+
So soll der Sternplatz 2019 aussehen – mit Naturpflaster und deutlich ruhiger.

Es geht weiter: Gemeinderat beauftragt Planer

Ortsgestaltung Oberammergau: Alles bleibt im Zeitplan

  • schließen

Jetzt wirklich: Das Ortszentrum von Oberammergau wird für rund 1,7 Millionen Euro neu gestaltet. Eine finale Entwurfsplanung soll im November vorliegen, dann starten die Ausschreibungen. Darauf einigten sich die Räte am Mittwoch in einer ungewöhnlich harmonischen Sitzung.

Oberammergau – Sie können es ja, die Oberammergauer Gemeinderäte. Ohne Streit und ohne ausufernde Diskussionen eine Sache beschließen. Bürgermeister Arno Nunn (parteifrei) bedankte sich am Mittwochbabend sogar bei den Räten für die kurze, effektive Sitzung. „Das war ja wirklich handsam heute“, sagte er danach und lachte. Er hatte Grund zu guter Laune. Mit 16:1-Stimmen – Florian Schwarzfischer (BIO) votierte dagegen – beschlossen die Räte, das Münchner Büro t17,das im Februar den Architektenwettbewerb für sich entschieden hat, solle die Planungen für eine Neugestaltung der Ortsmitte um die Dorfstraße, den Sternplatz, die Verlegergasse und die Ludwig-Thoma-Straße auf Basis des Entwurfs fortsetzen.

Ortsgestaltung - eine sensible Angelegenheit

Eine solche Entscheidung hatten sich Nunn und Projektbetreuer Bernd Sedlmaier bereits Anfang August gewünscht. Doch monierte Ludwig Utschneider (Freie Wähler), er könne nicht über etwas entscheiden, das er zum ersten Mal gesehen habe. Eine Aussage, die damals nicht nur die Verwaltungsseite verwunderte. Auch t17-Inhaber Manfred Kerler hatte damit nicht gerechnet. „Ein bisschen überrascht war ich schon“, sagt er nun auf Anfrage. Schließlich habe man das Konzept bereits im Mai auf einer Bürgerversammlung vorgestellt, die Gemeinderäte kannten die Inhalte. Doch Kerler weiß: Eine solche Ortsgestaltung ist eine sensible Angelegenheit. Und auch wenn er ursprünglich gedacht hatte, man würde etwas schneller vorankommen: Der Zeitplan steht.

Demnach wollen die Planer im April 2018 starten und Ende 2019 alle großen Arbeiten abgeschlossen haben. Spätestens im Mai 2020 und vor den Passionsspielen will Kerler das Projekt abschließen. „Ein sehr realistisches Ziel“, sagt er. Man habe auch noch Luft, falls unvorhergesehene Problem auftreten.

Ein Teil wird bezuschusst

Aktuell rechnet die Gemeinde mit Gesamtkosten von 1,7 Millionen Euro für die Gestaltung des Ortszentrums. Ein Teil davon wird auf die Anlieger umgelegt, ein Teil bezuschusst. Die Betroffenen werden darüber Bürgermeister Nunn zufolge noch detailliert informiert.

Über den Jahreswechsel soll nun die Ausschreibung laufen; das wirtschaftlichste Angebot bekommt den Zuschlag. Vorher aber befassen sich die Räte noch einmal mit dem Konzept. Denn Kerbers Büro stellt nun die Ausführungsplanung fertig, die finale Version segnen die Kommunalpolitiker Anfang oder Mitte November ab – bestenfalls erneut ohne Streit, nachdem die Ortsbesichtigung am Mittwoch vor der Sitzung offenbar Fragen beantwortet und Bedenken zerstreut hat. Vor Ort sehe man Details besser als auf dem Reisbrett, sagte Michael Fux im Namen der Freien-Wähler-Fraktion. „Die Marschroute ist richtig.“ Nun solle man „alle Energie auf den Sternplatz richten“, für Fux das zentrale Thema der Legislaturperiode.

