Zu Besuch im Kindergarten Kunterbunt in Oberammergau.
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Zu Besuch im Kindergarten Kunterbunt in Oberammergau.

Über das Fasten, die Römer und Kunstblut am Kreuz

Oberammergauer Experten-Runde im Karfreitagsinterview: „Jesus’ Kreuz war so schwer wie eine Rakete“

  • vonCornelia Schramm
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Der Sohn Gottes ist in Oberammergau allgegenwärtig. Pünktlich zum Karfreitag haben wir vor Ort Mini-Experten befragt, was es mit Ostern auf sich hat. Ein Besuch im Kindergarten Kunterbunt.

Oberammergau – Maja, Fabian, Johanna und Pirmin blicken andächtig zum Kofel hinauf. Auf dem Gipfel des imposanten Berges thront ein großes Kreuz auf einem Felsen. In Oberammergau im Landkreis Garmisch-Partenkirchen ist es von überall aus zu sehen. Wie schwer muss es Jesus wohl gefallen sein, dieses Kreuz da hinauf zu tragen? Aber nicht nur das fragen sich die vier Freunde im Kindergarten Kunterbunt, der gleich bei der Straße „Am Kreuzweg“ liegt. Maja und Fabian sind fünf, Johanna und Pirmin sechs Jahre alt – und in Sachen Karfreitag, Passion und Ostern Profis. Auch wer schon alles über den Sohn Gottes weiß, kann bei diesem Interview noch was lernen.

Was wisst ihr über Jesus?

Johanna (6): Ich kenne ihn ziemlich gut. Wir haben zwei Bücher von ihm. Er beobachtet uns genau und gibt uns Mut vom Himmel runter.

Pirmin (6): Er hat den Menschen immer die Füße gewaschen und ihnen Brot gegeben. Er war total nett.

Maja (5): Ich weiß, dass er uns glücklich machen soll.

Fabian (5): Er hat meistens eine Dornenkette getragen.

Wer hat Jesus ans Kreuz geschlagen?

Johanna: Die Ritter. Sie haben den Jesus leider gejagt.

Maja: Nein, die Römer! Und dann musste er das Kreuz ganz alleine den ganzen Kofel hochtragen.

Fabian: Das Kreuz war sicher so schwer wie eine Rakete.

Maja: Oder sogar so schwer wie ein Haus!

Findet ihr es traurig, dass Jesus am Kreuz hängt?

Maja: Nö, traurig nicht. Außer, wenn er blutet.

Fabian: Aber das ist doch bloß Kunstblut!

Pirmin: Nein, nur bei den Passionsspielen. Sonst ist es schon echt.

Johanna: Bei den Spielen kippen sie da einfach Traubensaft drüber.

Was ist am Karfreitag denn genau passiert?

Fabian: Die Römer haben Jesus ans Kreuz geschlagen. Der Nagel war aber verbogen und hinter seiner Hand versteckt.

Pirmin: Das ist doch nur bei den Passionsspielen so!

Fabian: Stimmt. Aber danach tragen sie ihn in eine Höhle. Und davor steht ein Stein.

Und dann?

Maja: Die Maria hat so doll um den Jesus geweint.

Fabian: Ich weiß es nicht genau. Aber nur der Jesus hat geblutet. Die zwei Diebe nicht. (Dysmas und Gestas heißen die beiden Verbrecher, die laut Bibel nebst Jesu gekreuzigt worden sein sollen.)

Die Experten-Runde im Kindergarten Kunterbunt in Oberammergau: Primin (6), Johanna (6), Maja (5) und Fabian (5).

Was passiert bei den Passionsspielen?

Maja: Da spielt man den Jesus nach. Meine Mama meldet mich da auch an. (Bei den Passionsspielen darf der ganze Ort mitspielen – auch die Kinder. Nächster Termin ist 2022.)

Pirmin: Bei den Spielen ist alles nicht echt, aber es ist mal passiert.

Machen eure Eltern auch bei der Passion mit?

Pirmin: Mein Opa war früher Römer. Ganz aus Eisen und mit Schwert. Der Papa spielt Pauke, aber die Mama ist nur eine Frau, die weint. (Pirmins Mutter spielt in der Darstellergruppe „Die weinenden Frauen“.)

Johanna: Meine Oma spielt die Reise nach Jerusalem nach. (Das ist eine winzig kleine Verwechslung: Johannas Oma spielt bei den Passionsspielen bei der Szene „Der Einzug nach Jerusalem“ mit.) Mein Papa kümmert sich um die Gäste und die Mama kocht. (Johannas Eltern betreiben ein Hotel im Ort.)

Wollt ihr auch bei den Passionsspielen mitmachen?

