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Die Apostel Jesu zählen zu den attraktivsten Rollen beim Passionsspiel. Unsere Szene zeigt das letzte Abendmahl von 2010 mit Christus-Darsteller Andreas Richter.

Anmeldefrist für Mitwirkung ist abgelaufen: Die Hälfte sind Frauen

1830 Oberammergauer spielen die Passion 

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Das gab es noch nie: Bei den nächsten Passionsspielen 2020 in Oberammergau wollen genauso viele Frauen wie Männer mit dabei sein.

Oberammergau – Die Emanzipation – sie ist endgültig bei den berühmten Oberammergauer Passionsspielen angekommen. Waren bis 1984 verheiratete Frauen und Frauen über 35 Jahren noch gänzlich von der Mitwirkung an dem Gelübdespiel ausgeschlossen, was erst 1990 per Popularklage aufgehoben wurde, so hat nunmehr das weibliche Geschlecht vollends den Gleichstellungsstatus erreicht. Bei der Passion in zwei Jahren (Premiere 16. Mai 2020) wollen insgesamt 1830 Ammergauer mitwirken – davon sind 50,14 Prozent Männer und 49,86 Prozent Frauen. Der Unterschied macht gerade fünf Interessierte zugunsten des männlichen Anteils aus.

Am 31. März endete die Anmeldefrist, bis zu der Mitwirkungsberechtigte ihre Bereitschaft bekunden konnten. „Es ist etwas zäh angelaufen, aber in den letzten Wochen sind die Anträge in großer Zahl hereingeflattert“, berichtet Walter Rutz, Leiter der Passionsgeschäftsstelle. Kinder unter sechs Jahren, die bisher nicht erfasst wurden, werden künftig gezählt: Da dürften dann noch einmal 500 dazukommen. 36 Mitspielgesuche mussten nach Rutz’ Worten abgelehnt werden, weil die Voraussetzungen nicht gegeben waren: Das Spielrecht besagt, dass man in Oberammergau geboren oder aufgewachsen sein muss oder seit mindestens 20 Jahren hier wohnt. Spielleiter Christian Stückl hatte in der Debatte im Gemeinderat dafür plädiert, die Grenze auf 15 Jahre zu verringern, war aber damit gescheitert.

Hühner für Tempel-Szene angemeldet

Die Mitwirkung 2020 bezieht sich nicht nur auf die Darsteller mit Volk, Römern und Rottlern, sondern auch auf den Chor, das Orchester, Feuerwehr, Sanitäter, „Dekorationer“, Garderobenfrauen, Einlasser und so weiter. Naturgemäß großes Interesse besteht bei den Römern (nicht an Haar- und Barterlass gebunden). Dazu Passionspressesprecher Frederik Mayet: „Rund 80 Römer brauchen wir für das Spiel, gut das Doppelte hat sich dafür gemeldet. Da wird’s sicher Enttäuschte geben.“ Und er selbst? Welche Rolle wünscht sich der Jesus-Darsteller von 2010? „Der Spielleiter wird schon wissen, wo er mich hinstellt und was er mit mir vor hat.“ Auch Walter Rutz – bei der letzten Passion in der Rolle von Josef von Arimathäa – gibt sich diplomatisch: „Ich hab’ keinen speziellen Wunsch geäußert. Ich möchte einfach wieder dabei sein.“ Ein spezielles Ansinnen hatte ein örtlicher Handwerker: Er meldete seine Hühner (!) für die Szene der Vertreibung der Händler aus dem Tempel an.

Bei den „Machern“ der Passion 2020 steht nun vor allem Regisseur Christian Stückl vor einer Mammutaufgabe. Derzeit bereitet er noch eine neue Inszenierung („Der Rüssel“) am Wiener Burgtheater vor, ab Ende April wird er sich dann den Aufgaben in Oberammergau widmen. Dort wird er nicht nur das diesjährige Sommertheater „Wilhelm Tell“ (Premiere 7. Juli) vorbereiten, sondern sich auch intensiv Gedanken über die Hauptrollen, die 120 Sprechrollen und alle weiteren Besetzungen bei der Passion 2020 machen (müssen). Die Darstellerwahl ist schließlich bereits für den 20. Oktober terminiert. „Die Zeit vergeht jetzt rasend schnell“, so das Empfinden von Walter Rutz. Im Mai will der Werkleiter dem Gemeinderat das Passions-Budget vorlegen und in dem Zuge auch Vorschläge für die Honorare der Mitwirkenden machen. Darüber wird dann das Ratsgremium beschließen.

Im Sommer steht dann noch der Umzug der Passions-Geschäftsstelle vom Ammergauer Haus in die Räumlichkeiten der früheren Hypo-Bank an. Die Zentrale soll ab 1. Juli arbeiten. Es gibt also viel zu tun für Rutz, Stückl & Co. – „auch wenn wir in vielen Bereichen schon weiter sind wie vor zehn Jahren“, so der Geschäftsstellenleiter.

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