Die Passionsspiele 2020 in Oberammergau gelten als das weltgrößte Spiel von Laien.

Kunden bekommen Tickets nicht zu Gesicht

Karten zu Horrorpreisen: Schweizer Ticket-Börse macht Phantomgeschäfte mit der Passion

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200 000 Einzelkarten gehen für die nächsten Passionsspiele in den Verkauf. Eine globale Online-Plattform mit Sitz in der Schweiz bietet Karten an, die sie gar nicht besitzt. 

Oberammergau – „Wie Viagogo (so heißt das Unternehmen) trickst und abzockt“, „Reingefallen auf Viagogo“, „Wie seriös ist Viagogo wirklich?“ Solche und ähnliche Kommentare tauchen auf, wenn man im Internet über Google den Namen Viagogo eingibt. Auch die deutsche Rockband Rammstein hat laut einem Artikel in der Berliner Morgenpost mit einer einstweiligen Verfügung erreicht, dass Viagogo keine Tickets mehr für die Konzert-Tour anbieten darf.

Die Verantwortlichen der Oberammergauer Passionsspiele werden nicht schlecht gestaunt haben, als sie eben auf der Homepage der besagten Ticketbörse „spezielle Karten-Angebote“ entdeckten. Da wird beispielsweise für eine Karte der schlechtesten Kategorie 4 ein Preis von 1321 Euro (!) verlangt, für die Kategorie 1 sogar 1586 Euro. Werkleiter Walter Rutz war baff: „Bei uns kosten Einzeltickets ohne Übernachtung zwischen 30 und 180 Euro, nicht mehr.“ Weitere Recherchen der Verantwortlichen ergaben, dass Viagogo auch Eintrittskarten für Spieltage anbietet, an denen gar keine Tickets in den Verkauf gelangen – zum Beispiel für die Premiere am 16. Mai 2020. Diese werden von der Geschäftsstelle ausschließlich intern verteilt.

Das Gebaren der Internet-Plattform („Wir agieren als der weltgrößte Sekundärmarktplatz für Tickets für Live-Events“) hat nun dazu geführt, dass die Veranstalter in Oberammergau gegen Viagogo eine einstweilige Verfügung beim Landgericht München II erwirkt haben. Das bestätigt Gerhard Griebler, Geschäftsführer von AOVO und Vertriebspartner für die Passion: „Wir unterhalten keinerlei Geschäftsbeziehungen mit Viagogo und gehen derzeit gegen den Anbieter wegen unlauterer und irreführender Werbung vor.“

Doch offenbar ist es gar nicht so leicht, mit Viagogo direkt in Kontakt zu treten: „Schriftliche und telefonische Versuche der Kontaktaufnahme verpufften ohne Wirkung“, bestätigt Griebler, der einräumt, dass es sehr schwierig sei, juristisch an das Schweizer Unternehmen ran zu kommen: „Sie verfügen offenbar über eine sehr clevere Rechtsabteilung und arbeiten mit renommierten Kanzleien zusammen.“

Aufmerksam wurde die Passions-Geschäftsstelle auf die betrügerischen Aktivitäten durch geprellte Kunden: „Sie haben online Tickets bestellt zu Preisen, die ein Vielfaches des regulären Preises ausmachten, und dafür eine wertlose Bestätigung erhalten. Über die Kreditkarte wurde der Beitrag dann abgebucht, doch die Eintrittskarten haben sie nie zu Gesicht bekommen“, erläutert Walter Rutz das Prozedere.

Verständlicherweise seien diese Leute schwer verärgert: „Uns tun die Menschen leid, die davon betroffen sind, doch uns sind hier die Hände gebunden.“ Ein materieller Schaden ist der Gemeinde Oberammergau laut Rutz bislang nicht entstanden, und die Größenordnung von zirka 25 Tickets, die angeboten wurden, sei überschaubar: „Doch für das Image ist dies natürlich keine gute Werbung. Wir leisten Aufklärungsarbeit, wo es geht.“ So wurde auch schon ein Warn-Hinweis auf die offizielle Homepage der Passionsspiele platziert.

Griebler und Rutz bekunden, „dass wir alles daran setzen werden, diesen Leuten das Handwerk zu legen“. Andere Auffälligkeiten beim Vertrieb sind den Verantwortlichen bisher nicht untergekommen: „Es ist aktuell der einzige Fall, sonst läuft alles in geregelten Bahnen, aber wir überprüfen dies natürlich regelmäßig.“

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