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Olympische Winterspiele 2018: Die Rebellion des Jesus-Jünger

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773 Unterschriften übergaben die Olympia-Gegner in Oberammergau am 2. Juli vergangenen Jahres an Bürgermeister Arno Nunn (l.) – weiter v.l. Rudi Killer, Anton Hochenleitner, Regina Schmid, Florian Schwarzfischer, Andrea Sorg, Ernst Floßmann, Josef F. Holzwarth und Korbinian Freier. Foto: hutter
773 Unterschriften übergaben die Olympia-Gegner in Oberammergau am 2. Juli vergangenen Jahres an Bürgermeister Arno Nunn (l.) – weiter v.l. Rudi Killer, Anton Hochenleitner, Regina Schmid, Florian Schwarzfischer, Andrea Sorg, Ernst Floßmann, Josef F. Holzwarth und Korbinian Freier. Foto: hutter

Oberammergau - Eine Zeitlang spielte Oberammergau mit im großen Konzert: Dann war die Episode Olympische Winterspiele 2018 auch wieder ganz schnell Vergangenheit.

Im südafrikanischen Durban fällt am 6. Juli beim Kongress des Internationalen Komitees (IOC) die Entscheidung, ob München zusammen mit Garmisch-Partenkirchen und Schönau die Winterspiele 2018 ausrichten darf. Vor allem in Garmisch-Partenkirchen und Region spaltet diese Bewerbung die Bevölkerung in Befürworter und Gegner. An dieser Stelle sollen im Vorfeld der Vergabe jene Männer und Frauen noch einmal zu Wort kommen, die die Gesichter der Pro- oder Contra-Bewegung waren und diese geprägt haben. Wie haben sie diese Zeit erlebt? Was würden sie anders machen? Heute: Korbinian Freier, Sprecher der Olympia-Gegner in Oberammergau.

Exakt vor einem Jahr - gut fünf Wochen nach Beginn der Passion - fiel in Oberammergau eine denkwürdige Entscheidung: Olympia-Gegner formierten sich zum Widerstand gegen einen möglichen Langlauf- und Biathlon-Standort im Herzen des Ammertals (im Falle eines deutschen Zuschlags für die Olympischen Winterspiele 2018), und reichten ein Bürgerbegehren ein. Gerade eine Woche dauerte es, da hatten die Initiatoren 773 Unterschriften, die solch’ ein Votum unterstützten, gesammelt.

Doch zu einem Urnengang ist es bekanntlich nie gekommen: Wenige Tage danach war Oberammergau aus dem Rennen. Die Bewerbungsgesellschaft war umgeschwenkt und hatte das Gestüt Schwaiganger als Alternative aus dem Hut gezaubert, nachdem im Passionsdorf nur 50 von insgesamt 188 Grundeigentümern ihre Flächen für olympische Wettkämpfe zur Verfügung gestellt hätten. Die Organisatoren hätten mit Parkplätzen und sämtlichen Nebenanlagen 97 Hektar an Wiesen unterhalb der Romanshöhe benötigt.

Als Hauptsprecher des Bürger-Bündnisses gegen Olympische Winterspiele tat sich in Oberammergau Korbinian Freier hervor. Der Apostel (den er bei der Passion spielte) organisierte federführend den Protest. Und sagt heute dazu: „Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, und ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir den Bürgerentscheid durchgebracht hätten.“

Bundesweit für Aufsehen sorgte Freier auf dem Parteitag der Grünen in Freiburg, wo er einen Anti-Olympia-Vorschlag einbrachte und damit die Bundesvorsitzende Claudia Roth, die sich für die Bewerbung ausgesprochen hatte, bloßstellte.

Wenn nun am 6. Juli in Durban das IOC über die Vergabe der Spiele 2018 entscheidet, möchte Korbinian Freier dazu keine Prognose wagen: „Es ist nicht eindeutig voraussagbar, wie es ausgeht. Geld und Beziehungen spielen eine entscheidende Rolle, da läuft immer sehr viel hintenrum.“ Persönlich würde es der Geoökologe, der vor kurzem seinen Doktor gemacht hat und zu Wochenbeginn in Bochum standesamtlich heiratete, bedauern, wenn Korea nicht zum Zuge käme: „Die bewerben sich zum dritten Mal. Es wäre eine Frechheit, würden die Koreaner wieder leer ausgehen.“ Als Überraschung sähe es Korbinian Freier nicht an, wenn tatsächlich Deutschland als Sieger hervorginge.

Dass „Oberammergau hier aus dem Spiel ist“, erfüllt den engagierten Vertreter der Grünen nachträglich mit Zufriedenheit und Genugtuung: „Wir haben uns dadurch viel, viel Stress, Ärger und Probleme erspart. In Garmisch-Partenkirchen hat sich ja gezeigt, wie feindselig und aufgeheizt die Stimmung sein kann.“ Im übrigen vertritt Freier die Meinung, dass Schwaiganger ein nicht weniger sinnvoller Standort ist als es Oberammergau gewesen wäre. Und plädiert weiter für Ruhpolding als Austragungsort.

Ludwig Hutter

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