+
Eine wunderschöne Freizeit-Anlage, die indes auch viel Geld kostet. Eine schnelle Zukunftslösung für den Wellenberg ist nicht in Sicht.

Gemeinderat führt leidenschaftliche Zukunftsdebatte um das beliebte Schwimmbad

Wie kommt der Wellenberg in Oberammergau aus der Talsohle?

  • Ludwig Hutter
    vonLudwig Hutter
    schließen

Klotz am Bein oder der Oberammergauer liebstes Kind? Beides trifft zu für den Wellenberg. Ein Dorf ringt um eine Lösung für die Zukunft.

Oberammergau – Es gibt so Lieblingsthemen, mit denen sich Kommunalpolitiker immer wieder besonders gern beschäftigen. Denkt man an Oberammergau, fällt dem Beobachter natürlich zuerst „der“ Passion ein. Aber da ist noch ein brisantes Thema, bei dem das Blut der Mandatsträger jedes Mal wieder in Wallung gerät – die Zukunft des Wellenbergs. Jede(r) Gemeinderat(rätin) will natürlich, dass das herzallerliebste Schwimmbad der Ammergauer erhalten bleibt. Doch das Defizit holt die Ortspolitik immer wieder zurück auf den Boden der Tatsachen.

Stramme 70 Minuten beschäftigte sich der Gemeinderat am Mittwochabend neuerlich mit dem „Alpenbad“, wie es früher hieß. Bürgermeister Andreas Rödl verhehlte eingangs nicht, dass zwei Herzen in seiner Brust schlagen – einerseits wäre es für ihn „das Schlimmste, wenn der Wellenberg irgendwann zusperren müsste“, andererseits mahnte er, dass man vor der Wirklichkeit (Bilanz) nicht die Augen verschließen dürfe. Im Verwaltungsdeutsch hört sich das so an: „ ... Ein hoher sechsstelliger Liquiditätszuschuss der Hoheitsverwaltung ist jährlich notwendig, um das Bad am Laufen zu halten ...“

Finanzieller Druck „deutlich erhöht“

Dass das Schwimmbad gleich zu Beginn der neuen Periode wieder auf die Tagesordnung kam, begründete Geschäftsleiter Christian Ostler in seiner Einführung: Neben den reinen Unterhaltskosten würden in naher Zukunft zusätzlich erhebliche Investitionen anfallen. Durch Corona und die Verschiebung der Passionsspiele habe sich der Druck auf die finanzielle Lager der Gemeinde nochmals „deutlich erhöht“. So weit, so gut. Doch bei den Themen Privatisierung und „Weiterentwicklung“ durch einen Investor schrillen bei den PWG-Mitgliedern im Gemeinderat alle Alarmglocken. Nach dem Motto „Wehret den Anfängen!“ Das zeigte sich am Mittwoch erneut. Und da halfen alle Beschwichtigungen von Geschäftsleiter Ostler nichts: „Der heutige Beschluss hat keinerlei rechtliche Folgen und keine Bindung. Er wäre für uns nur ein Arbeitsauftrag.“ Doch Ludwig Utschneider schmetterte noch einmal die PWG-Argumente in den Raum: „Wir haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass wir für die Weiterführung des Wellenbergs als kommunales Ganzjahres-Schwimmbad stehen.“ Karl-Heinz Götz kann sich „nicht vorstellen, dass sich in Zeiten von Corona ein Investor findet“. Dem hielt Ostler entgegen: „Wenn wir es nicht versuchen, wissen wir es auch nicht.“

Köpf: „Für jede Lösung ein Problem“

Immer mehr wogte die Diskussion hin und her, wie ein maroder Kahn im tosenden Meer. Wolfgang Proksch (Mit Augenmaß) wurde es schließlich zu bunt: „Dann soll doch jede Fraktion, die ihre Sichtweise in den Beschluss mit einbringen will, nach vorne gehen zur Sitzungsleitung, um es in der Formulierung aufnehmen zu lassen.“ Peter Held (PWG) forderte noch eine Abstimmung, „dass kein Verkauf des Wellenberg-Areals stattfinden darf“. Genervt war auch Markus Köpf (CSU): „Wir finden hier scheinbar für jede Lösung ein Problem. Wir müssen uns endlich auf den Weg machen, trotz Corona in beiden Richtungen, ob kommunal oder über einen Investor, weiter zu arbeiten.“ Tatsächlich dann wurde die Sitzung für eine Viertelstunde unterbrochen, in der die verschiedenen Positionen in den Beschlussvorschlag eingearbeitet wurden.

Dann kam es in der Tat so, wie es sich Eugen Huber (Augenmaß) gewünscht hatte: „Eine Entscheidung, die von einer breiten Mehrheit des Gemeinderates getragen wird, wäre eine gute Basis für die Verwaltung, weiter zu arbeiten.“ Mit 16:5-Stimmen wurde schließlich ein Beschluss (Kasten oben) gefasst. Die PWG-Räte hatten sich sich offenbar nicht zu einem „Ja“ durchringen können. Sie sahen keinen Sinn in einer „pauschalen Absichtserklärung und schwammigen Beschlüssen“.

Der Beschluss

1) Parallel zur Weiterentwicklung des Wellenbergs als kommunales Schwimmbad wird auch die Möglichkeit eröffnet, das Areal in Zusammenarbeit mit einem solventen Investor weiter zu entwickeln, um eine Bad- und Freizeiteinrichtung für die Öffentlichkeit zu erhalten.

2) Ob der Wellenberg in Zukunft kommunal, ausschließlich privat oder in Zusammenarbeit mit einem Investor geführt wird, ist zum derzeitigen Zeitpunkt nicht absehbar.

3) Das Areal Wellenberg steht nicht zum Verkauf.

4) Der Gemeinderat wird konkrete Informationen für interessierte Investoren ausarbeiten

Abstimmungsergebnis:16:5

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Vom Kranzbach-Manager zum  Oberstdorfer Bürgermeister
Unverhofft kommt oft: Eigentlich wollte Klaus King nach seiner Chefposition im Luxus-Refugium „Das Kranzbach“ eine Auszeit nehmen. Doch es kam ganz anders.
Vom Kranzbach-Manager zum  Oberstdorfer Bürgermeister
90 Jahre Zahnradbahn: Noch heute fahren die Loks aus der Gründerzeit
90 Jahre Zugspitze Zahnradbahn: Die erste Zahnradbahn von 1929 fährt heute noch – dank der Werkstatt.
90 Jahre Zahnradbahn: Noch heute fahren die Loks aus der Gründerzeit
Kurioser Anruf: Student will mit Taxi von Bergstation geholt werden - „Bin auf der Terrasse...“
Ethem Genc war baff, als der Taxifahrer mitten in der Nacht einen Burschen an einem denkbar ungünstigen Ort abholen soll: der Alpspitz-Bergstation. Genc rettet ihm …
Kurioser Anruf: Student will mit Taxi von Bergstation geholt werden - „Bin auf der Terrasse...“
Erst die Passion, jetzt das Heimatsound: Festival wird verschoben
Der Sommer in Oberammergau wird heuer kulturell ruhig. Keine Passion, kein Theater - und auch kein Heimatsound-Festival. Die Veranstaltung ist für dieses Jahr abgesagt …
Erst die Passion, jetzt das Heimatsound: Festival wird verschoben

Kommentare