Pirmin: Wenn ich groß bin, will ich Pauke spielen – wie der Papa! Ab Aschermittwoch schneidet man sich dann nicht mehr die Haare.

Maja: Ich heiße ja Maria. (Majas zweiter Vorname ist Maria) Deshalb will ich mal die Maria spielen. Und mein Bruder Linus will zuerst den Jesus spielen.

Und danach?

Maja: Später will Linus dann mal den Judas spielen!

Warum feiern wir Ostern?

Johanna: Ostern gibt es, damit die Familie glücklich ist.

Fabian: Weil es ein fröhliches Fest ist. Und weil die Mama da die Carrera-Bahn aufbaut.

Maja: Wegen den Osterüberraschungen. Meine Mama kauft mir da gerne Puppen.

Feiern wir wirklich nur wegen der Geschenke?

Pirmin: Nein, auch, weil da das Fasten endlich vorbei ist.

Was ist am Ostersonntag denn noch passiert?

Pirmin: Ach ja! Da ist der Jesus ja auch auferstanden.

Fabian (links) und Pirmin (rechts) glauben, Jesus war „total nett“.

Was mögt ihr an Ostern denn am liebsten?

Maja: An Ostern sind immer Süßigkeiten im Spielauto oder in der Hütte versteckt. Mein Papa hilft mir da heimlich beim Suchen.

Johanna: Es ist einfach ein schönes Wochenende!

Pirmin: Bei Oma und Opa suchen wir im Garten Ostereier. Und in der Früh essen wir immer unser gebackenes Osterlamperl.

Fabian: Das Geschenke suchen mag ich am liebsten. Danach darf ich sogar Fernseh schauen.

Geht ihr an Ostern in die Kirche?

Alle: Die Kirche fällt doch wegen Corona aus!

Pirmin: Aber der Papa und ich, wir tragen große Lautsprecher in den Kirchturm. Bis ganz oben rauf. Die sind sauschwer. (Pirmins Vater ist im Orchester. Durch die Verstärker auf dem Kirchturm hört das ganze Dorf an Ostern die Musik.)

Und warum macht ihr das?

Pirmin: Die spielen dann ganz laut „Heil dir“. Da können alle im Ort mithören. (Pirmin und Fabian stimmen das Lied sofort an. Bei den Passionsspielen wird es zum „Einzug in Jerusalem“ gespielt. Inoffiziell gilt „Heil dir“ daher als die Hymne Oberammergaus.)

Und wer versteckt die Eier an Ostern?

Alle: Der Osterhase!

Woher hat der Osterhase überhaupt die vielen Eier?

Fabian: Er wohnt in einer Höhle. Und da macht er die Ostereier selber.

Johanna: Ich glaube, er kauft sie im Supermarkt und malt sie danach einfach an.

Pirmin: Der Osterhase hat sich einen Gockel und eine Henne gekauft und einen Zaun für sie gebaut. Das mit Ostern merkt er sich und liefert die Eier dann einfach aus.

Beschenkt der Osterhase nur Kinder?

Johanna: Nein. Schon vor Ostern haben Mama und Papa mal ein Paket bekommen. Und da waren Spielsachen und Süßigkeiten drin.

Was sollen Christen am Karfreitag eigentlich nicht tun?

Fabian: Da darf man keine Süßigkeiten essen.

Pirmin: Und man darf auch keine Wurst essen. Nur Obst, Gemüse und Kartoffeln.

Maja: Da darf man nicht traurig sein.

Was bedeutet denn „Fastenzeit“?

Johanna: In der Fastenzeit sollte man das nicht essen, was man fast immer isst. Fett zum Beispiel.

Pirmin: Jesus hat auch gefastet. 40 Tage lang.

Maja: Nein, 40 Tage hat er doch gebraucht, um das Kreuz auf den Kofel zu tragen.

Jesus‘ Kreuz war mit Sicherheit viel zu schwer, wissen Maja (links) und Johanna (rechts).

Fasten eure Eltern auch?

Maja: Sie haben nicht gefastet, aber gesund gegessen.

Johanna: Meine Mama hat keinen Alkohol getrunken. Und Tee auch nicht. Und der Papa keinen Kaffee.

Habt ihr auch auf etwas verzichtet?

Alle: Ja, auf Süßigkeiten!

Johanna: Und auf Joghurt und Fernsehen.

Habt ihr auch mal heimlich genascht?

Maja & Johanna: Ja, manchmal schon ...

Fabian: Nur der Pirmin nicht!

Pirmin: Ich hab’ echt nicht geschummelt. Schokolade, die ich geschenkt bekomme, hebe ich mir auf. Bis Ostern muss ich stark bleiben. Da esse ich sie dann.

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