Pleitegeier kreisen über dem Passionsdorf

Oberammergau - Als "Sanierer" hat man ihn geholt, inzwischen ist Oberammergaus Werkleiter Alfons Gerl längst in die Rolle eines Krisenmanagers geschlüpft. Die Finanznot ist dramatisch.

Es sind ernüchternde Zahlen, die da zwei Jahre vor Beginn der nächsten Passionsspiele das finanzielle Fundament Oberammergaus ins Wanken bringen. Ende 2008 wird die Gemeinde laut Haushaltsansatz mit einem Schuldenstand von über 16 Millionen Euro dastehen, die Rücklagen sind dann auf zirka 250 000 Euro zusammengeschrumpft und vom Passionsgewinn 2000 ­ man spricht von 51 Millionen D-Mark ­ ist so gut wie nichts mehr übrig.

Der aktuelle Haushalt 2008 liegt seit einigen Wochen im Landratsamt auf Eis, und wird nicht vorher genehmigt, ehe nicht die Vereinbarung mit dem Freistaat über die Staatsbürgschaft von knapp neun Millionen Euro zur Vorfinanzierung der kommenden Passion vorliegt. Solange gibt es einen Investitionsstop!

Die politisch Verantwortlichen in Oberammergau sind sich der dramatischen Situation bewusst, haben Werkleiter Alfons Gerl zur Sanierung der defizitären Betriebe eingestellt. Schonungslos deckte der Weilheimer die immensen "Kostenfresser" auf, unterbreitete dem Gemeinderat seine Liste an Sofortmaßnahmen.

In nicht-öffentlicher Sitzung haben die Räte jetzt einschneidende Maßnahmen beschlossen: Danach soll die Kolbensesselbahn mit der Sattelhütte ebenso verkauft werden wie der Campingplatz; außerdem wird die Gärtnerei mit derzeit sechs Mitarbeitern aufgelöst. Auch dass man sich von Angestellten trennen wird (oder muss), will Alfons Gerl nicht mehr ausschließen: "Dahinter stecken jedes Mal persönliche Schicksale, das macht keinen Spaß." Auch Zweiter Bürgermeister Florian Streibl macht sich nichts vor: "Wir stehen vor einem Scherbenhaufen. Nur hätten wir mit dem Sanierungskurs vor sechs Jahren anfangen müssen. Warnende Stimmen gab es genug."

Wie es mit weiteren Einrichtungen wie zum Beispiel dem Wellenberg, der 2007 angeblich 930 000 Euro minus "erwirtschaftet" hat, verhält, steht in den Sternen. In den besten Jahren strömten fast 300 000 Besucher in das Freizeitbad, jetzt ist ihre Zahl dramatisch auf deutlich unter 200 000 gesunken. Eine Schließung ­ das letzte Mittel, aber keine Illusion mehr. Dazu Gerl: "Man muss sich mit jedem Betrieb auseinander setzen. Für mich als Kaufmann ist das kein Hirngespinst, sondern eine von mehreren Optionen." Dazu zählt auch das Museum, 2004 erst noch für 700 000 Euro aufwändig umgebaut. Was passiert mit dem Passionstheater, dem Pilatushaus? Alles offene Baustellen.

Werkleiter Alfons Gerl macht eines überdeutlich: "Dass wir eine wirtschaftlich erfolgreiche Passion hinbringen, und da sind wir gottlob auf einem guten Weg." Im neuen Gemeinderat erkennt der 47-Jährige "eine Aufbruchstimmung, die Probleme anzupacken"; das spüre man deutlich. Wichtig sei jedoch, politisch festzulegen, wo die Prioritäten, die Schwerpunkte im Dorf liegen, denn alles könne man nicht mehr bedienen. Das war einmal.

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