Der Herr der Spezialeffekte: Filmproduzent Christian Bierling aus Oberammergau. Foto: Beate Berger

Er arbeitete schon mit Mel Gibson und Roland Emmerich

Passion 2020: Christian Bierling ist der Herr der Hollywood-Explosionen

Passionsporträt: Film-Blockbuster sind sein Metier: Christian Bierling spielt bereits zum siebten Mal Josef von Arimathäa. Beruflich arbeitet er mit Hollywood-Giganten zusammen.

Oberammergau – Seine Arbeit hat wohl so ziemlich jeder Kinogänger schon auf der Leinwand bestaunen dürfen: Seien es die spektakulären Explosion im Hollywood-Blockbuster Independence Day mit dem oscar-nominierten Schauspieler Will Smith, als ganze Hochhäuser und sogar das Weiße Haus von Aliens zerstört werden, oder das actionreiche Intro der Kultserie Alarm für Cobra 11 – Christian Bierling aus Oberammergau ist der Herr der Spezialeffekte. Nächstes Jahr spielt der hollywood-erfahrene Filmproduzent bei den Passionsspielen in Oberammergau zum siebten Mal den Josef von Arimathäa – das krasse Gegenteil zu seinem beruflichen Alltag.

Die Passionsspiele sind für Bierling nicht nur Tradition und gelebtes Miteinander. Obendrein gaben sie einst sogar den Ausschlag für seinen beruflichen Werdegang und für eine beispiellose Karriere. „Ich war ein großer Science-Fiction-Fan und wollte schon als kleiner Junge unbedingt zum Film“, erinnert er sich. Seine Eltern waren von dieser Idee nicht überzeugt und bestanden darauf, dass er etwas Anständiges lernt. „Letztlich bin ich schulisch weit herumgekommen“, scherzt er.

Passionsporträt Christian Bierling: Vom Elektrotechniker zum Filmproduzenten

Herauskamen Ausbildungen zum Elektrotechniker und zum Kunststoffformgeber. Im Rahmen der Passion 1990 lernte er dann Rita Falkenberger, die Produzentin der Serie „Löwengrube“, kennen. Sie verschaffte ihm kurzerhand eine kleine Sprechrolle als Polizist. Bierling ergriff die Chance mit Freuden. Er tauchte in der Löwengrube noch mehrmals auf als Wirt, Beamter oder Passant. „Mein Interesse lag jedoch immer eher hinter der Kamera.“ Also betätigte er sich als Produktionsassistent, Beleuchter, kümmerte sich um die Kamerabühne und arbeitete sich schließlich hoch zum Spezialrequisiteur und Pyrotechniker.

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Rund um den Globus war Bierling mit seinen Special- und Floor-Effects bald ein gefragter Mann. In „So weit die Füße tragen“ etwa ließ er es in Weißrussland und nahe der afghanischen Grenze schneien und stürmen, legte ganze Seen an und Waggons auf Eis. Die absolute Krönung für ihn war schließlich der Hollywood-Blockbuster „The Patriot“, betont Bierling. Monatelang arbeitete er mit dem Regisseur Roland Emmerich zusammen, legte Stars wie Mel Gibson Filmblut-Päckchen an und ließ es in den Kampfszenen ordentlich knallen.

Passionsporträt Christian Bierling: Nach den Anschlägen vom 11. September fand seine Karriere ein plötzliches Ende 

Nach diesem Höhepunkt ging es jedoch bergab. „Es gab allgemein einen Brancheneinbruch. Und dann geschah das Attentat vom 11. September“, erklärt Bierling. „Alle Aufträge, die mit Action zu tun hatten, wurden gestrichen.“ Mit einem guten Freund, dem Kameramann Daniel Lindlbauer, sattelte er um und eröffnete kurzerhand das Kinocafé in Oberammergau. Vier Jahre später wurde Bierling für den Film „Highlander“ engagiert und war letztlich wieder so gut im Geschäft, dass für die Kneipe die Zeit fehlte. „Mit einer großen Silvesterparty 2011 machten wir Schluss.“

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Seither jagt ein Job den nächsten. Von seiner Werkstatt auf dem Werksgelände von TVT aus verschlägt es Bierling derzeit viel nach Schweden, Litauen und in alle Ecken Deutschlands. Zusätzlich produziert er seit vielen Jahren eigene Splatter-Filme – meist im Low-Budget-Bereich.

Anders verhielt sich das bei dem Film „Track“, den er 1996 zusammen mit Benedikt Wiedenmann und Sammy Balkas drehte. „Der war richtig teuer. Wir waren in den USA, haben einige Sets aufgebaut und viel Eigenleistung eingebracht.“ Geschätzte 1,7 Millionen Dollar bezahlten die Initiatoren vorrangig aus eigener Tasche. Und das nicht umsonst. „Vier Wochen lang waren wir unter den Top 10. Der Film stand im Regal neben Quentin Tarrantino“, berichtet er stolz. Mit Freuden steht Bierling nun zur Passion zum siebten Mal selbst auf der Bühne. Schließlich nahm hier einmal alles seinen Anfang. VON BEATE BERGER

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