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Auf der Bühne ist sein Platz: Christian Stückl im Oberammergauer Passionstheater.

Ein Leben für das Theater: Gemeinderat entscheidet am Dienstag 

Christian Stückl soll Ehrenbürger von Oberammergau werden

  • Ludwig Hutter
    vonLudwig Hutter
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Das ganze Leben ein Theater: Auf wenige andere trifft dies so zu wie auf den Oberammergauer Christian Stückl.

Oberammergau – Andreas Rödl spricht Klartext: „Der Christian hat schon so viele Auszeichnungen und Preise von höchster Stelle bekommen. Jetzt ist es an der Zeit, mal von Seiten der Gemeinde dieses außergewöhnliche Engagement zu würdigen. Das ist überfällig.“ Für den Oberammergauer Bürgermeister steht außer Frage, dass der Passionsspielleiter dies verdient hat. Dafür greift die Kommune zum bedeutsamsten Instrument, das ihr zur Verfügung steht: Christian Stückl soll auf Initiative des Gemeindeoberhaupts neuer Ehrenbürger seines Heimatdorfes werden. Darüber entscheidet der Gemeinderat in seiner öffentlichen Sitzung am kommenden Dienstag, 17. November, um 19 Uhr im Ammergauer Haus.

In der Tat verging in der jüngeren Vergangenheit kaum ein Jahr, in dem der passionierte Theatermann nicht mit einer Ehrung bedacht worden wäre. Heuer erhielt er den Abraham-Geiger-Preis für die Erneuerung der Passionsspiele, „weg vom christlichen Judenhass hin zu einer ausgewogenen Darstellung innerjüdischer Konflikte“. Im Mai verlieh die renommierte Evangelische Akademie Tutzing an den Oberammergauer (wird am Sonntag 59) den Toleranzpreis der Kategorie Zivilcourage für sein jahrelanges Engagement gegen Antisemitismus; außerdem erhielt er die Buber-Rosenzweig-Medaille.

Jüngster Passionsspielleiter der Geschichte

Seit bald 40 Jahren hat sich der Sohn des Gastwirte-Ehepaars Roswitha und Peter Stückl (Hausname „Sodla“) dem Theater verschrieben und in dieser Zeit eine beispiellose Karriere als Regisseur hingelegt. Es begann alles 1981 mit dem Aufbau einer eigenen Theatergruppe in Oberammergau. Über allem steht natürlich „der“ Passion: 2022 wird er das weltberühmte Gelübdespiel bereits zum vierten Mal inszenieren – erstmals 1990 als bisher jüngster Spielleiter überhaupt mit 28 Jahren. Alle vier Spiele führte er zu großem wirtschaftlichen Erfolg. Immer wieder schaffte es Stückl, talentierte und aufstrebende Darsteller zu entdecken und zu fördern. Ein weitere Fähigkeit wurde ihm in die Wiege gelegt – nämlich die Massen zu begeistern. International bekannt wurde er 2006, als er bei der Fußball-Weltmeisterschaft eine fulminante Eröffnungsfeier in München inszenierte.

Ein weiterer Eckpfeiler seiner Laufbahn ist für Stückl das Münchner Volkstheater: 2002 wurde er als Intendant bestellt und führte das Haus schnell von einer darniederliegenden Bühne zu einer angesagten, vor allem beim jungen Publikum beliebten Schauspielstätte. Ein Volltreffer gelang dem 58-Jährigen 2005 mit der Neuinszenierung des Brandner Kaspar, der längst Kultstatus hat. Das Volkstheater ist unter Stückls Regie zu einer Erfolgsgeschichte geworden. 2021 eröffnet der Neubau im Schlachthofviertel, wird eines der modernsten Theaterbauten Europas. Zusätzlich zu seinem Wirken in Oberammergau und München inszenierte der Regisseur an großen Bühnen, bei den Salzburger Festspielen, am Schauspielhaus Zürich, der Staatsoper Hamburg oder am Wiener Burgtheater, um nur einige zu nennen.

Undenkbar wäre auch der Oberammergauer Theatersommer ohne ihn. Dazu Bürgermeister Andreas Rödl: „Er hat dafür nie einen Cent bekommen.“ Wenn der Gemeinderat am Dienstag die Verleihung des Ehrenbürgerrechts beschließt, wird man von Seiten der Gemeinde mit dem offiziellen Festakt noch etwas warten. Bürgermeister Rödl: „Momentan wäre das nicht der richtige Rahmen. Wir wollen es nächstes Jahr machen, und dann gscheid.“

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