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Eine Dorfgemeinschaft lebt in Angst: Wann kommt die Pest? Während Pfarrer (Benedikt Geisenhof) und Gemeindevorsteher (Martin Güntner/Mitte ) nur beschwichtigen, malt der Totengräber (Rochus Rückel) das Schreckensszenario schon an die Wand. Doch man glaubt ihm nicht.

Kultur- und Theatersommer Oberammergau: Verantwortliche ziehen Erfolgsbilanz

16.000 Besucher erleben das Pestspiel im Passionstheater

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Oberammergau ist schauspielerisch gerüstet für die Passionsspiele im nächsten Jahr: Das lässt sich nach den neun Aufführungen des Pestspiels sagen.

Oberammergau– Der Weg ist wild, geheimnisvoll, fast mystisch. Wie die Zeit damals. Auch unter Einheimischen kennen den schmalen Pfad von Eschenlohe über die Berg’ hinüber nach Ammergau viele nicht. In Karten ist er zudem kaum beschrieben. Und doch hat dieser Gang, den ein armer Tagelöhner namens Kaspar Schisler am Vorabend von Kirchweih 1633 genommen hat, für ein Dorf die Welt verändert. Weil der Knecht die Pest einschleppte und danach 84 Bürger daran gestorben sind, gelobten die Oberammergauer, „die Passionstragödie alle zehen Jahre zu halten . . .“

So ist es gute Tradition in dem weltberühmten Ort, jeweils vor einem Passionsjahr das Pestspiel darzubieten, das die Geschichte des Gelübdes erzählt.

Heuer war wieder so ein Jahr, und die Inszenierung, die Regisseur Christian Stückl neunmal auf die 40 Meter breite Freilichtbühne des Passionstheaters brachte, hat die Besucher bewegt und berührt: Knapp 16 000 kamen, ein sehr guter Wert. Was noch wichtiger ist für den Passionsspielleiter: So vielen jungen Hauptdarstellern wie wohl noch nie bei einem Pestspiel schenkte der Spielleiter das Vertrauen – und wurde nicht enttäuscht: „Sie haben es alle sehr gut gemacht und total mitgezogen, die Arbeit mit ihnen hat Riesenspaß gemacht.“

An vorderster Front Rochus Rückel als Totengräber Faistenmantl: „I hab schon vorher gwusst, dass er die Rolle vom Jesus auf jeden Fall drauf hat. Jetzt san viele total überzeugt von ihm.“ Das Pestspiel war für den Theaternachwuchs eine Art Warmspielen für die Passion, und diese Chance haben Rückel, Cengiz Görür (Judas), Sophie Schuster (Maria Magdalena) und andere gut genutzt. Und das in der Rekord-Probezeit von nur fünf Wochen.

Heimatsound auch im Passionsjahr

Eingebettet war „Die Pest“ in den Kultur- und Theatersommer 2019. Frederik Mayet, einer von zwei Geschäftsführern der Passionstheater GmbH, zeigt sich mit den Besucherzahlen „absolut zufrieden“. 27 900 Menschen haben Eintrittskarten gekauft. Neben den 

16 000 beim Pestspiel zählte man an zwei Tagen beim Heimatsound-Festival 6600 Fans, bei dem Konzert „Chorfantasie“ 1400 und bei den zwei Aufführungen des Brandner Kaspar 3900. Mayets Bilanz: „Es war einer besten Sommer überhaupt, seitdem wir 2011 in der Verantwortung stehen. Vor allem das Musikfestival Heimatsound hat sich in Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk als absoluter Volltreffer entpuppt. Obwohl die Bands zum Vorverkauf-Start noch nicht feststehen, ist es immer binnen kürzester Zeit ausverkauft.“ Auch im Passionsjahr 2020 soll es keine Pause geben. Als Termin steht das Wochenende (9./10. Oktober) nach dem letzten Passionsspieltag im Raum.

Noch kein Vertrag für die Zeit ab 2021

Wie es danach mit dem Kultursommer weitergeht, dafür ist noch nichts in trockenen Tüchern. Nach Angaben von Frederik Mayet habe man von Seiten der GmbH gegenüber der Gemeinde bereits signalisiert, „dass wir schon weitermachen würden“. Derzeit warte man auf den Vertrag. Der Geschäftsführer und auch Spielleiter Christian Stückl hoffen, „dass es hier bald zu einer Entscheidung durch den Gemeinderat kommt“. Im kommenden Frühjahr sollte eigentlich schon das Programm für 2021 stehen, denn im Passionsjahr erreiche man sehr viele Menschen, die sonst kosten-intensiv kontaktiert werden müssen: „Das ist eine Werbe-Chance wie auf einem Silbertablett.“

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