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Die Inszenierung der Passion 2010 (im Bild Christus-Darsteller Andreas Richter) kostete 4,6 Millionen Euro.

Budget-Entwurf soll im Mai vorgelegt werden

Passionsspielleiter Stückl: „Ich habe nie viel verlangt“

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Wieviel Geld will Passionsspielleiter Christian Stückl für die Inszenierung 2020 ausgeben? Diese Frage brennt den Freien Wählern im Gemeinderat unter den Nägeln.

Oberammergau – 38 Millionen Euro. Eine Zahl, die zunächst sprachlos machte. Präsentiert bei der Bürgerversammlung im Dezember 2010 vom damaligen Werkleiter in Oberammergau, Alfons Gerl. So hoch war der Reinerlös der Passionsspiele, doppelt soviel wie kalkuliert (19,5 Millionen) und um 11,45 Millionen Euro mehr als bei den Spielen 2000. Und das, obwohl hauptsächlich am amerikanischen Markt 80 000 Arrangement zurückgegeben wurden. Solch ein Traumergebnis wünschen sich die Verantwortlichen natürlich auch für „den“ Passion 2020.

Am Anfang steht freilich nicht nur das Wort, sondern auch das Budget. Spielleiter Christian Stückl hatte für 2010 einen Etat von 5,2 Millionen zur Verfügung, gebraucht hat er am Ende für die Neuinszenierung 4,6 Millionen Euro. Was die Zahlen sprechen für 2020, das wollte die Fraktion der Freien Wähler im Gemeinderat in der Sitzung am Montagabend von dem Regisseur wissen. Wiederholt hatte die Gruppierung darauf gedrängt, dass die Werkleitung „einen plausiblen und belastbaren Budget-Entwurf“ vorlegt. Als Frist setzte man den 28. Februar. Der in der Sitzung anwesende Christian Stückl erklärte, dass er diesen Termin nicht halten könne. Er reise in Kürze für zwei Wochen in die USA, um dort für die Passion zu werben, und anschließend sei er in Wien gebunden, wo er eine Theaterpremiere Mitte April vorbereiten müsse: „Aber bis Mitte Mai hab ich die Inszenierungskosten beinander, dann kann ich liefern“, betonte der 56-Jährige. Auch bei den Honoraren für die Mitwirkenden, die 2010 eine Summe von knapp 21 Millionen Euro ausmachten, könne er einen Vorschlag machen. Entscheiden müsse aber der Gemeinderat.

Weniger als der Buchhalter verdient?

„Gegen einen Schnellschuss in dieser Sache“ sprach sich Werkleiter Walter Rutz aus: „Wir müssen erst belastbare Zahlen haben. Zum Beispiel, wieviel Mitwirkende es werden. Die Meldefrist endet ja erst Ende März. Das muss alles vernünftig aufgebaut sein.“ Seine Verwunderung brachte in der Diskussion Florian Schwarzfischer von der Liste BIO zum Ausdruck. Nachdem im Raum stehe, die Honorare für die Mitwirkenden gemäß dem zehnjährigen Preiserhöhungs-Index anzupassen, hätte er sich dies auch für das Leitungsteam gewünscht: „Diese Gagen weichen aber gewaltig vom normalen Preissteigerungsindex ab, die Diskrepanz finde ich nicht gut. Das lässt sich dem Bürger gegenüber schlecht vermitteln.“

Den Angriff konterte Christian Stückl. Er habe bei seinen Passions-Inszenierungen bisher „nie viel verlangt“, aber er habe sich letztes Mal (2010) wahnsinnig geärgert, als er erfuhr, dass ein neu eingestellter Buchhalter mehr als er und der Werkleiter fast das Doppelte von ihm bekommen habe. Sein künftiges Honorar „ist nicht überproportional hoch. Wir sind schließlich drei Jahre damit beschäftigt“. In Sachen Budget ergänzte Stückl noch, dass für die Passionsspiele 2010 erstmals überhaupt ein Haushalt aufgestellt worden sei. Davor habe es immer geheißen: „Was da Passio’ koscht, des koscht’ er halt . . .“ Er selber sei ein Verfechter gewesen, einen Finanzrahmen zu erstellen.

Einstimmig beschloss der Gemeinderat am Ende, dass von der Werkleitung bis spätestens 16. Mai ein Finanzplan-Entwurf vorzulegen ist.

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