Passionstheater: Neue Panne bei Überdachung

Oberammergau - Die Pleiten-, Pech- und Pannenserie bei der mobilen Überdachung der Freilichtbühne im Oberammergauer Passionstheater hat einen neuerlichen Negativ-Höhepunkt erreicht.

Die Firma "Montageservice SL", die ihren Sitz in Hallbergmoos hat, zog gestern ihre Monteure ab und stellte die Arbeiten zum Einbau der Felder aus Edelstahlgewebe ein. Damit gerät nun der geplante offizielle Einweihungstermin 12. Juli ernsthaft in Gefahr.

Der Hauptgrund dafür, dass auf der Baustelle jetzt Stillstand herrscht: Es gibt offenbar belegbare Maßdifferenzen zwischen dem Stahlgestänge des Daches und den Größen der Edelstahlfelder. Sie passen nicht zusammen, teilweise soll es bis zu vier Zentimeter fehlen.

Die Firma Seele aus Gersthofen bei Augsburg erstellt im Auftrag der Gemeinde das Dach, wobei hier noch eine rechtliche Auseinandersetzung um Schadensersatzansprüche für Bauverzögerungen und Mehrkosten anhängig ist. "Seele" hat einen Teilauftrag - nämlich den Einbau des Edelstahlgewebes - an das Unternehmen "Hightex Engineering GmbH" in Rimsting vergeben, das wiederum die Firma "Montageservice SL" in Hallbergmoos mit der Montage betraut hat.

Dessen Projektleiter Robert Hammerer bestätigte gegenüber dem Tagblatt, dass man die Monteure abgezogen habe: "Wir haben festgestellt, dass offenbar durch Fehler in der Planung die Felder nicht oder nur teilweise auf die Stahlkonstruktion passen. Dadurch können wird diese auch nicht einbauen." Man habe als Nachunternehmen die Firma "Hightex" darauf aufmerksam gemacht, doch keinerlei konstruktive Rückmeldung in dieser Angelegenheit erhalten. So sei man gezwungen gewesen, die Montage-Arbeiten einzustellen.

Noch einmal Hammerer: "Würden die Felder passen, und wären diese komplett auf der Baustelle, wäre der Einbau bereits fertig; dann stünde nur noch die Verlegung der Membrane an. So hätte sich der Fertigstellungstermin 12. Juli sicher halten lassen." Seine Firma, so der Projektleiter, könne unter den gegebenen Voraussetzungen keine Gewährleistung übernehmen, wenn Mängel von vorne herein erkennbar seien. Die Sache laufe nun "auf rechtlichem Weg weiter".

Bei der Firma "Hightex" konnte man gestern keine näheren Angaben zu den Vorkommnissen machen. Ein Sprecher betonte, "dass nach meinem Wissensstand in Oberammergau fleißig gebaut wird, wir aber nur ein kleines Rädchen bei dem Projekt sind". Hauptansprechpartner sei der Auftraggeber, die Firma Seele in Gersthofen.

Dort wiederrum erklärte eine Mitarbeiterin, die sich nicht mit ihrem Namen in der Zeitung wiederfinden wollte: "Wir haben auch gerade erst davon erfahren, dass die Arbeiten eingestellt wurden. Über die Gründe wissen wir noch nichts." Es sei aber nach wie vor das Bestreben, "das Dach in Oberammergau bis zum 12. Juli fertig zu bringen".

Mit einem "seidenen Faden, an dem alles hängt", vergleicht Bürgermeister Arno Nunn die Situation: "Aber solange der Faden nicht gerissen ist, werden wir alles tun, den Termin zu halten". Wert legt der Rathauschef auf die Feststellung, "dass die Veranstaltungen auf jeden Fall gesichert sind".

Sollte die mobile Überdachung bis zum 12. Juli tatsächlich nicht fertig werden, "sind wir mit einem Plan B vorbereitet". Der hieße dann wohl: Fleming und Villazón müssten am 19. Juli unter einem Provisorium in Form einer Konstruktion aus Wellblech singen. So etwas gab es schon zweimal: 2005 und 2007 bei der "Matthäus-Passion" - Mietkosten: 40 000 Euro!

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