Der Einzug Jesu in Jerusalem ist eine der großen Massenszenen der Oberammergauer Passion.
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Der Einzug Jesu in Jerusalem ist eine der großen Massenszenen der Oberammergauer Passion.

Gesundheitsministerium begleitet Großveranstaltung in Oberammergau

Passionsspiele 2022: Noch viele Fragezeichen wegen Corona - „Müssen kühlen Kopf bewahren“

  • Tanja Brinkmann
    VonTanja Brinkmann
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Im Herbst beginnen die Proben. Im Februar 2022 will Spielleiter Christian Stückl die Massenszenen auf die Bühne bringen. Wie das funktioniert, und unter welchen Bedingungen die Passion stattfinden kann, sind die entscheidenden Fragen. In Gesundheitsminister Klaus Holetschek haben die Oberammergauer aber einen Unterstützer gefunden.

  • Acht Wochen vor der Premiere wurden die Passionsspiele 2020 wegen Corona abgesagt und auf das Jahr 2022 verschoben.
  • Jetzt, ein paar Monate vor dem Probenbeginn für 2022, herrscht wieder Ungewissheit, ob und wie die Passionsspiele über die Bühne gehen können.
  • Unterstützend zur Seite steht auf jeden Fall das bayerische Gesundheitsministerium.

Oberammergau – Ein Patentrezept gibt es nicht. Auch keine Kristallkugel, mit deren Hilfe man erkennen könnte, wie sich das Pandemiegeschehen im Herbst/Winter entwickelt. Genau das beschäftigt aber die Macher der Oberammergauer Passionsspiele. Acht Wochen vor der Premiere mussten diese 2020 abgesagt werden – wegen Corona. Eine schwere Entscheidung, die insbesondere die rund 2200 Mitwirkenden hart getroffen hat. Und für viele Tränen sorgte. 2022 soll das Gelübdespiel nun nachgeholt werden. Unter welchen Bedingungen ist die Frage, die nicht nur die Oberammergauer umtreibt.

Deshalb hat Landtagsabgeordneter Florian Streibl (Freie Wähler) einen Termin mit Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) und Vertretern des Passionsortes vereinbart. Zum einen, um ihn und seine Mitarbeiter für das wichtige Thema zu sensibilisieren. Das ist aufgegangen. „Der Minister hat gesehen, dass die Passion den Freistaat in der ganzen Welt repräsentiert“, sagt Oberammergaus Bürgermeister Andreas Rödl (CSU). Zum anderen ging es in München darum, um Unterstützung zu bitten. Ebenfalls mit Erfolg. „Die Zusicherung steht, das Ganze eng zu begleiten“, berichtet Streibl. Zu seiner Erleichterung. Dem Oberammergauer liegt schließlich daran, dass die Passion möglichst störungsfrei stattfinden kann.

Wegen Corona: Massenszenen eine Herausforderung

Eine solche Zusage gibt zum jetzigen Zeitpunkt freilich niemand. „Wir müssen einen kühlen Kopf bewahren“, betont Frederik Mayet, Sprecher der Passion und Geschäftsführer der Passionstheater GmbH. Entscheidend für ihn ist, „dass man zunächst die Proben möglich macht“. Im Herbst will musikalischer Leiter Markus Zwink loslegen, im Januar dann Spielleiter Christian Stückl. Mit einzelnen Registern, wenigen Sängern, kein Problem. Das gilt sicher auch für die Termine mit den Hauptdarstellern. Problematischer wird’s, wenn das ganze Orchester und der Chor zusammenkommen. Und noch komplizierter, wenn die Massenszenen, unter anderem der Einzug Jesu in Jerusalem oder die Empörung, geprobt werden. „Impfen ist da sicher ein Thema“, meint Mayet. Aus seiner Erfahrung am Münchner Volkstheater, wo er ebenfalls als Pressesprecher und zudem Künstlerischer Leiter fungiert, weiß er aber, wie schwierig das ist. „Wir hatten eine große Impfaktion, 98 Prozent des Ensembles haben das wahrgenommen.“ Wenn aber die mit auf der Bühne stehen, die davon Abstand genommen haben, „müssen sich alle täglich testen lassen“. Ein Aufwand, aber ein ziemlich überschaubarer. Ganz anders schaut’s aus, wenn in Oberammergau bei der Empörung mehrere hundert Mitwirkende – insgesamt stehen in dieser Szene gut 800 auf der Passionsbühne – „kreuzige, kreuzige ihn!“ schreien.

Sicherheitsfirma erarbeitet Konzept für Publikum

„Wir können nur an alle appellieren, sich impfen zu lassen“, sagt Rödl. Auch er sieht in den anstehenden Proben die größte Herausforderung. Die Zuschauer, die wohl nach der 3G-Regel – getestet, geimpft oder genesen – Einlass finden, sieht er als gut händelbar an. Das bestätigt Walter Rutz, ebenfalls Geschäftsführer der Passionstheater GmbH. Am Konzept, das Publikum möglichst schnell ins Theater zu bringen, arbeitet er gerade mit der Sicherheitsfirma. Was ihn allerdings umtreibt, ist die Frage, wie viele Zuschauer überhaupt reindürfen. Sollte es wie in Bayreuth und in der Staatsoper laufen, wo die Besucher nach dem Schachbrett-Prinzip verteilt werden, könnten nur 2200 Menschen pro Vorstellung in den Genuss des Gelübdespiels kommen. Mit der Folge: „Dann müssten wir Karten zurückgeben.“ Ein Szenario, das sich Rutz gar nicht ausmalen möchte. „Da geht’s auch um unsere Reputation.“ Er hofft, bis zum Ende des Jahres Gewissheit zu haben, „wo die Reise hingeht“.

Daran, 2022 die letzten fünf Tage im Leben Jesu auf die Bühne bringen zu können, halten bislang alle Beteiligten fest. Holetschek könnte sich Streibl zufolge sogar vorstellen, die Passion als kulturelles Highlight im Freistaat zu einem Pilotprojekt zu machen. Beispielsweise in puncto Zuschauerzahlen. Für die Oberammergauer ist es zudem in mehrfacher Hinsicht wichtig, dass die Spiele stattfinden können. Aus finanzieller, die Passion füllt die Gemeindekasse immer gut für die nächsten Jahre auf, aber auch aus emotionaler. Bürgermeister Rödl denkt an die negativen Schlagzeilen, die eine weitere Absage mit sich bringen würde. Rutz führt außerdem an, dass das gerade die Kinder und Jugendlichen hart treffen würde. „Die müssen wir mitnehmen, damit sie wie wir für die Passion brennen.“

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