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Eine eigene Straße ist Kaspar Schisler heute in Oberammergau gewidmet.

Das Pestspiel ist der Ursprung der Passionsspiele in Oberammergau

Heimkehr aus Liebe: Doch Kaspar Schisler brachte nur den „Schwarzen Tod“

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Es passierte am Vorabend von Kirchweih 1633, als ein Knecht in Eschenlohe einen folgenschweren Entschluss fasste.

Oberammergau – In der Chronik wird berichtet von einem „hitzigen Fieber“, auch „Wildes Kopfweh“ genannt. Weiter heißt es: „ . . . Da brachte ein Mann von hier, namens Kaspar Schisler, welcher bei dem Mair in Eschenloh den Sommer hindurch Taglöhner gewesen, die Pest ins Dorf. Dieser kam, um das Kirchweihfest im Kreise der Seinigen zu halten, am Kirchweih-Vorabende über den Berg von Eschenloh herüber, und unaufgehalten, da sein Haus zu oberst im Dorfe an der Laine stand, in sein Haus. Schon am Montage nach der Kirchweih war er ein Leich. Von diesem Tag an bis 28. Oktober, Simon und Juda, sind hierauf 84 Personen dahier gestorben . . .“ Die Sehnsucht, die Liebe zu seiner Frau Elisabeth hatte Kaspar im Sommer 1633 getrieben, den risikoreichen Weg über den Berg zu wagen, vorbei an den Pestwachen.

Durch „fleißiges Wachehalten“ hatte sich Oberammergau in den Wirren des Dreißigjährigen Kriegs bis dahin vor einer Ansteckung bewahren können. Doch dann kam Schisler, und mit ihm der „Schwarze Tod“. Um den Herrgott milde zu stimmen, gelobte schließlich die Gemeinde, „die Passionstragödie alle zehen Jahre zu halten“. Fortan ist kein einziger Bürger mehr gestorben, die Pest war besiegt . . . Und Oberammergau musste sein Versprechen erfüllen – so fing es an mit dem weltberühmten Passionsspiel.

Diese Geschichte über die Entstehung des Gelübdes erzählt das Dorf traditionell im Vorjahr jedes Passionsjahres, zum ersten Mal 1933, nach einer Fassung von Johann Georg Lang. Am kommenden Freitag, 28. Juni, hat um 20 Uhr im Passionstheater „Die Pest“ wieder Premiere.

Das Oberammergauer Gelübde also ist ganz eng mit dem Namen Kaspar Schisler verbunden. Doch ist tatsächlich alles wahr, glaubhaft, authentisch? Spielleiter Christian Stückl erinnert an die Niederschriften des Benediktinerpaters und Passionsforschers Dr. Stephan Schaller, wonach es über Schisler keinerlei Einträge im Geburts- oder Sterberegister gebe: „Erst 100 Jahre nach der Pest wird Kaspar Schisler erstmals in einer Chronik erwähnt“, so Stückl. Ob man ihn seinerzeit bewusst totgeschwiegen hat (weil er vermeintlich die Pest eingeschleppt hatte), oder ob sein Name schlichtweg übersehen wurde, das lässt sich heute nicht mehr klären.

Jedenfalls wurde dem Taglöhner bei der politischen Gemeinde soviel Bedeutung beigemessen, dass man eine eigene Straße am Ortsrand – Kaspar-Schisler-Gasse – nach ihm benannte. Auch der Weg, den der Knecht in der besagten Kirchweihnacht von Eschenlohe über den Berg nach Ammergau genommen haben soll, trägt seinen Namen: Er führt bei Schwaigen rund 1,5 Kilometer auf der Straße zu den Weilern Apfelbichel und Plaiken über eine Forststraße und einem Steig zum Bärenbadflecken und dann hinunter nach Oberammergau. Er ist rund 13 Kilometer lang und überwindet 550 Höhenmeter. Großartig „vermarktet“ und damit geworben wird in Oberammergau nicht, demzufolge ist er auch kaum bekannt und wird von Wanderern nur selten begangen.

Obwohl Schisler, der beim diesjährigen Pestspiel von Maximilian Stöger dargestellt wird, den Ammergauern einst Tod und Elend brachte, so sorgte er doch rückblickend für großen Ruhm und Reichtum in seiner Heimatgemeinde. Dessen erinnerte sich kürzlich wohl auch Christian Stückl. Der Freund einer Mitwirkenden bei der Aufführung stammt aus Eschenlohe. Bei einer Zusammenkunft versprach der Spielleiter dem jungen Mann spontan 25 Freikarten, die er unter seiner Familie und Freunden verteilen möge. Quasi als kleine späte Anerkennung dafür, dass die Oberammergauer ihre Berühmtheit eigentlich einem Knecht aus Eschenlohe zu verdanken haben . . .

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