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Signal aussenden: (v.l.) Bürgermeister Andreas Rödl, Werkleiter Walter Rutz, Spielleiter Christian Stückl und Pressesprecher Frederik Mayet gestern in München.

Verantwortlichen in Oberammergau stellen Stand der Planungen und den weiteren Fahrplan vor

Passionsspiele 2022: Hälfte der Tickets schon wieder verkauft

  • Ludwig Hutter
    vonLudwig Hutter
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An diesem Sonntag, 4. Oktober, wäre der letzte Spieltag der Oberammergauer Passion gewesen. 2500 Mitwirkende hätten in 103 Vorstellungen das Leiden und Sterben Jesu nachempfunden. Die Corona-Pandemie sprengte das Gelübdespiel. Jetzt unternehmen die Ammergauer einen Neustart – in einem Gefühl zwischen Hoffen und Bangen.

München/Oberammergau – Christian Stückl empfand diesen Moment, „als wenn jemand den Stecker gezogen hätte“. Es ist der 19. März 2020: Landrat Anton Speer verkündet vor dem Passionstheater die Absage der 42. Passionsspiele und die Verschiebung auf 2022. Für die Einheimischen bricht eine Welt zusammen, der Spielleiter fühlt sich danach „14 Tage ausgeknockt“. Es folgt ein Sommer in Oberammergau, in dem der Passion, zu dem eine halbe Million Menschen aus aller Welt geströmt wären, plötzlich kein Thema mehr ist. Keine leichte Zeit.

Die Phase der Verarbeitung nach diesem Passions-Lockdown beendeten am Donnerstag die Verantwortlichen der Spiele: Im Münchner Volkstheater stellten sie vor der Presse den Fahrplan bis 2022 und den Stand der Planungen vor. Die schönste Kunde verkündete Geschäftsführer Walter Rutz: „Wir haben in den vergangenen Monaten 450 000 Tickets rückabgewickelt. Kunden, die bereits gebucht hatten, konnten entweder ihre bereits erworbenen Karten umbuchen oder stornieren.“ Das Ergebnis überrascht. Für 2022 sind bereits 50 Prozent der Tickets wieder „eingebucht“, sprich verkauft. Am Montag, 5. Oktober, startet offiziell der Vorverkauf für das restliche Kontingent. Die Preise bleiben unverändert. Für Rutz „eine klare Sache“. Kunden mit bereits erworbenen Karten bekommen diese gebührenfrei zugesandt.

Klare Ansagen machte Spielleiter Christian Stückl zum weiteren Prozedere. Im Januar werden die Mitwirkenden neu erfasst, am Aschermittwoch, 17. Februar wird dann der traditionelle Haar- und Barterlass verkündet. Fortan müssen alle Mitspieler wieder Bärte und Haare wachsen lassen. Unverändert bleibt nach den Worten des Regisseurs die Besetzung der 42 Hauptrollen. Lediglich bei zwei Aposteln könnte es Veränderungen geben, weil sie mit ihrem Studium beginnen. Fast fertig sind Bühnenbild und Kostüme. Dennoch müssten die Gewänder bei jedem wieder neu angepasst werden – „man weiß ja ned, ob die Wamp’n g’wachsen ist“. An den an sich fertigen Text wird Stückl nochmal „rangehen“. Es treibt ihn erneut zu Veränderungen.

Die Verantwortlichen der Passion befassen sich aktuell mit verschiedenen Szenarien in Zusammenhang mit Corona. Der Spielleiter: „Wir wollen spielen, aber wir wissen nicht, wie wir spielen.“ Auch eine amtlich vorgegebene Begrenzung der Zuschauerzahl wird diskutiert. Hierzu bemerkte Christian Stückl, dass man in so einem Fall eventuell sechs anstatt fünf Tage pro Woche spiele: „Das aber nur, wenn die Kapazität im Theater eingeschränkt wird und wir die Nachfrage nicht decken können. Wir wollen niemand enttäuschen.“

Zur weiteren Entwicklung der Pandemie-Situation meinte der 58-Jährige: „Die alten Zustände werden wir nicht mehr bekommen. Wir müssen uns darauf einstellen, dass es zu vielen Veränderungen kommen wird.“

Und dann ist der Spielleiter wieder bei dieser Metapher: „Wir können nicht so einfach den Stromstecker wieder reinstecken und sagen: Und weiter geht’s! Wir werden uns mit neuen Situationen vertraut machen müssen.“ Dennoch gibt sich Stückl überzeugt: „Wir kriegen die Passion hin, olle zsamm, wie auch immer.“ Sagt’s, verlässt das Volkstheater und zündet sich eine Lucky Strike an. Ein Appell, der bis nach Oberammergau hallt.

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