Einem Mann wird der Bart gestutzt.
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Da war die Welt noch in Ordnung: Frederik Mayet lässt sich 2019 beim Barterlass den Gesichtswuchs schneiden

Passionsspiele Oberammergau

Wenn der Bart nicht unter die Maske passt

  • vonAlexander Kraus
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Zum ersten Mal in der Geschichte der Oberammergauer Passion ist der Barterlass am Aschermittwoch freiwillig: wegen der FFP2-Maskenpflicht. Durch den Gesichtswuchs passt der Schutz nicht richtig.

Oberammergau - Für die Passionsspiele ist der Haar- und Barterlass das Signal zum Start. Alle Mitwirkenden lassen Kopf- und Gesichtsbehaarung wild wuchern. Dieses Ritual wird immer am Aschermittwoch im Vorjahr der Passion begangen – heuer also am 17. Februar. Doch diesmal läuft das Ganze nicht so streng ab wie sonst. Wegen der FFP2-Maskenpflicht in Bayern greift man zu ungewohnten Methoden: Erstmals stellt die Spielleitung die männlichen Darsteller teilweise vom Haar- und Barterlass frei. „Wer sich lieber rasiert, damit die Maske optimal sitzt, soll das selbstverantwortlich entscheiden können“, sagt Pressesprecher Frederik Mayet.

Wichtiger als ein Rauschebart sei das lange Haupthaar. „Das braucht länger zum Wachsen. Für einen schönen Bart reichen ja auch schon drei Monate Vorlauf aus“, sagt Mayet, zugleich einer von zwei Jesus-Darstellern. Er macht jedoch klar, dass der Haar- und Barterlass keinesfalls aufgehoben ist. „Es wird in Aussicht gestellt, dass Männer sich rasieren können, weil es mit der FFP2-Maske sonst schwierig ist.“ Die Spielleitung wolle sich die Entwicklung der kommenden Wochen anschauen und dann zum 17. Februar entscheiden. „Eine strenge Regel ist das jetzt noch nicht. Wir werden Lösungen finden“, verspricht Mayet. Vielleicht sei in einigen Wochen die FFP2-Maskenpflicht ja auch kein Thema mehr.

In jedem Fall geht der Gesundheitsschutz vor. Mayet appelliert an die Verantwortung eines jeden Einzelnen. Der Pressesprecher rechnet damit, dass sich viele den Bart wachsen lassen, einige werden ihn vermutlich stutzen. „Wir schauen einfach, was in vier Wochen ist.“ Er persönlich trägt stets einen „Sieben- bis Achttagebart“. Ab Mitte Februar aber lässt er die Stoppeln in seinem Gesicht fröhlich sprießen.

Also alles wieder auf Anfang. Nach der coronabedingten Absage der Passion 2020 wurde Mitte März auch der Haar- und Barterlass aufgehoben. Jetzt beginnt wieder der Wucher-Wahnsinn. Als symbolischer Akt hängen Spielleiter Christian Stückl und Bürgermeister Andreas Rödl das obligatorische Plakat auf – mit dem Aufruf an die Darsteller, sich ab sofort das Haupthaar und bei den Männern auch den Bart wachsen zu lassen. Glatt rasiert sind bei der Passion, die auf das Pest-Gelübde der Oberammergauer von 1634 zurückgeht, nur die Römer.

Knapp wird es mit bühnentauglichen Bärten, sollte im kommenden Winter noch oder wieder die Maskenpflicht gelten. Mayet setzt da auf das Prinzip Hoffnung: „Es bleibt bei allem ein Restrisiko“, sagt er. „Länger als drei oder vier Wochen kann ja gerade keiner planen.“ Man vertraue in Oberammergau auf die Politik und den Impfstoff, damit die 42. Passionsspiele auch tatsächlich nachgeholt werden können.

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