Geändert hat sich zum ursprünglichen Konzept wenig. Es folgt dem Prinzip der Einheitlichkeit. „Das wird alles eine Welt“, betont Kerler. Dabei sollen die Fassaden der Häuser besser zur Geltung kommen, Architektur und Charme des Ortes besser wirken. Als zentrale Themen wurden Material, Bepflanzung und Entwässerung besprochen.

Verschiedene Materialien

Barrierefreiheit ist bei der Neugestaltung ein wichtiger Punkt. Kanten und Stolperfallen verschwinden, der Bereich für Fußgänger und Autofahrer wird über unterschiedliches Material voneinander abgegrenzt. Die Dorfstraße beispielsweise erhält Asphalt in der Mitte, Natursteinpflaster an den Seiten, zusätzlich voneinander abgegrenzt durch Entwässerungsrinnen. Das Natursteinpflaster wird dabei – wie auch auf dem Sternplatz – im wilden Verband verlegt. Das wirke moderner, sagt Kerler. Zudem werde dieses System der Struktur der Häuser gerecht, die auch „spielerisch zueinander stehen“. Brunnen und Kunstobjekte werden auf Granitplatten gestellt, Parkflächen – sechs Plätze fallen an der Dorfstraße weg, die Freien Wähler regten daher eine bessere Beschilderung zu zentrumsnahen Stellflächen an – ebenfalls durch das Material abgegrenzt. Kerler bot an, alle Pflastermöglichkeiten im Vorfeld auf einer Musterfläche zu verlegen, damit sich Bürger ein Bild machen können.

Bäume mit Anliegern abstimmen

Der Planer hat bemerkt: Das Thema Bepflanzen ist ein schwieriges. Man werde, versprach Kerler, behutsam mit den Fassaden umgehen und die Anlieger einbinden. Dies wurde ebenso in den Beschlussvorschlag aufgenommen wie die Vorgabe, dass heimische Arten zu verwenden sind. Diesen Punkt nutzte Schwarzfischer für Grundsatzkritik. Eine Begrünung im Ort begrüßt er, doch Bäume vor Häusern, „da ist Ärger programmiert“. Ohne Grün aber werde alles zugepflastert, was er für städtisch und langweilig hält. „Dann ist die Gestaltung in die Hose gegangen.“

Entwässerung treibt Räte um

Das Wasser treibt die Gemeinderäte um. Beziehungsweise der Schutz davor. Die Fraktion der Freien Wähler um Fux stellte klar: Nur, wenn gewährleistet sei, dass „keiner der Anwohner absäuft“, werde man zustimmen. Auf keinen Fall dürfe, nachdem der Belag der Straße angehoben wird, bei Hochwasser Bürgern Wasser in die Haustür laufen. Entsprechend wurde in der Beschlussvorlage ergänzt, dass die Planer besonderen Augenmerk auf die technische Entwässerung legen. Für Kerler steht außer Frage, sich damit intensiv auseinanderzusetzen und Spezialisten ins Boot zu holen. „Als Planer haben wir schließlich eine Verantwortung.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Forstbetrieb Oberammergau startet Direktvermarktung
Hirsch, Reh und Gams im Angebot: Der Forstbetrieb steigt in die Direktvermarktung für Endverbraucher ein. 
Forstbetrieb Oberammergau startet Direktvermarktung
Neue Siedlung in Grainau
Für 23 Millionen Euro entsteht eine komplett neue Siedlung an der Lärchwaldstraße inGrainau. Erste Vorbereitungsarbeiten gab es bereits. Richtig los geht es aber erst im …
Neue Siedlung in Grainau
Staffelsee-Gemeinden steigen ins Stromgeschäft ein
Das Tauziehen um das Murnauer Stromnetz ist beendet. Jetzt machen die Rivalen von einst, die Marktgemeinde und die Bayernwerk AG, gemeinsame Sache. Ins Leben gerufen …
Staffelsee-Gemeinden steigen ins Stromgeschäft ein
Fünf Jahre „Fitz und Fine“
Nach einem Tief kommt ein Hoch, heißt es. „Fitz und Fine“ befindet sich im Aufstieg. Nach harten Jahren, in denen der Mittenwalder Kinder-Großtagespflege …
Fünf Jahre „Fitz und Fine“

Kommentare