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Olympia 2018: „Wir dürfen uns nicht wegducken“

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Korbinian Freier ist Sprecher der Grünen in Garmisch-Partenkirchen © fkn

Oberammergau - Ein junger Mann aus Oberammergau (Kreis Garmisch-Partenkirchen) hat Claudia Roth einen Strich durch die Rechnung gemacht. Er hat sich auf dem Parteitag gegen sie gestellt - und eine Abstimmung gewonnen.

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Die Bundesvorsitzende der Grünen ist für die Olympia-Bewerbung 2018, Korbinian Freier (30) stellte sich auf dem Parteitag in Freiburg dagegen. Der Geoökologe fand bei der anschließenden Abstimmung mehr Anhänger als die Chefin. Wir sprachen mit ihm über den Triumph.

Herr Freier, warum haben Sie den Anti-Olympia-Vorschlag auf dem Parteitag eingebracht?

Wir brauchten endlich eine klare Position. Die fehlende einheitliche Linie wurde als Zustimmung interpretiert, dabei gab es bislang keinen bundesweiten Beschluss. Nur weil die Grünen regierungsfähig sind, dürfen wir uns nicht wegducken.

Ihre Parteichefin ist anderer Meinung. Claudia Roth sagt, man muss mitmischen, um gestalten zu können.

Auf den ersten Blick ist das auch ein gutes Argument. Aber im Zuge der Bewerbung hat sich gezeigt, dass die Einflussmöglichkeit von innen sehr gering ist. Wir laufen Gefahr, als grüner Lendenschurz instrumentalisiert zu werden. Mit Druck von außen kann man mehr bewegen.

Machen Sie sich keine Sorgen über Ihr Image? Den Grünen wird ohnehin schon vorgeworfen, eine Dagegen-Partei zu sein...

... aber ich kann doch keinem Blödsinn zustimmen, nur weil ich ein bestimmtes Image fürchte! Außerdem sind wir nicht nur gegen etwas – wir sind für den Umweltschutz und für eine Reform der Olympia-Maschinerie.

Wie bitte?!

Beim IOC (Internationales Olympisches Komitee, Anm. d. Red.) gibt es reichlich Korruption, da läuft vieles schief. Die Verantwortlichen haben eine feste Vorstellung davon im Kopf, wie Olympia auszusehen hat. Die Gegebenheiten vor Ort sollen dann entsprechend angepasst werden, ohne Rücksicht auf Natur und Mensch. Es sollte genau umgekehrt sein: Die Spiele sollten sich den Gegebenheiten anpassen.

Wie soll das gehen?

Warum muss denn alles immer größer und spektakulärer werden? Ist das wirklich der olympische Gedanke? Man könnte die Spiele doch alle vier Jahre am selben Ort austragen, immer unter dem Motto eines neuen Gastgeberlandes. Stattdessen reist der riesige Mückenschwarm ständig um den Globus.

Sie sind also nicht gegen Olympische Spiele in Garmisch-Partenkirchen, sondern nur gegen die Art und Weise?

Olympia, wie es heutzutage nun mal ist, kann man bei uns nicht verträglich für Finanzen, Umwelt und Menschen abhalten. Punkt.

Die Bewerbungsgesellschaft sieht das anders.

Es ist ein unheimliches Gefühl, mit denen zu tun zu haben. Sie legen irgendwelche Zahlen vor, die man nie überprüfen kann. Sie behandeln einen von oben herab, die reinste Gutsherrenmethode. Das kann man vielleicht in China machen, aber nicht in einer lebendigen Demokratie.

Das sind heftige Vorwürfe. War die Debatte auf dem Parteitag ähnlich emotional?

Auf dem Podium ging es eher um die Sachargumente. Aber hinter der Bühne war es emotional - und richtig spannend, weil nicht klar war, wie die Abstimmung ausgehen wird. Ich habe großen Respekt davor, wie Claudia Roth das Votum schließlich aufgenommen hat.

Interview: Thomas Schmidt

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