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Die heiße Phase der Passionsvorbereitung ist eingeläutet: Das Kleine Theater erlebt die erste Leseprobe.

Es geht los

Probenstart für Passionsspiele 2020: Stückl lädt 150 Sprechrollenträger zur ersten Leseprobe

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Politik und Passion – zwei Themen, die Oberammergau elektrisieren. Normalerweise. Gerade zählt trotz naher Kommunalwahl nur eines – „der Passio’“, der in fünf Monaten zum 42. Mal in der 386-jährigen Geschichte dargeboten wird. Die finale Vorbereitung ist seit Samstag eingeläutet. Christian Stückl bat zur ersten Leseprobe.

Oberammergau– Das Kleine Theater in der Oberammergauer Ortsmitte, wo sich vor kurzem bei der Bürgerversammlung gerade mal 30 Zuhörer verloren, quillt dieses Mal regelrecht über. Das Fünffache an Anwesenden füllt den Saal im Halbkreis. Mittendrin ein hektischer, leicht angespannter, nur so aus sich heraussprudelnder Christian Stückl. Um 18.14 Uhr ergreift er das Wort, vor ihm rund 150 Mitwirkende, die Sprechrollen haben. Mit langen Bärten, wallenden Haaren lauschen sie dem Spielleiter.

Nach einigen organisatorischen Anmerkungen von Stückl („Nehmt immer Euer Karterl mit, sonst gibt’s kein Probengeld“ – erstmals gibt es eine elektronische Erfassung der Anwesenheit) werden die ersten Textblätter verteilt. Ein Textbuch gibt es noch nicht. „Das ist nur die erste Fassung, die wird nicht so bleiben. Wir werden da noch mal drüber gehen“, erklärt der Regisseur, der bereits ankündigt: „Ich will diesmal mehr reinbringen, wie Jesus mit den Leuten, die am Rand der Gesellschaft stehen, umgeht.“

103 Aufführungen, 2400 Mitwirkende

Dann geht’s los. „Selig sind die, die reinen Herzens sind“ – „Du sollst nicht töten, du sollst nicht ehebrechen“ – „Wahrlich, ich sage Euch“ – „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ – „Es wird eine große Hungersnot herrschen, die Kinder werden sich empören gegen ihre Eltern“: Worte Jesu. Worte aus der Passion, die jedem Christen geläufig sind.

Im kommenden Jahr, ab dem 16. Mai, werden diese Sätze wieder fünf Monate lang im Oberammergauer Passionstheater erschallen. Vom 16. Mai bis 4. Oktober spielen rund 2400 Darsteller in 103 Aufführungen „ihren Passio’“, fünfmal die Woche. Der erste Teil spielt am Nachmittag, der zweite abends bis 22.30 Uhr, ab Mitte August bis 21.30 Uhr. Erwartet werden eine halbe Million Zuschauer aus aller Welt. Neben den doppelt besetzten 42 Hauptdarstellern wie Jesus, Maria, Judas, Kaiphas oder Pilatus sind bei der ersten Probe auch alle kleineren Rollen, die Apostel, die römischen und jüdischen Soldaten, der Hohe Rat und die Frauen im Gefolge Jesu anwesend. Zwölf neu konzipierte Lebende Bilder schlagen eine Brücke zum Alten Testament.

Volk singt das Gebet „Sch‘ma Israel“

Die Passionsmusik basiert auch 2020 in großem Umfang auf den Kompositionen von Rochus Dedler (1779-1822). Der musikalische Leiter Markus Zwink hat Teile daraus überarbeitet und neue Nummern einstudiert. Seit Oktober laufen die Proben für 64 Sängerinnen und Sänger, inklusive vier Gesangssolisten. Im Orchestergraben der Freilichtbühne sitzen 58 Instrumentalisten. Beim letzten Mal 2010 sang das ganze Volk in hebräischer Sprache das Gebet „Sch’ma Israel“. Dieses „orientalisches Klang-Kolorit“ will Zwink im künftigen Passion „nochmal erweitern“.

Christian Stückl entlässt die Anwesenden bei der ersten Leseprobe mit der Ankündigung, „dass es mit den Leseproben kommende Woche zack zack weitergeht“. Wer wann dran ist, stehe im Probenplan. Die bevorstehenden Feiertage werden viele Darsteller dazu nützen, sich erstmals textlich mit ihrer Rolle vertraut zu machen.

Beitrag in der Abendschau

Die Abendschau im Bayerischen Fernsehen bringt am Montag, 9. Dezember, ab 17.30 Uhr einen Beitrag über die erste Leseprobe zur Passion.

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