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Lieb und teuer – der Wellenberg. 

Kuriose Entscheidung im Gemeinderat: Ein 9:8 mit Sperrvermerk 

Hickhack und Vorwürfe: Haushaltsberatung in Oberammergau wird zur Wellenberg-Debatte

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Einmal mehr lieferte der Oberammergauer Gemeinderat ein Glanzstück in Sachen Kommunalpolitik-Theater. Eigentlich ging es in der Sitzung um den Haushalt. Am Ende um die Frage: Kann und will man sich den Wellenberg noch leisten?

Oberammergau – Es war mal wieder eine jener Sitzungen, für die der Oberammergauer Gemeinderat schon fast „berühmt“ ist: Mehrstündige hitzige Diskussion, gegenseitige Schuldzuweisungen, Sitzungsunterbrechung, Fensterreden und schließlich eine hauchdünne Entscheidung. Eigentlich sollte am Mittwochabend ja der Haushalt des laufenden Jahres beraten und beschlossen werden, doch das Zahlenwerk war eher Nebensache. Die Debatte driftete völlig ab, reduzierte sich auf die Frage „Kann oder will sich die Gemeinde trotz des hohen Defizits den Wellenberg noch leisten?“ Zur weiteren Zukunft des Schwimmbads ist ja am 20. März eine (eigene) Sondersitzung des Gemeinderates anberaumt – dafür rammten die politischen Räte am Mittwoch schon mal ihre Positionen in den Boden.

Immerhin: Etat wird hachdünn verabschiedet

Das Wichtigste an diesem Abend: Tatsächlich konnte der Etat 2019 verabschiedet werden. Wenn auch nur mit einer hauchdünnen 9:8-Mehrheit. Dies gelang auch nur dank der Stimmen der Fraktion „Mit Augenmaß“, weil deren Bedingung in den Beschluss mit aufgenommen wurde. Zustimmung ja – aber mit dem Zusatz: „Der Gemeinderat erlässt Sperrvermerke für folgende Positionen des Regiebetriebs Wellenberg: Erneuerung der Trinkwasseranlage 245 000 Euro, Sanierungsmaßnahmen im Saunabereich 60 000 Euro und Einbau eines Fitnessraumes im I. Stock ebenfalls 60 000 Euro. Im Klartext: Nur unter der Bedingung, dass diese Vorhaben vorerst ausgesetzt werden, konnten beziehungsweise wollten die Augenmaß’ler dem Etat zustimmen. Freuen wird es vor allem den Kämmerer Stefan Schmid, der damit seinen ersten Haushalt durchbrachte. Die Stimmung sonst? Wenig erbaulich.

Bürgermeister Nunn fängt mit Wellenberg-Debatte an

Die Wellenberg-Debatte am Mittwoch hatte Bürgermeister Arno Nunn ins Rollen gebracht. Ein Dorn im Auge sind ihm die hohen Defizite der Regiebetriebe: Wellenberg 1,2 Millionen Euro, Tourismus 368 000 Euro und Ammergauer Haus 387 000 Euro, macht insgesamt fast zwei Millionen Euro: „Es wäre jetzt eine gute Gelegenheit, diese Posten zu hinterfragen. Vor allem beim Bad werden wir uns wahnsinnig schwer tun, das Minus in den Griff zu bekommen“, stellte Nunn fest. Unmittelbar danach erklärte Wolfgang Proksch für die Fraktion „Mit Augenmaß“ frustriert, „dass es jeder weiß und es jedes Jahr das gleiche ist und trotzdem die Sache (Wellenberg) nicht angegangen wird“. Daher würde seine Gruppierung dem Haushalt nur mit einem Sperrvermerk hinsichtlich der Investitionen für das Schwimmbad zustimmen.

Kristina Rupprecht forderte: „Wenn man einspart, dann überall, auch bei Kultur und Passion.“ Unterstützung fand die taffe BIO-Rätin bei Ludwig Utschneider (Freie Wähler), der wenig Verständnis dafür zeigte, jetzt alles auf den Wellenberg abzuwälzen: „Unser Bad alleinig auf die Anklagebank zu hieven, da machen die Bürger nicht mit.“ Florian Schwarzfischer (BIO) legte nach: „Ich erwarte, dass da beide Seiten, der Wellenberg und die Kultur, objektiv beleuchtet werden. Es gibt auch noch andere Bereiche mit Einsparpotenzialen.“ Wie etwa im Passionstheater, wo Sitzreihen heraus genommen wurden „und uns auch dadurch Einnahmen verloren gehen.“

Kultur und Passion „unsere Identität“

In weiteren Redebeiträgen vermisste Markus Köpf (CSU) Initiativen des Bürgermeisters, gemeinsam Gespräche zu führen, wie man den Wellenberg weiterentwickeln kann, bewertete Katharina Floßmann (Frauenliste) das Bad als Luxusgut, „während die Kultur und der Passion unsere Identität sind“, und sieht Michael Fux (Freie Wähler) im Bad „eine moralische Pflichtaufgabe für die Gemeinde“. Und Arno Nunn? Der beurteilt den Zeitpunkt jetzt günstig, „eine neue Betriebsform für den Wellenberg zu finden“. So endete das Vorspiel für die Sondersitzung im März. Dann heißt es: In die Vollen!

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