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Klare Corona-Regeln: Passionsdarsteller treffen sich zur ersten Probe - Stimmung „gedämpfter als die letzten Male“

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Von: Manuela Schauer

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Leseprobe Passionsspiele Oberammergau Stückl
Es geht wieder los: Wie hier 2020 kommen am 6. Januar die Mitwirkenden zur ersten Leseprobe mit Spielleiter Christian Stückl zusammen.  © A. Stückl

Die Passionsspiele 2022 in Oberammergau sollen stattfinden, so der aktuelle Stand. Die ersten Leseproben haben begonnen. Es gelten strenge Corona-Regeln.

Oberammergau – Opulente Bilder, gewaltige Orchestermusik, hunderte Menschen auf der Bühne: Obwohl die Mutante Omikron wieder einmal das Planen schwierig macht und den Verantwortlichen der Oberammergauer Passionsspiele durchaus Sorgenfalten wachsen mit Blick auf die Premiere am 14. Mai, geht’s nun in die heiße Phase der Vorbereitungen. „Wir wissen alle nicht, was passiert“, sagt Spielleiter Christian Stückl zur Corona-Lage. Aber: „Wir werden jetzt mit den Proben beginnen – und dann arbeiten und hoffen.“

Am Donnerstag, 6. Januar, treffen sich all jene, die eine Haupt- oder eine kleinere Sprechrolle haben für eine erste Leseprobe. Im Januar kommt man dann nur in sehr kleinen Gruppen zusammen, heißt es in einem Schreiben – unterzeichnet von Stückl und Werkleiter Walter Rutz –, das vergangene Woche in die Briefkästen der Mitwirkenden geflattert ist und dem Tagblatt vorliegt. Volk, Römer und andere größere Gruppen folgen – wenn möglich – im Februar und März.

Passionsspiele Oberammergau: Text kann sich noch ändern

Schon 2020 hatten die Darsteller wochenlang gepaukt. „Ich bin sicher, das Textlernen wird vermutlich recht schnell gehen“, sagt Frederik Mayet, der zum zweiten Mal den Jesus gibt. „Den Text habe ich kürzlich nach fast zwei Jahren in die Hand genommen und reingelesen. Ich war erstaunt, einiges ist irgendwie noch abgespeichert.“ Allerdings ist der Text für Stückl kein fixes Konstrukt. Die Arbeit daran sei „ein andauernder Prozess“. Fast bis zum letzten Tag vor der Premiere feilt der Spielleiter und Intendant des Münchner Volkstheaters daran – es könnte sich noch einiges ändern. „Ich habe den Text gerade gelesen und ich denke, die Hälfte ist so, dass ich nochmal sehr drüber nachdenke.“

Oberammergau: Stimmung bei Proben zu Passionsspielen „gedämpft“

Doppelt lernen muss der zweite Jesus-Darsteller Rochus Rückel. Er studiert Luft- und Raumfahrttechnik, und bis Anfang Februar laufen seine Prüfungen. Die Hoffnung aller: dass die Passion stattfinden kann. „Der schlimmste Fall wäre eine erneute Absage“, betont Rückel. „Wir sind froh, dass es endlich wieder losgeht“, meint auch Maria-Darstellerin Eva-Maria Reiser. „Diese Passionsspiele werden sicherlich andere werden.“ Allein wegen der Erlebnisse mit und in der Pandemie. „Die werden bestimmt Einfluss nehmen.“ Die zweite „Maria“ Andrea Hecht – alle 20 Hauptrollen sind doppelt besetzt – sieht die Stimmung „schon gedämpfter als die letzten Male“. Sie hofft dennoch, dass die Passion 2022 unter einem guten Stern steht.“ Sie selbst werde wohl nicht viel Text lernen müssen, es sei denn, es gebe größere Änderungen. „Manche Szenen sind mir noch sehr präsent, besonders die aus der letzten Probe 2020.“

