Viel Geduld und Zeit müssen derzeit Interessierte mitbringen, die lange für Passionskarten anstehen. Foto: hutter

Passion in Oberammergau: "Run" auf die Restkarten

Oberammergau - An den Spieltagen der Oberammergauer Passionsspiele öffnet die Tageskasse erst mittags: Viele Interessenten stehen da schon Stunden in einer Warteschlange, und gehen dann doch leer aus . . .

Ottmar Filbinger aus Neustadt macht sich nichts vor: „Es könnte schon knapp werden, aber vielleicht hab’ ich ja Glück.“ Zusammen mit weiteren über 150 Interessenten steht er in einer langen Warteschlange vor der Tageskasse am Oberammergauer Passionstheater, um noch für sich und seine Frau zwei Eintrittskarten für eine Aufführung zu ergattern. Bereits vor zwei Stunden hat sich der 48-Jährige eingereiht, und die Kasse öffnet erst in einer guten halben Stunde: „Natürlich bin ich enttäuscht, wenn ich wirklich leer ausgehe.“ So wie Filbinger geht es derzeit vielen, die anstehen für Passionskarten. Bereits in aller Früh, teilweise ab sechs Uhr, kommen die ersten.

Je näher die Mittagsstunde rückt - die Ticketschalter öffnen um 12 Uhr - umso länger wird die Schlange. Und umso ungeduldiger und nervöser die wartende Menge. Werner Herrlinger, Verkaufsleiter der Passion, kennt die Situation: „Wir aktualisieren täglich auf unserer Homepage im Internet die Zahl der Restkarten, die für die jeweiligen Spieltage zur Verfügung stehen. Aber wenn es nur noch 80 oder 60 oder noch weniger Karten gibt, ist irgendwann Schluss. In das Theater passen eben nur 4700 Besucher. Es tut uns leid für die Leute, die keine Karte mehr bekommen. Logisch, dass die da natürlich enttäuscht sind.“ Teilweise standen in den letzten Wochen bis zu 350 Interessenten an der Tageskasse an.

Da kam es dann mitunter auch zu Rangeleien und Rempeleien, weil sich einige vordrängten oder über den Schalter für Behinderte versuchten, in der Schlange nach vorne zu rücken. Zweimal mussten die Mitarbeiter im Tickethäuschen sogar schon die Polizei rufen, die dann schlichtend eingriff und für einen geordneten Ablauf sorgte. Von Schlägereien oder begleitenden Polizeischutz, wie mitunter gerüchteweise schon zu hören war, könne aber überhaupt nicht die Rede sein, betont Anton Miller, Beamter der örtlichen Dienststelle. Man habe inzwischen Absperrgitter aufgestellt und Flatterleinen gespannt: „Alles läuft ruhig und gesittet ab.“ Obendrein schaue immer wieder einmal eine Streife am Theater vorbei. „Das Interesse an Einzelkarten hat sich in den letzten drei Wochen erheblich gesteigert“, weiß Mike Greifelt als Verantwortlicher für den Tagesverkauf. Die Leute verhielten sich im Großen und Ganzen sehr diszipliniert, nur einmal sei es bislang zu Handgreiflichkeiten gekommen.

Verkaufsleiter Herrlinger empfiehlt Interessierten ohne Karten, auf jeden Fall ins Internet zu schauen: „Unter www.passionsspiele2010.de erfährt man, wieviele Karten es für welchen Tag noch gibt.“ Das Kontingent für die nächsten Tage: Freitag fünf Restkarten, Samstag zwei, Sonntag 50. Nicht gerade rosige Aussichten. Andererseits freut sich der Verkaufschef natürlich: „Wir sind so gut wie immer ausgebucht, und dürften momentan bei einer Auslastung von 99,8 Prozent liegen.“ Einzelne, ganz wenige freie Plätze im Theater rührten daher, dass Kunden aus irgendwelchen Gründen nicht angereist sind oder nicht anreisen konnten. Die Passion boomt, Oberammergau darf zufrieden sein.

Ludwig Hutter

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