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So soll es aussehen: Das Theater im Entwurf des Architektenbüros.

Weichenstellung fürs Gelübdespiel 2020

Passionstheater: Umbau für 4,2 Millionen

Mit 10:9-Stimmen hat der Oberammergauer Gemeinderat denkbar knapp eine komplette Frischzellenkur fürs Passionstheater beschlossen. Ändern wird sich nicht nur die Farbe.

Oberammergau – Es war dieser eine Moment nach zwei Stunden langer Diskussion, der alle ein bisschen überrascht hat. Da wurden leicht ungläubige Blicke im Oberammergauer Gemeinderat ausgetauscht. Niemand hatte wohl damit gerechnet, dass es zur Umgestaltung des Passionstheaters nur einen Beschluss braucht. Zu kontrovers waren zuvor Meinungen ausgetauscht, Kritik und Zweifel am Gesamtkonzept von Architekt Andreas Holzapfel geäußert worden. Letztlich ging das Maßnahmen-Paket für 4,2 Millionen Euro aber in der ersten Abstimmung und ohne Abstriche mit 10:9 durch. Gegen die Stimmen von Simon Fischer (CSU), Kristina Rupprecht (BIO), Josef Köpf und Eugen Huber (beide Mit Augenmaß) sowie der Fraktion der Freien Wähler.

Helles Grau statt rosa

Für Bürgermeister Arno Nunn (parteifrei) ist es eine „unternehmerische Entscheidung“, in das Passionstheater zu investieren. Nicht nur, um es weiterhin bespielbar zu machen. „Sondern zu verbessern.“ Anders drückte es Ludwig Utschneider (Freie Wähler) aus: Er kritisiert viele unnötige „Nice to have“-Maßnahmen und „gewaltige Veränderungen“ fürs traditionsreiche Theater.

Sofort ins Auge fallen wird dabei die Farbe der Zuschauerhalle und des Foyers. Statt des lachs/rosa-Tons und Streifenmuster werden die Gebäude hellgrau gestrichen. Damit setzt Holzapfel einen bewussten Kontrast zum inzwischen dunkelgrauen Bühnenhaus.

Fenster verschwinden

Aus der Zuschauerhalle verschwinden die Fenster und werden durch Fensterläden ersetzt. „Das war ein Wunsch von mir“, sagte Spielleiter Christian Stückl. Durch die Sonne habe es immer störendes Seitenlicht gegeben. Ohne Fenster werde das Theater in den Zustand wie im 20. Jahrhundert versetzt. Zudem brauche es neue Tore. Ein Punkt, für den Michael Fux (Freie Wähler) keinerlei Verständnis zeigte. In seinen Augen müssen die Türen keine Anforderungen erfüllen, außer schließbar zu sein und eine Öffnung von 180 Grad zu ermöglichen. Fux versteht nicht, warum nicht einmal über eine Sanierung gesprochen wurde.

Komplettes Vordach

Rund um die Zuschauerhalle wird es künftig ein Vordach geben, das auf einer Vielzahl von Stelzen aufgebaut wird. „Wir reden von 92 Stützsäulen“, verdeutlichte Rupprecht wenig angetan. Zudem soll der Vorplatz angehoben werden – für Barrierefreiheit ohne eine Rampe.

Völlig neues Foyer

Die größten Pläne hat der Architekt mit dem Foyer. An den Seiten sollen die Eingänge G und H – für Passionsbesucher bislang schwer im Inneren zu finden – separat gestaltet werden. Dadurch ergebe sich im Foyer mehr Platz: während der Passion für Empfänge von Ehrengästen. Zwischen den Gelübdespielen soll der Raum für eine vergrößerte Dauerausstellung genutzt werden.

Carsten Lück, Technischer Leiter im Theater, sieht in dem Umbau mehrere Vorteile. Es gebe eine „saubere Lösung“ beim Thema Fluchtwege/Brandschutz. Zudem könne die Statik des Foyers überprüft werden. Nachdem in der Vergangenheit Verbesserungen nötig waren, hätten laut dem Architekten neue Stichproben Fragezeichen hinterlassen. Dort, wo Wände geöffnet wurden, „war nicht alles in Ordnung“, erklärte er. „Das ist mir zu heiß“, meinte dazu Markus Köpf (CSU). Schließlich stehe die Gemeinde in der Verantwortung bei der Verkehrssicherheit des Gebäudes.

Nichtsdestotrotz war der Umbau des Foyers der Punkt, der den meisten Gemeinderäten schwer im Magen lag. Für Huber ist der Aufwand zu hoch. Schließlich bekomme man durch die Millionen-Investition nur 70 bis 80 Quadratmeter mehr.

Zeitplan ohne Puffer

Dritter großer Kritikpunkt ist – neben den hohen Kosten – der Zeitplan bis zur Passionspremiere im Mai 2020, in dem es laut Rupprecht „keine Puffer“ gibt. Holzapfel muss heuer im August mit ersten Abrissarbeiten beginnen. Die Hauptarbeiten stehen 2019 an. Für Nunn ist der Plan vor allem eines: „sportlich“.

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