Passionsspiele Oberammergau: Letzte Probe im März 2020

Im März 2020 hatten die Darsteller zuletzt geübt. Wenige Tage später trat Stückl sichtlich aufgewühlt und mit Tränen in den Augen vor das Passionstheater und sagte die Premiere ab. Es war die erste Verschiebung seit 100 Jahren – und die vierte in der fast 400-jährigen Geschichte. Auf den Straßen von Oberammergau ist inzwischen zu sehen, dass es wieder auf die weltberühmte Veranstaltung zugeht. Wallende Haare und Bärte prägen das Bild. Doch die Stimmung im Dorf ist gemischt. „Einige sind noch abwartend und wollen nicht noch mal so enttäuscht werden“, sagt Mayet. „Ich persönlich bin überzeugt, dass wir das Passionsspiel im Jahr 2022 zur Premiere bringen werden.“ Diese Überzeugung teilen nicht alle. Es sei nicht einfach, die Motivation hochzuhalten, räumt Stückl ein. Er setzt auf den Probenstart – das gemeinsame Probieren werde neu motivieren.

Der 60-Jährige, der die Passion zum vierten Mal inszeniert, steht vor völlig neuen Schwierigkeiten. Er will, dass „kein Ungetesteter auf der Bühne ist“. Deshalb gibt es eine strenge Strategie mit täglichen, kostenlosen Schnelltests. Die Maßnahme sei notwendig, „da es uns unmöglich ist, Abstandsregeln einzuhalten“, teilen Rutz und Stückl in dem Infobrief mit. Ohne Test keine Teilnahme an der Probe. Rund 2100 Oberammergauer und damit mehr als ein Drittel der gut 5000 Einwohner wirken an der Aufführung mit, bis zu 800 sind bei den Volksszenen auf der Bühne – eine logistische Herausforderung.

Oberammergau setzt auf 3G: Keine Impfpflicht im Passionstheater

Wer nicht geimpft oder genesen ist, muss zusätzlich zweimal die Woche einen PCR-Test vorlegen. Da die Gemeinde Arbeitgeber ist, gilt 3G. Stückl warnt: „Ein falscher Impfpass wäre für mich ein Grund für den sofortigen Ausschluss.“ Das würde alle anderen gefährden – auf der Bühne stehen auch einige Hochbetagte. Eine Impflicht im Theater wird es keine geben, heißt es in dem Schreiben an die Mitwirkenden. Sollte aber eine allgemeine Impfpflicht vom Staat angeordnet werden, so gelte diese auch für die Teilnahme am Gelübdespiel. Diejenigen, die sich die Spritze nicht verpassen lassen wollen oder können, müssen zwei PCR-Tests in der Woche vorweisen – und die Kosten dafür selbst tragen. Andere Regelungen gibt es für Kinder und Jugendliche, die aber erst noch bekannt gegeben werden.

Nun wird an den Bühnenbildern gebaut. „Wir haben vor zwei Jahren alles stehen und liegen gelassen, jetzt machen wir weiter“, sagt Stückl. Die Kostüme sind schon angepasst. „Wir haben in den letzten Wochen das gesamte Volk eingekleidet.“ Mancher sei schlanker geworden, für andere musste die Schneiderei ein größeres Gewand bereitstellen. Es ist nicht nur Corona-Speck: Jugendliche sind gewachsen, etwa die Kaiphas-Diener, die nun junge Männer sind.

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Die Passionsspiele sind ein enormer Kraftakt, aber auch eine wichtige Einnahmequelle für den Ort. Die Inszenierung kostet Millionen. Allein die Gagen für die rund 2100 Mitspieler belaufen sich für die rund fünfmonatige Spielzeit auf gut 20 Millionen Euro. Eine Hürde könnte die derzeit noch geltende Regelung werden, nach der in Theatern nur 25 Prozent der Plätze besetzt werden dürfen (wir berichteten). 75 Prozent der Karten sind verkauft, ein Großteil müsste dann womöglich zurückgegeben werden. Mit dieser Regelung sei die Passion nicht zu machen, sagt Stückl. „Das rentiert sich nicht.“ Sabine Dobel (dpa)/Manuela Schauer *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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