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Zum geplanten und bereits beschlossenen Mega-Umbau des Passionstheaters kommt es nun doch nicht. 

Oberammergauer Gemeinderat stoppt Pläne zur Um- und Neugestaltung

Aus für Mega-Umbau des Passionstheaters

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Das ist ein Hammer: Der bereits beschlossene Umbau des Oberammergauer Passionstheaters für 4,2 Millionen Euro wird gekippt. Dafür gibt es einen triftigen Grund.

Oberammergau – Die Befürworter hatten es sich so schön ausgemalt: Trotz einer minimalen Ratsmehrheit (10:9) in der Sitzung am 25. Juni sollte der Mammut-Umbau des Passionstheaters in Oberammergau für 4,2 Millionen Euro noch rechtzeitig vor Beginn des Gelübdespiels im Mai 2020 abgeschlossen werden. Drei Wochen später folgte der erste Querschuss: Eine Gruppe von Gegnern des Projekts kündigte ein Bürgerbegehren an, legte 580 Unterschriften vor. Ihr Credo: Das Vorhaben ist überdimensioniert, in dem Ausmaß nicht notwendig. Im Gemeinderat am Mittwochabend kam nun der endgültige Genickschlag: Die beschlossene Umgestaltung des Theaters wird gestoppt – weil man die Befürchtung hat, durch ein Bürgerbegehren nicht mehr termingerecht fertig zu werden. Mit 15:4-Stimmen (dagegen votierten Wolfgang Proksch, Katharina Floßmann, Annette Wagner, Eugen Huber) fiel die Entscheidung sehr klar aus.

Zwei große Brocken wiesen die Umbaupläne von Architekt Andreas Holzapfel aus – ein komplettes Vordach rund um die Zuschauerhalle mit 92 Stützsäulen sowie ein völlig neues Foyer für eine vergrößerte Dauerausstellung zur Passion. Weitere Bereiche waren neue Tore und Fenster. Den Zeitplan zur Realisierung schätzten Gemeinderäte schon in der Juni-Sitzung als sehr eng gestrickt ein. Auch Bürgermeister Arno Nunn sprach von einem „sportlichen Ziel“.

Nach Einreichung des Bürgerbegehrens reifte bei den Verantwortlichen die Idee, von der Umgestaltung Abstand zu nehmen. Dazu Nunn: „Auch der Architekt hat uns dazu geraten. Die Zeit wäre bei einem Bürgerbegehren einfach zu knapp geworden, vor Oktober hätte man nicht anfangen können.“ Als der Rathauschef den Sachverhalt in der Sitzung am Mittwoch vorgetragen hatte, stellte Dominikus Zwink (Engagierte Bürger/-innen) den Antrag auf sofortige Abstimmung, der auch mehrheitlich angenommen wurde. Es folgte der 15:4-Beschluss, das Verfahren einzustellen. Binnen kürzester Zeit war das Thema vom Tisch.

Durch diese Entscheidung war auch Tagesordnungspunkt 2 – Zulässigkeit des Bürgerbegehrens „Keine Luxussanierung des Passionsspielhauses“ – inhaltlich erledigt und damit hinfällig. Es musste nicht mehr abgestimmt werden. In einer kurzen Stellungnahme betonte Bürgermeister Arno Nunn, dass hier nach seiner Meinung in der Sache richtig entschieden worden sei. Gleichwohl bewertet er das Umbau-Konzept von Architekt Holzapfel als „durchdacht und sehr gut“. Mit Luxus-Sanierung, wie von den Gegnern argumentiert, habe dies absolut nichts zu tun. Außerdem hätte die Gemeinde noch vor zehn Jahren nicht mal im Traum daran denken zu können, sieben Millionen Euro (drei Millionen sind schon verbaut) in sein Passionstheater zu stecken. Nach dem überraschenden Aus wird nun eventuell der Umbau nach der Passion 2020 abgewickelt. Für den Rathauschef ist das Prozedere nicht ganz schlüssig: „Mir kommt das vor wie beim Fußball, wenn ein Stadion erst nach einer Weltmeisterschaft hergerichtet wird.“ Der Gemeinderat ist nun – wie im Falle eines Bürgerentscheids – ein Jahr lang an seine Entscheidung gebunden.

Georg Glas, einer der Initiatoren des Bürgerbegehrens, fühlt sich durch das Votum bestätigt: „Es ist das erreicht, was wir wollten. Wir sehen uns jedenfalls bestätigt. Und was nach 2020 kommt, wird man sehen.“

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