Ort der Zusammenkunft – eigentlich: die Tourist-Info in Oberammergau.
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Ort der Zusammenkunft – eigentlich: die Tourist-Info in Oberammergau.

Arbeit trotz Corona-Lockdown

Ammergauer Alpen: Online boomt – persönlich bleibt’s trotzdem

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Die sieben Tourist-Infos im Ammertal arbeiten trotz Lockdown auf Hochtouren. Doch vermissen die Gäste den persönlichen Kontakt.

Ammertal – Der Tourismus ruht. Muss ruhen. Doch heißt das nicht, dass in den sieben Tourist-Informationen im Ammertal deshalb Stillstand herrscht. Ganz im Gegenteil. Selbst in dieser Krisenzeit wird fleißig gewerkelt hinter den verschlossenen Türen, erklärt Geschäftsführer Florian Hoffrohne bei der Präsentation der Tourismusbilanz 2020. Wie die Zahlen belegen, können es Urlauber kaum erwarten, bis die Pforten wieder öffnen.

Allein im vergangenen Jahr hat der persönliche Kontakt zu den Mitarbeitern zwischen den Lockdown-Phasen beeindruckende Ausmaße angenommen. Über 63 315 Gästekontakte hat es nachweislich gegeben. Jeder, der eine Tourist-Info persönlich aufsucht oder Kontakt aufnimmt, wird vermerkt. Für Hoffrohne zeigt das vor allem eines: Trotz internetfähiger Smartphones und Tablets suchen Gäste auch vor Ort oder telefonisch noch immer das persönliche Gespräch. Zum Vergleich: Im Rekordjahr 2019 waren es 83 483 Kontakte. Also nur unwesentlich mehr, bedenkt man, dass da die Geschäftsstellen vor der Corona-Krise zwölf Monate durchgehend offen hatten. Und die Monate Januar und Februar 2020 „waren bereits rekordverdächtig“, meint Hoffrohne. Wäre Corona nicht gekommen, wäre 2020 – nicht zuletzt wegen der Passion – ein Ausnahmejahr geworden. Doch ab März hatten die Touristinfo-Mitarbeiter nur mehr eine Aufgabe für drei Monate: Stornierungen abarbeiten.

Vorrangig besuchen junge Familien die Touristinfos

Doch wer besucht die Tourist-Infos eigentlich, obwohl das Online-Angebot mittlerweile recht ausgefeilt und fortschrittlich ist? Wer nun an Klischees denkt, zum Beispiel an rüstige Herrschaften mit Wanderkarte, Hornbrille und weißen Socken in Birkenstocksandalen, irrt. „Vorrangig sind es junge Familien“, sagt Hoffrohne, „die wissen wollen, wo gut gegessen werden kann, welche Wanderwege für Kinder geeignet sind oder wo es mehr über die Ortsgeschichte zu erfahren gibt.“ Auch zeigt die Statistik, dass es größtenteils Frauen sind, die sich persönlich erkundigen. Hoffrohne schmunzelt. „Sie sind anscheinend nicht so ,scheu’ wie wir Männer und einfach kontaktfreudiger.“

Auch klassische gedruckte Prospekte werden nach wie vor fleißig mitgenommen. 9293 Stück sind per Post ausgegeben worden. „Die versendeten Broschüren haben zusammengenommen ein Gewicht von 857 Kilogramm“, sagt Hoffrohne. Hinzu kommt das Naturpark-Magazin. „Aufgrund der Situation gab es 2020 nur eine Ausgabe“, erklärt Hoffrohne. Ausgelegt wurde diese von Juni 2020 bis April 2021 mit einer Auflage von 15 000 Stück, unter anderem verteilt an 2500 Ammergauer Haushalte.

70 Prozent der Mitarbeiter sind in Kurzarbeit

Doch gelten erneut Lockdown-Regeln, die Tourist-Infos haben geschlossen. 70 Prozent der Mitarbeiter befinden sich aktuell in Kurzarbeit. „Wir achten darauf, dass jeder mindestens einmal in der Woche die Chance hat, im Büro zu arbeiten“, sagt Hoffrohne. Auch wenn der persönliche Kontakt zurzeit nicht möglich ist, klingeln die Telefone häufig. Es wird bereits jetzt fleißig für den Sommer gebucht. Auch die Anfragen für das kommende Passionsjahr steigen. Das Team merkt, dass langsam, aber sicher Aufbruchstimmung herrscht.

Florian Hoffrohne blickt optimistisch in die Zukunft.

Die Tourist-Info dient dabei als wichtiger Dreh- und Angelpunkt für die Vermittlung von Gästebetten – inzwischen auch im Online-Bereich. Allein auf der Homepage der Ammergauer Alpen sind im Jahr 2020 über 236 267 Klicks auf die Leistungsträger, sprich die Vermieter, getätigt worden. Über 26 370 Mal ist von der Homepage auf die Gastgeber-Webseiten weiter geleitet, 6450 Mal auf entsprechende Telefonnummern geklickt und 2676 sind E-Mails aus dem digitale Buchungssystem direkt an die Gastgeber geschickt worden. Über das Onlinesystem buchten genau 1232 Gäste, was einem Durchschnitt von 3,37 Reservierungen am Tag entspricht. Hinzu kommen 505 Direkt-Buchungen über den Partner HRS-Destination-Solution. Was Hoffrohne bei diesen Zahlen allerdings zu bedenken gibt: „Wie viele Gäste auf Homepages weitergeleitet und dort letztlich gebucht haben, ist in dieser Zahl noch gar nicht aufgeführt.“ Insgesamt stiegen die Buchungsangebote, die von den Mitarbeitern der Ammergauer Alpen erstellt wurden, um 2899 – ein plus von neun Prozent gegenüber dem coronafreien Vorjahr 2019. „Jedes einzelne Angebot umfasst dabei bis zu sechs Gastgeber.“

Allesamt recht trockene Zahlen, doch machen sie eines deutlich: In der Online-Vermarktung des Ammertals ist einiges passiert. Fast 1,9 Millionen Menschen haben 2020 die Homepage aufgerufen. Die Webseiten der einzelnen Orte insgesamt etwa 3,2 Millionen Mal. Die touristische Wertschöpfung betrug 2020 einen Brutto-Umsatz von über 101,6 Millionen Euro (2019: 173 Millionen Euro).

Dazu beigetragen hat auch die Werbeoffensive. Elf Pressereisen betreute und organisierte der Verband. Daraus resultierten 422 Print-Artikel mit einer Auflage von 33 Millionen, die über 108 Millionen Menschen erreicht haben. „Das entspricht einem Anzeigen-Volumen in Höhe von 7,5 Millionen Euro.“

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