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Die Mienen sind wieder freundlicher: Walter Rutz (l.) und Gerhard Griebler, die beiden Geschäftsführer der Passionsspiele Oberammergau Vertriebs GmbH & Co. KG. 

Ausfallversicherung über 21,4 Millionen Euro greift nach Verschiebung

Passionsspiele Oberammergau: Pandemie versichert - Interesse an Tickets für 2022 hoch

  • Ludwig Hutter
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Gute Nachrichten für die Passionsspiele Oberammergau nach der Verschiebung wegen Corona: Die Münchener Rück erkennt den Schaden an. Und die Stimmung bei Partnern für 2022 ist gut. 

Oberammergau – Er ist der Weltmarktführer in der Rückversicherung. Laut Handelsblatt peilt der Versicherer Münchener Rück für das laufende Jahr einen Gewinn von netto 2,8 Milliarden Euro an. Diese Zahl wird man in Oberammergau mit großer Befriedigung aufnehmen – selbst wenn Corona dem Konzern im schlimmsten Fall 1,4 Milliarden Euro kosten könnte. Bleibt immer noch etwas übrig. Auf eine „Ausschüttung“ hoffen nämlich auch die Verantwortlichen der Passionsspiele 2022. Mit der Gesellschaft (Munich Re) hatte Oberammergau im Vorfeld der Passion 2020 – zum ersten Mal überhaupt in der Geschichte des Gelübdespiels – eine Ausfallversicherung bis 21,4 Millionen Euro abgeschlossen. Abgedeckt waren dabei nicht nur finanzielle Ausfälle durch Terror und weitere Schadensereignisse, sondern auch durch Pan- und Epidemie. Ein echter Glücksfall, wie sich im Nachhinein herausstellen sollte.

Passionsspiele Oberammergau: Kosten für Vorbereitung und Honorare versichert

„Der Schaden ist durch die Versicherung anerkannt“, konnte Walter Rutz, Werkleiter und Geschäftsführer der Passionsspiele, kürzlich dem Gemeinderat vermelden. Nicht ohne Genugtuung. Versichert waren nicht nur die bisher angelaufenen Vorbereitungskosten von 15 Millionen Euro, sondern auch die 6,4 Millionen Euro Honorare für die Mitwirkenden. Das bedeutet freilich nicht, dass der Passionsort von der Münchener Rück eine Summe um die 20 Millionen Euro erstattet bekommt. Rutz: „Hier handelt es sich nicht um eine Gewinnausfallversicherung. Ersetzt wird uns der Schaden, der uns durch die Verschiebung der Passion auf 2022 entsteht.“ Vieles, wie der abgeschlossene Bühnenumbau, die Sicherheitseinrichtungen, Bühnenbild, Kostüme und Technik, kann man übernehmen. „Hier ist uns ja kein Schaden entstanden“, so der Geschäftsführer.

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Passionsspiele Oberammergau: Höhe der Erstattung durch Versicherung noch unklar

Mit welcher Erstattung die Verantwortlichen rechnen, da wollen sich die örtlichen Verhandlungsführer, die mit einer anwaltlichen Begleitung antreten, natürlich nicht in die Karten schauen lassen. Derzeit liegen nach Aussage von Walter Rutz die Unterlagen, über 100 Seiten, bei der Versicherung und würden dort geprüft: „Wir hoffen, dass wir bald einen Termin bekommen, vielleicht noch vor den Sommerferien.“ Im Grunde, so der Geschäftsführer, sei die Sachlage „recht einfach“, und daher könne die Abwicklung sehr schnell über die Bühne gehen. Es bestehe aber auch die Möglichkeit, dass man den tatsächlichen Schaden erst Ende 2022 nach der Passion feststelle. Dann nämlich, wenn beide Seiten wieder ein Vertragsverhältnis eingehen. Rutz: „Es gibt mehrere Szenarien, die vorstellbar sind. Es wird sich in den Verhandlungen zeigen, worauf wir uns einigen können.“

Passionsspiele Oberammergau: Durch Corona-Verschiebung kein Geld in den Sand gesetzt

Die Frage, ob Oberammergau durch die Verschiebung der Passion tatsächlich „Geld in den Sand gesetzt hat“, beantwortet Walter Rutz mit einem klaren „Nein“. Niemand könne Schadensersatzansprüche gegen den Veranstalter geltend machen. Man habe die Verträge dementsprechend gestaltet.

Derweil sind die Geschäftsstelle und der Vertriebspartner von AOVO um dessen Geschäftsführer Gerhard Griebler voll mit der Rückabwicklung der Tickets beschäftigt. Von den insgesamt 437 000 Karten, darunter 240 000 in den Arrangements, sind derzeit noch 132 000 abzuarbeiten. 30 Mitarbeiter von AOVO in Hannover kümmern sich in erster Linie darum. Griebler: „Es ist ein wahnsinniger Aufwand, denn mit jedem Ticketkäufer muss man irgendwie in Kontakt treten. Die Kunden können entweder umbuchen oder es wird ihnen der bezahlte Preis erstattet.“ Pro Tag wickle man zwischen 500 und 800 Einzelvorgänge ab.

Passionsspiele Oberammergau: Resonanz für 2022 sehr gut - Ticketpreise bleiben gleich

Regelrecht „begeistert“ zeigt sich Griebler von der Resonanz der Kunden für 2022: „Die Stimmung bei den internationalen Partnern ist sehr optimistisch. Bei den professionellen Wiederverkäufern hat bereits die Hälfte wieder geordert, im Endkundenbereich sind es rund 30 Prozent.“ Die nationalen Busunternehmen hätten indes gerade andere Sorgen.

Eine frohe Nachricht gibt es für alle potenziellen Passionsbesucher in zwei Jahren. Nach Aussage von Walter Rutz habe man beschlossen, die Ticketpreise in 2022 nicht zu erhöhen: „Wir haben intensiv darüber diskutiert. Aber wir sind einfach froh darüber und wollen es honorieren, dass unsere Gäste aus dem In- und Ausland so treu sind und uns die Stange halten.“ Das teuerste Ticket bleibt demnach bei 200 Euro inklusive Vorverkaufsgebühr.

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