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In der Rolle des Totengräbers beim Pestspiel vor zehn Jahren: Frederik Mayet.

Oberammergau bereitet Theater zur Entstehung der Passionsspiele vor

Budget für Pestspiel festgezurrt - nicht alle sind einverstanden

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Es wird die Geschichte erzählt, wie 1633 die Oberammergauer Passionsspiele ihren Anfang nahmen. Es ist die Geschichte von der Pest.

Oberammergau – Der letzte Urlaubstag in Italien: Sonne satt, relaxen, nochmal das berühmte Dolce Vita genießen. Und das am Geburtstag. Wer mag da an spröde Kommunalpolitik daheim denken? Tatsächlich saß Eugen Huber, Zweiter Bürgermeister von Oberammergau, am Montagabend im Werkausschuss, und nach den Glückwünschen seiner Ratskollegen und Bürgermeister Arno Nunn kommentierte der pflichtbewusste Vize seine Rückkehr mit den Worten: „Ich bin ja gern zurückgekommen . . .“

Von Bedeutung waren die Beratungspunkte der Sitzung allemal, vor allem in finanzieller Hinsicht. So galt es, für die unmittelbar bevorstehenden Aufführungen des Pestspiels im Passionstheater (Premiere 28. Juni) das Budget für die Produktion abzusegnen. Nach Vorstellung der einzelnen Posten durch Werkleiter Walter Rutz und einer anschließenden kurzen Aussprache stimmten die neun anwesenden Ausschussmitglieder dem Pest-Budget in Höhe von 687 340 Euro zu – mit 7:2-Stimmen. Abgelehnt wurde die Kostenaufstellung von den beiden Vertretern der Freien Wähler, Ludwig Utschneider und Michael Fux, ohne vorhergehende Ankündigung und Begründung für ihr Nein. Fux wollte lediglich wissen, ob es auf Dauer für die Gemeinde nicht rentabler sei, die Mikroports für die Darsteller zu leihen anstatt zu kaufen. Was Werkleiter Rutz verneinte: „Es tut sich in dieser Technik binnen weniger Jahre soviel, dass wir dann bald ein überholtes, nicht mehr zeitgemäßes System hätten. Und eine gute Tonqualität ist heute beim Theater sehr wichtig.“ Ludwig Utschneider fragte bei Rutz nach, um wieviel Prozent teurer das aktuelle Budget sei gegenüber der allgemeinen Kosten-Aufstellung für eine Theaterproduktion, die dem Gemeinderat zur Beschlussfassung im Juni 2018 vorgelegt worden war. Nach diesen Wortbeiträgen stimmte das Duo Fux/Utschneider – ohne weitere Begründung – im Beschlussvorschlag gegen das vorliegende Budget für das Pestspiel.

In seiner vorausgegangenen Erläuterung hatte der Werkleiter eingeräumt, dass es bei den Posten Bühnenbau und Tontechnik zu größeren Kostenmehrungen gegenüber der ursprünglichen Schätzung gekommen sei – auch weil man vor einem Jahr die Ausgaben „nur grob anhand bisheriger Theaterproduktionen“ fixiert hatte: Von zirka 160 000 Euro auf 196 000 Euro beim Bühnenbau, und von 80 000 Euro auf 150 000 Euro für Licht und Ton. Die kalkulierten, aktuellen Produktionskosten von 687 000 Euro liegen um rund 110 000 Euro über der Schätzung vom Juni 2018.

Acht Aufführungen des Pestspiels stehen ab dem 28. Juni auf dem Spielplan, pro Vorstellung gibt es 2000 Sitzplätze. Der Eigenbetrieb Kultur rechnet bei einer Auslastung von 90 Prozent mit Umsatzerlösen von 520 000 Euro. Unterm Strich bliebe dann ein Deckungsbeitrag (Minus) von 167 226 Euro. Die größten Ausgabenbrocken neben Bühnenbau und Licht/Ton sind Schneiderei und Kostüme (130 000 Euro), Bühnenbild (40 000 Euro) und Werbung (140 000 Euro). Weitere Ausgaben verursachen Bereitschaftsdienste, Versicherungen, Reinigung, etc.

Auf einen Blick

Spieltermine: 28. und 29. Juni, 12./13./19./20. Juli sowie 2./3. August, jeweils 20 Uhr, Passionstheater

Preise: 19, 29, 39 und 49 Euro

Tickets: Telefon 08822/945 88 88 oder über die Veranstalter-Homepage www.passionstheater.de

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