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Besonderer Blickfang: Das vordere Drittel des Oberammergau Museums, Richtung Max-Streibl-Platz, soll in Form eines Kubus mit Passionsgewändern verhüllt werden. Das Dach des Gebäudes bleibt im Normalzustand zu sehen. 

Mehr Besucher oder mehr Einnahmen?

Ausstellung während der Passion: Eintrittspreise mit „Ramsch-Charakter“?

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Das Konzept steht. Begleitend zu den Passionsspielen wird die Ausstellung „Ummantelt“ im Oberammergau Museum zu sehen sein. Jetzt mussten noch die Eintrittspreise festgelegt werden. Für Ludwig Utschneider waren die vorgeschlagenen Konditionen zu günstig. Seine Meinung teilte niemand.

Oberammergau – Gute Ideen sind schön. Aber manchmal nicht so leicht umzusetzen, wie man sich vielleicht vorstellt. Dr. Constanze Werner kann ein Lied davon singen. Vor allem über die Konstruktion für die Fassadengestaltung der passionsbegleitenden Ausstellung „Ummantelt – eine Rauminstallation“ im Oberammergau Museum haben sich die Leiterin und ihr Team den Kopf zerbrochen. Jetzt sind alle Probleme beseitigt. In dieser Woche, sagte sie im Werkausschuss, „reichen wir den Bauantrag im Landratsamt ein“.

Die Lösung heißt B1-Platten. Auf die schwer entflammbaren Exemplare sollen die alten, grau-blauen Gewänder des Gelübdespiels mit Leim befestigt werden. „Wir umspannen sie nicht wie ein Zelt, sondern kaschieren“, sagt die Expertin. So, dass die Struktur der Kleidung erkennbar bleibt.

Während Werner im Innenbereich bereits ab dem 7. Januar damit beginnt, die Räume herzurichten, möchte sie im Februar die Platten bearbeiten. Ende März sollen sie aufgebaut und im April ans Gerüst montiert werden. Dafür sitzt ein Spezialist mit im Boot, der auch die Statik prüft. Der Zeitplan ist genau getaktet, um den Eröffnungstermin am 30. April zu halten.

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Zu billig für ein solches Angebot

Ziel der Ausstellung ist, Aufmerksamkeit auf das oft unbeachtete Gebäude zu lenken. Außerdem sollen zwei Oberammergauer Traditionen, die Bildhauerei und die Passion, zusammengeführt werden. Nur wie viel soll der Interessierte zahlen, um „Ummantelt“ bewundern zu dürfen? Im Gegensatz zur Passion 2010, als der Eintritt in den Arrangements enthalten gewesen war, braucht es für 2020 feste Preise. Werner und Werkleiter Walter Rutz verständigten sich darauf, für Erwachsene 3,50 Euro, für Besucher mit Karte ins Passionsspiel 2,50 Euro und für Kinder bis zur Volljährigkeit 1,50 Euro zu verlangen.

Nach Ansicht von Ludwig Utschneider zu wenig. „Es ist ein wertiges Produkt, das angeboten wird“, meinte der Freie Wähler. Für so eine enorme Leistung, einen so günstigen Preis zu machen, das hat für ihn „Ramsch-Charakter“. Er erinnerte daran, dass das Museum Jahr für Jahr ein Defizitbringer sei und man die einmalige Chance mit mehr Besuchern durch das Großereignis nutzen sollte. Vergebene Mühe. Mit dieser Meinung stand er alleine. Das Gremium lehnte seinen Vorschlag mit sechs, vier und zwei Euro ab und entschied sich für die ursprünglich angedachten Preise.

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Ganz nach dem Geschmack des Werkleiters. Ihm sei es lieber, mehr Leute besuchen das Museum zu günstigeren Konditionen anstatt weniger zu einem höheren. Gleichzeitig wies Wolfgang Proksch (Mit Augenmaß) darauf hin, dass „wir selber kein Geld ausgeben“. Werner hat eine Münchner Stiftung, die regionale Kunstprojekte unterstützt, dafür gewonnen, 250 000 Euro beizusteuern. Nach derzeitigem Stand geht die Leiterin davon aus, dass dieses Geld reicht und kein Eigenanteil der Gemeinde nötig wird.

Der Eintritt fließt eins zu eins in die Museumskasse. An die Stiftung muss nichts zurückgezahlt werden, machte Rutz deutlich. Doch trotz der Preise rechnet er bei den Besucherzahlen lieber vorsichtig. 150 000 waren es bei den vergangenen Passionsspielen. Damals gehörte es aber zu den Arrangements, das Museum zu besichtigen. Deshalb möchte er „gemäßigt in den Haushalt gehen“. Derzeit werden Rutz zufolge noch Überlegungen angestellt, ein VIP-Paket samt Führung zu schnüren, das für Gruppenbuchungen interessant sein könnte.

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