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Zum vierten Mal wird Spielleiter Christian Stückl 2022 die Passionsspiele inszenieren - hoffentlich ohne große Einschränkungen.

Gemeinderat entscheidet nicht-öffentlich mit deutlicher Stimmenmehrheit

Es ist vollbracht: Christian Stückl wird Ehrenbürger von Oberammergau

  • Ludwig Hutter
    vonLudwig Hutter
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Richtig rund ist es mal wieder nicht gelaufen im Oberammergauer Gemeinderat: Dabei stand immerhin die Verleihung des Ehrenbürgerrechts an Passionsspielleiter Christian Stückl auf der Tagesordnung.

Oberammergau – „... die höchste Auszeichnung durch die Gemeinde für Persönlichkeiten, die sich in herausragender Weise um Oberammergau verdient gemacht haben.“ So ist es in der Ehrenordnung der Gemeinde Oberammergau nachzulesen. Seit dem Tod des früheren Landrats Dr. Helmut Fischer vor sechs Jahren hatte der Passionsort keinen Ehrenbürger mehr. Dieses Vakuum ist in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend wieder gefüllt worden. Nicht-öffentlich – also unter Ausschluss einer interessierten Bürgerschaft – fiel mit deutlicher Stimmenmehrheit die Entscheidung, diese Auszeichnung Christian Stückl zuteil werden zu lassen. In einer offiziellen Begründung hieß es dazu gestern: „Der Gemeinderat möchte Christian Stückl als Oberammergauer Bürger und Persönlichkeit und als Person mit tiefer Verwurzelung im Ort für sein äußerst positives und erfolgreiches Wirken nach Innen und nach Außen und für sein Wirken als Botschafter der Passionsspiele danken und mit der Verleihung des Ehrenbürgerrechts seine Wertschätzung zum Ausdruck bringen.“

Der 59-Jährige nahm gegenüber dem Tagblatt die Entscheidung mit der ihm eigenen Art entgegen: „Ma duad und duad, aber ned deswegen, um amoi Ehrenbürger zum wern. Daran denkt ma ned. Wenn oam des dann gsagt werd’, gfreit ma sich natürlich scho – wenn des g’schätzt wird, was ma macht.“

Mail-Anfrage an Ministerium

Ursprünglich hatte Bürgermeister Andreas Rödl ja vor, den Tagesordnungspunkt in öffentlicher Sitzung zu behandeln. Doch in einer Mail-Anfrage von Gemeinderat Ludwig Utschneider (Parteilose Wählergemeinschaft) an das Bayerische Innenministerium äußerten die Staatsbeamten Bedenken und zitierten Paragraph 52 der Gemeindeordnung: Unter Punkt 2 heißt es darin, „... dass Sitzungen (des Gemeinderates) öffentlich sind, soweit nicht Rücksichten ... auf berechtigte Ansprüche Einzelner entgegenstehen.“ Eine Nachfrage der Gemeindeverwaltung beim Landratsamt bestätigte die Sichtweise des Ministeriums. Aufgrund dieser Auffassungen stellte dann Bürgermeister Rödl am Dienstag den Antrag, diesen Punkt in die nicht-öffentliche Sitzung zu verlegen. Eine Wortmeldung aus dem Plenum gab es dazu nicht, doch fiel die Zustimmung mit 11:8 relativ knapp aus.

„Eindeutige Rechtsauffassung“

PWG-Fraktionsführer Utschneider begründet das Einschalten des Ministeriums in dieser Frage wie folgt: „Über Ehrungen der Gemeinde von örtlichen Persönlichkeiten wurde in der Vergangenheit meiner Erinnerung nach immer nicht-öffentlich beraten. Wenn man sich offen über eine Person im Gemeinderat austauscht, hat das nichts in einer öffentlichen Sitzung verloren, hier geht es um den Schutz der Persönlichkeit.“ Das Innenministerium habe dazu eine klare Aussage getroffen: „Es gibt eine eindeutige Rechtsauffassung und daran müssen wir uns als Gemeinderäte auch halten. Das ist nur richtig und konsequent.“ Gefragt, warum dann aber acht Ratskollegen für eine Erörterung in öffentlicher Sitzung gestimmt hätten, erwiderte Utschneider trocken: „Das müssen Sie die jeweiligen Gemeinderäte fragen ...“

Festakt im Sommer 2021 geplant

Wie auch immer: In nicht-öffentlicher Beratung entschieden die Kommunalpolitiker anschließend mit Stimmenmehrheit, Christian Stückl das Ehrenbürgerrecht zu verleihen. Es soll nur eine kurze Diskussion zu dem Sachverhalt gegeben haben. Bedenken äußerten offenbar einige Ratsmitglieder, ob der Zeitpunkt im Passionsjahr 2022 nicht der Bessere wäre. Dass es auch Gegenstimmen beim Beschluss gegeben hat, kommentierte der Regisseur mit den Worten: „I war in mei’m Leben no nia einstimmig. Wenn’s so g’wesen wär’, hätt’s mi eher irritiert.“

Der Entscheidung von Dienstagabend wird noch ein offizieller, dann öffentlicher Festakt für Stückl folgen. Dazu Bürgermeister Rödl: „Wir planen das im Sommer oder Herbst 2021, wenn größere Zusammenkünfte hoffentlich wieder möglich sind.“

Gemeinde trägt Kosten für Grabschmuck

Große Vergünstigungen erhält der künftige Ehrenbürger übrigens nicht. Es gibt eine schöne Urkunde, er darf sich ins Goldene Buch der Gemeinde eintragen und: Die Gemeinde übernimmt einmal sämtliche Kosten für die Grabpflege!

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