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Bleibt in Gemeindehand: Das Ammergauer Haus, das zu den großen Kostenfressern im Ort gehört.

Kofel Kamera Club muss Domizil räumen

Passion: Büros im Ammergauer Haus

Keiner will das Ammergauer Haus kaufen: Das befürchtete Ergebnis der Markterforschung hat zur Folge, dass die Immobilie in Gemeindehand bleibt. Nun steht ein großer Umbau an: Im Haus wird die Geschäftsstelle für die Passion 2020 untergebracht.

Herausforderung: Im Keller soll aus dem bisherigen Aktenlager ein Büroraum entstehen. 

Oberammergau – Für den Kofel Kamera Club in Oberammergau gibt es schlechte Nachrichten: Die Vereinsmitglieder müssen ihr Domizil im Kellergeschoss des Ammergauer Hauses räumen. „Die Begeisterung hielt sich natürlich in Grenzen“, sagte Bürgermeister Arno Nunn (parteifrei) im Gemeinderat. Auch wenn man wisse, dass der Grund dafür ein wichtiger ist: die Passion 2020. Für sie wird das Ammergauer Haus nun fit gemacht. Dort entsteht die Geschäftsstelle für das Gelübdespiel inklusive neuer Büros – auch für den Eigenbetrieb Kultur und die Passions-Gesellschaften.

„Jeder mögliche Quadratmeter wird künftig genutzt“ , erklärte Nunn das Raumkonzept. Dieses sieht zum Beispiel vor, dass im Keller weitere Arbeitsplätze geschaffen werden. Im provisorischen Sitzungssaal ist dies schon geschehen. Nun ist auch das Aktenlager an der Reihe. Der Umfang der Büros entspreche dabei der Nutzung, wie auch schon beim Gelübdespiel 2010 und 2000.

Ein neues Gesicht bekommt hingegen das Erdgeschoss: „Das Restaurant wird zurückgebaut. Hier entsteht ein Counterbereich mit zirka zehn Arbeitsplätzen für die Organisation der Passionsspiele“, erklärte der Verwaltungschef. Und stellte zugleich klar: Die Küche und der Saal können weiterhin für Veranstaltungen genutzt werden. Der Rückbau bereitet Simon Fischer (CSU), einer der Initiatoren beim letzten Bürgerentscheid zum Erhalt des Ammergauer Hauses, zwar „ein bisserl Bauchschmerzen“. Unterm Strich kann er aber mit den Veränderungen in dem Gebäude leben – weil die Notwendigkeit dafür besteht.

Das gilt auch für das Stüberl der Gaststätte, in dem vier bis sechs Plätze für die Mitarbeiter der Ammergauer Alpen entstehen werden. „Wie ist da die Anbindung“, fragte Christiane Knöpfle (Mit Augenmaß) mit Blick auf die Entfernung zum Hauptbüro auf der anderen Seite des Gebäudes. „Schlecht“, brachte Nunn die Situation auf den Punkt. Sie müssten entweder quer durch den Saal oder außen ums Haus herumgehen. Trotz der Nachteile stellte Nunn aber klar: „Wir brauchen diese Fläche.“

Das gilt auf lange Sicht gesehen auch für den Bereich, in dem jetzt die Sitzungen des Gemeinderates stattfinden. „Je näher die Passion rückt, umso mehr wird der Saal für Orchester- und Chorproben gebaucht“, rief Maria Hochenleitner (BIO) in Erinnerung. Zuvor war über den Vorschlag der Verwaltung diskutiert worden, einen Sitzungsraum im ersten Stock des Ammergauer Hauses zu installieren „Die Lösung ist alles andere als barrierefrei“, monierte Ludwig Utschneider (Freie Wähler) – und sprach damit auch Nunn aus der Seele. Er teilte die Bedenken und erklärte, dass der Gemeinderat mal auch woanders tagen kann. Etwa in der Schule oder im Pfarrheim. Auf Dauer wäre dies aber keine Lösung. Die Verlegung des Sitzungssaals sei erst einer der späteren Umsetzungs-Punkte im Konzepts. Kommen werde sie aber trotzdem. Insgesamt wird die Gemeinde in den nächsten Jahren 100 000 Euro für den Umbau ausgeben. Dagegen stimmte lediglich Utschneider.

Kein Interesse an Kauf

In der vergangenen Woche ist zum 31. März das Markterkundungsverfahren ausgelaufen, mit dem die Gemeinde herausfinden wollte, welcher Investor Interesse am Ammergauer Haus haben könnte. Dieses sollte per Erbbaurechtsvertrag veräußert werden. 1100 potenzielle Investoren haben eine 36-seitige Broschüre bekommen. „Außerdem wurde das Ammergauer Haus auf den Portalen des Bayerischen Brauereibundes, der DEHOGA-Immobilienbörse und bei Immobilienscout24 ausgeschrieben“, erklärte Bürgermeister Arno Nunn (parteifrei) im Gemeinderat. 11 000 Euro wurden für die Aktion ausgegeben. „Die Resonanz auf die Markterkundung war mehr als ernüchternd“, musste Nunn einräumen. Niemand will das Ammergauer Haus übernehmen. „Wir hatten gehofft, dass sich was ergibt“, ergänzte Rathaus-Geschäftsleiter Christian Ostler. Aber das Interesse ging in Richtung Null. Zwar habe es zwei Anrufe bei der Gemeinde und sogar eine Besichtigung der Immobilien begeben. „Aber da war eigentlich schon vorher klar, dass es nicht passt“, erklärte Ostler. „Es ist schwierig.“ Wie Nunn ausführte, wäre der nächste Schritt nun eine europaweite Ausschreibung. Bei einer solchen würde man natürlich viel mehr potenzielle Partner erreichen, müsste aber auch einen hohen fünfstelligen Betrag ausgeben. „Ein Batzen Geld“, wie Karl-Heinz Götz (Freie Wähler) meinte. Er teilte die einstimmige Meinung des Gremiums und auch der Verwaltung, dass man sich diese sparen kann. Und das Ammergauer Haus weiter in Gemeindehand bleibt. Auch wenn ein Verkauf des Hauses nicht möglich ist: Angebote gab es Ostler zufolge schon. Zum einen habe eine Brauerei Interesse bekundet, das Restaurant zu übernehmen. „Wir hätten also nur die Gaststätte verpachten können.“ Oder zum anderen das Ammergauer Haus gleich plattmachen: Das wollten mehrere Firmen, um auf dem Gelände neue Gewerbebauten zu erstellen.

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