeinde auch das Eigentumsrecht am Passionstheater abgetreten habe? Davon stünde nichts im Vertrag mit Spielleiter Stückl. Dazu bemerkte Bürgermeister Arno Nunn: „Die Kompetenzen gehen sicher nicht soweit, dass der Spielleiter die gesamte Bühne abreißen könnte. Wenn, dann müssten dafür erst die nötigen Mittel bereitgestellt werden.“ Der in der Sitzung anwesende Regisseur bemerkte zu dem Thema, dass er auch in den vergangenen Passionen „immer in die Bühne eingegriffen“ habe. Anton Preisinger (Mit Augenmaß) stellte „die klare Aussage der Rechtsaufsicht“ in den Mittelpunkt: „Wer da dann heute für die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens stimmt, nimmt ganz bewusst in Kauf, dass eventuell der Gemeinde ein immenser Schaden entsteht“. Florian Schwarzfischer (Bio) nahm zu dem Begriff Bühne Stellung: „Von Baumaßnahmen steht im Vertrag nichts drin.“ Im weiteren Verlauf der Diskussion machte Ludwig Utschneider den „Kompromissvorschlag“, die Bühne nach der Passion in der jetzigen Form wieder herzustellen, sprich zurückzubauen. Dies bewertete Markus Köpf (CSU) als „nah an einem Schildbürgerstreich“. Eugen Huber stellte fest, „dass der Bürger aus einem Mitwirkungsrecht kein Mitgestaltungsrecht ableiten kann“. Jemand müsse das Sagen haben, und dafür habe der Gemeinderat letztlich einen klaren Auftrag erteilt.

So wurde abgestimmt: 

Für die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens stimmten Ludwig Utschneider, Karl-Heinz Götz, Michael Fux (alle Freie Wähler) sowie Kristina Rupprecht, Florian Schwarzfischer und Maria Hochenleitner (alle Liste Bio).

Dagegen votierten Erster Bürgermeister Arno Nunn, Katharina Floßmann („Bunt in Oberammergau“), Eugen Huber, Wolfgang Proksch, Anton Preisinger, Christiane Knöpfle, Josef Köpf (alle „Mit Augenmaß“), Martin Kratz (Freie Wähler), Markus Zunterer („Engagierte BürgerInnen“), Simon Fischer, Markus Köpf und Andreas Rödl (alle CSU).

Erstmeldung: 

Oberammergau – Die Entscheidung ist gefallen: Das Bürgerbegehren gegen den Umbau der Bühne im Passionstheater wurde für nicht zulässig erklärt. Das hat der Gemeinderat Oberammergau am Mittwochabend in einer knapp zweieinhalbstündigen Sondersitzung mit 12:6-Stimmen beschlossen. 

Lesen Sie auch:  Bürgerbegehren in Oberammergau: Jetzt hat der Gemeinderat das Wort

Vorausgegangen war eine intensive Debatte auf sachlicher Ebene, der rund 80 interessierte Bürger im Ammergauer Haus folgten. Gegen das Vorhaben stellten sich die Vertreter der BIO-Liste und der Freien Wähler. Das Votum entspricht der Empfehlung seitens des Landratsamtes, das das Bürgerbegehren als Rechtsaufsichtsbehörde im Vorfeld geprüft hatte. Der ausschlaggebende Grund: Aufgrund des Vertrags mit der Spielleitung gebe es für die Gemeinde keine Möglichkeit mehr, in die Pläne einzugreifen. 

Das Schlusswort sprach Christian Stückl, Spielleiter der Passionsspiele. Er appellierte daran, keine schlechte Stimmung mehr zu verbreiten, sondern endlich zusammenzuhalten.

Mehr zum Thema: 573 Unterschriften gegen Umbau der Passionsbühne

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