Olympia-Konzept wird umgeplant

Oberammergau/München - Die Olympia-Bewerber zünden „Plan B“. Wegen des Widerstands von Grundbesitzern in Oberammergau sollen die Wettbewerbe auf andere Flächen verlegt werden. In Frage kommt das Gestüt Schwaiganger.

Im Dorf der Passionsspiele gibt es Protest. Durch Unterschriftenlisten und wenig Bereitschaft, ihren Grund zur Verfügung zu stellen, signalisieren viele Oberammergauer, auf die Winterspiele 2018 in ihrem Ort lieber zu verzichten. Sie fürchten massive Eingriffe in die Natur für ein einmaliges Sport- und Kommerz-Spektakel, sogar ein Bürgerentscheid gegen Olympia ist beantragt. Am Freitag überreichte eine Inititaive dazu 773 Unterschriften. Langlaufloipen in sonniger Lage und zudem nur für 14 Tage seien ökologischer Unsinn, argumentieren die Gegner unter anderem. Bisher hat offenbar nicht einmal die Hälfte der 190 Grundbesitzer den Gestattungsvertrag unterzeichnet. Ohne die gehe es aber nicht, mahnte Bürgermeister Arno Nunn.

Diese Wintersportarten sind olympisch

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olympische Wintersportarten
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Jetzt planen die Verantwortlichen nach Informationen unserer Zeitung spektakulär um. Am Montag will die Bewerbungsgesellschaft für Olympia 2018 bekanntgeben, dass im Sportstätten-Konzept auf den Standort Oberammergau verzichtet wird. „Wir aktivieren Plan B“, sagt ein Mitarbeiter. Der Widerstand der betroffenen Bürger und Grundbesitzer sei zu deutlich.

Die Zeit drängt, weil das Konzept für Oberbayerns Olympia-Bewerbung schon Anfang Oktober beschlossen werden muss. Nun bietet sich als einziges Ausweich-Areal für die Biathlon- und Langlauf-Wettbewerbe im Landkreis Garmisch-Partenkirchen das Gestüt Schwaiganger an. Der Ärger mit den Grundbesitzern hätte sich dann erledigt: Das über 1000 Jahre alte Gestüt ist vollständig in Staatsbesitz. Noch dazu liegt das Areal zwischen Murnau und Kochel verkehrlich günstig nahe an der Autobahn A 95. Topografisch sei es für die Wettbewerbe gut geeignet, haben die Olympia-Macher ermittelt.

Schwaiganger gehört dem Staat seit 90 Jahren. Zu Jahresbeginn 2004 wurde dort das Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Pferdehaltung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft eingerichtet, 450 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche und 300 Hektar Wald umfassend. Die dort gezüchteten Pferde, Rinder, Steinschafe und Brillenschafe unterstehen also letztlich dem Agrarminister.

Das Konzept der Olympia-Bewerbungsgesellschaft sieht fortan die Eis-Wettbewerbe in München und die Schnee-Wettbewerbe in Garmisch- Partenkirchen und Schwaiganger vor. Bob, Rodeln und Skeleton sind weiterhin am Königssee geplant. Das große Olympische Dorf soll in München entstehen.

Christian Deutschländer und Ludwig Hutter

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