1 von 4
Gebannt: Regisseur Abdullah Karaca verfolgt seine Aufführung an der Trennwand, die den Eingang zum Hackschnitzelstadl abschirmt. So sehen ihn die Zuschauer nicht.
2 von 4
Neuer Ort für eine Kulturveranstaltung: Das Gelände am Pflanzgarten in Nachbarschaft zur Laberbergbahn.
3 von 4
Kämpfen um ihr Glück: Sophie Schuster als Geierwally und Jonas Konsek als Bärenjosef. Sie spielen ein Paar, dem nicht viel Zeit miteinander vergönnt ist.
4 von 4
Auffallende Kostüme: Markus Köpf sieht eher wie ein Arzt denn ein Pfarrer aus, Andrea Hecht spielt in knallgelb.

Robustes Kunstwerk

Premiere gemeistert: Hinter den Kulissen bei der „Geierwally“

Wochenlang wurde bei teils extremen Bedingungen unter freiem Himmel geprobt. Nun stand die Premiere der Geierwally im Rahmen des Oberammergauer Kultursommers an. Dabei war alles ein bisschen anders. Vor, auf und neben der Bühne am Waldrand.

Oberammergau – Ein einfacher Baucontainer, Hackschnitzel und Schotter als Bodenbelag, dazu ein großer, leer geräumter Stadl und ein bisschen Waldrand: Wer dabei an kernige Tage in der Natur und Holzhacker in Karohemden denkt, liegt am Donnerstagabend in Oberammergau falsch. Es sind eher roboste Elemente, die die „Geierwally“-Inszenierung von Abdullah Karaca beim Oberammergauer Kultursommer ausmachen.

„Der Ort passt perfekt“, ist sich der zweite Spielleiter bei der Passion 2020 sicher. Karaca mag es ungewöhnlich. Vor zwei Jahren bei „Romeo und Julia“ ging es in ein Zirkuszelt. Die Geschichte der Geierwally, sie sich vor allem gegen ihren Vater auflehnt, erzählt er halb im Wald. „Die letzten drei Tage haben wir fast nur im Regen geprobt“, erzählt Karaca. „Vorher sind wir bei 30 Grad in der Sonne verbrannt.“ Schon unglaublich, dass keiner krank geworden ist.

„Ja, es sind alle fit“, sagt auch Sophie Schuster erleichtert und ist – im Gegensatz ihrem Regisseur – so kurz vor der Premiere tiefenentspannt. Warum, weiß die Hauptdarstellerin selbst nicht so recht. Doch als sie bei Katrin Zindl in der Maske sitzt – von Nervosität keine Spur. Vielleicht, weil sie schon vor zwei Jahren bei der Shakespeare-Romanze im absoluten Mittelpunkt stand. Vielleicht, weil sie sich einfach über die Rolle der kämpferischen Geierwally freut „Sie ist viel vielseitiger als die Julia.“

Dann steht plötzlich Rosi Pongratz in dem schlichten Garderoben-Container und bietet Gummibärli an. „Nervennahrung“, sagt die Oberammergauerin, die in der Theaterschneiderei im Einsatz ist, mit einem Lächeln.

Um sie herum herrscht ein Gewusel, das zwischen An- und Entspannung pendelt. Einige der 15 eher jungen Darsteller stehen und sitzen zum Ratschen am Container-Eingang. Jonas Konsek, der den Bärenjosef, Geierwallys große Liebe spielt, zieht sich von ihnen eine Zeit lang in Richtung Wald zurück. „Für die Konzentration“, verrät er. Zu dem Zeitpunkt trägt Andreas Richter (Knecht Klettermaier) schon einen französischen Frauenflechtzopf. „Alles mein echtes Haar“, sagt er in der Maske zu Anton Burkhart (Vater Stromminger) der mit einem Schmunzeln das Volumen bestaunt. Gleich daneben schlüpfen die Musiker von Kofelgschroa in ihre Kostüme. Eins komplett in rot, eins in blau, eins in gelb. Knallfarben prägen die ganze Inszenierung. „Irgendwann verblassen sie“, beschreibt Karaca die Lichteffekte. Dann kommt der wahre Charakter zum Vorschein.

Kurz vor der Premiere fallen die Darsteller in ihren grellbunten Kostümen aber absolut auf, wenn sie sich unter die ankommenden Premierengästen mischen. Aufs kurze Schwarze haben die Frauen, auf einen Anzug die Männer verzichtet. Bei der Geierwally sind dicke Jacken und vor allem festes Schuhwerk gefragt. Was man halt für einen kernigen Abend in der Natur so braucht. 

Auch interessant

Meistgesehene Fotostrecken

Rockabilly-Fans trotzen dem Regen
Was ein echter Rockabilly-Fan ist, der lässt sich auch von schlechtem Wetter die Stimmung nicht vermiesen. Das  Rock’n Fellas-Festival im Garmisch-Partenkirchner …
Rockabilly-Fans trotzen dem Regen
Krün
Da jubiliert die bayerische Seele
Stehen Wahlen vor der Türe, entdeckt so mancher gestresste Politiker die Liebe fürs Rindvieh. So mischte sich am Samstag beim verregneten Krüner Almfest das Berliner …
Da jubiliert die bayerische Seele
Ein Termin, der fast Feiertagsstatus hat
In Partenkirchen ist der Termin nicht wegzudenken aus dem Jahreslauf: Am Schafmontag werden die Wolltiere nach dem Bergsommer an ihre Besitzer verteilt.
Ein Termin, der fast Feiertagsstatus hat
GAP
Bilder: Schafe kehren von der Alm ins Tal zurück
Bilder: Schafe kehren von der Alm in Tal zurückAlmabtrieb ist immer ein Ereignis - und ein sicheres Zeichen, dass der Sommer bald der Vergangenheit angehört. In …
Bilder: Schafe kehren von der Alm ins Tal zurück

Kommentare