24-Stunden-Alkoholverbot am Münchner Hauptbahnhof: Entscheidung ist gefallen

24-Stunden-Alkoholverbot am Münchner Hauptbahnhof: Entscheidung ist gefallen
+
Alter Streit: Schon 2010 ging es um das Rauchverbot. Damals kritisierte Gemeinderat Martin Müller das Verhalten von Christian Stückl.

Meinung, Analyse, Hintergrund

Rauchverbot: Dauerbrenner neu entflammt

Kurz vor der Passion 2010 hat’s in Oberammergau gescheppert: Weil Christian Stückl im Passionstheater raucht. Damals waren die Gelben am Wettern. Nun wird wieder am Dorffrieden gezündelt. Aktuell geht es um Werkleiter Walter Rutz.

Oberammergau – Gefühlt ist jedes Thema ein Politikum in Oberammergau. Verstärkt dann, wenn die Passion näher rückt. Bei dem Tagesordnungspunkt „Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden“, um den es am Mittwoch im Gemeinderat geht, handelt es sich deshalb auch mitnichten um fade Kost. Auch wenn Geschäftsführer Christian Ostler betont, dass der Verwaltung nur an der „Umsetzung eines Schutzgesetzes“ gelegen ist. Nein, das Thema ist ordentlich gepfeffert. Birgt gar die Gefahr, sich die Zunge zu verbrennen. Schon 2010 gab es Diskussionen, Streit und am Ende böses Blut.

Aktuell hat es Kristina Rupprecht von der Liste BIO aufs Tapet gebracht. Sie wollte vor einigen Wochen unter „Sonstiges“ im Gemeinderat wissen, wie der Stand der Dinge im Ammergauer Haus ist. Dort hat im Keller der Eigenbetrieb Kultur mit Werkleiter Walter Rutz sein Reich. Und dort darf in einem Raum geraucht werden – trotz des Verbots, das der Freistaat Bayern für alle öffentlichen Gebäude erlassen hat. Ein Umstand, der schon seit Langem einigen Mitarbeitern im „Rathaus“ ein Dorn im Auge ist. Auch im Gemeinderat gab es Ostler zufolge „immer wieder mal Fragen.“ Vorrangig von der Liste BIO, die zu den Gruppierungen gehört, die regelmäßig Kritik am Eigenbetrieb Kultur und den Verantwortlichen im Theater übt.

Rutz selbst fehlt das Verständnis für die Aufregung. Schließlich, betont er, geschehe im Ammergauer Haus nichts Unrechtes. Vielmehr habe er als Chef des Eigenbetriebs Kultur rechtliche Möglichkeiten, die er ausschöpft: „Ich kann meinen Mitarbeitern einen Raucherraum zur Verfügung stellen.“

Wie Bürgermeister Arno Nunn erklärt, geht es in der Beschlussvorlage der Verwaltung nun um die Frage, ob das Schutzgesetz des Freistaats in Oberammergau ergänzt werden soll. Um den Zusatz eines Verbots von Raucherräumen in gemeindlichen Gebäuden. Dass es einen solchen im Ammergauer Haus gibt, „hat der Gemeinderat kritisch begleitet“, sagt Nunn. Er fordert von den Lokalpolitikern nun eine sachliche Entscheidung – ohne Verbal-Attacken auf Personen.

Wobei auch dem Verwaltungschef klar sein dürfte, dass das schwierig werden wird. Denn: Das Thema ist nur ein solches, weil es politisch so gewollt ist. Und es steht nicht allein für sich.

Schließlich ist auch das Passionstheater ein öffentliches Gebäude der Gemeinde. In dem Spielleiter Christian Stückl, Kultur-Verantwortliche und Mitwirkende ebenfalls rauchen. Im Bühnenbereich und im Atelier. „Dort geht es vor allem um den Brandschutz“, erklärt Ostler.

Eher ums Prinzip ging es im Jahr 2010 Martin Müller von den Gelben, die heute nur noch Freie Wähler genannt werden wollen. Der damalige Gemeinderat kritisierte vor der Passions-Premiere immer und immer wieder, dass im Theater geraucht wird. Und forderte Nunn mit Nachdruck auf, für die Einhaltung des Verbots zu sorgen. Über den Schwarzen Peter war Nunn sichtlich erfreut. „Das ist natürlich bequem, alles auf mich zu schieben.“ Zwar habe die Verwaltung die Betroffenen auf das Rauchverbot hingewiesen. Zu 100 Prozent umgesetzt wurde es aber nie.

Vielleicht deshalb, weil die Kritik Müllers damals in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) ihren Höhepunkt erreichte. Zusammen mit Parteifreund Florian Streibl wetterte er im April 2010 gegen den „Passions-Diktator“ Stückl, dessen Umgang mit jüdischen Organisationen, die Frauen-Beteiligung und das „Neandertaler“-Aussehen der Mitwirkenden. Die Folge: nicht nur negative Schlagzeilen. Der Gemeinderat sah sich auch gezwungen, sich von den frauenfeindlichen und antijüdischen Äußerungen per Beschluss zu distanzieren. Streibl entschuldigte sich. Müller behauptete damals, falsch zitiert worden zu sein. . . Wenn es am Mittwoch nun wieder um das Rauchverbot in Oberammergau geht, will Nunn einer solchen politischen Schlammschlacht keinen Boden bieten. (nah)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gefährliches Verkehrschaos an der Kita: Jetzt reagieren die Eltern
Selbstgemalte Zebrastreifen, schmale und lückenhafte Gehwege, die im Winter mit Schnee zugeschoben werden, sowie unzählige Autos – die Zustände rund um die Kita …
Gefährliches Verkehrschaos an der Kita: Jetzt reagieren die Eltern
Kiosk: Zuschlag für neues Pächterpaar
Der neue Kiosk in der Murnauer Bucht erhält auch neue Betreiber. Christian Höller, der 14 Jahre lang den Vorgänger Platzl am See für seinen Bruder bewirtschaftet und …
Kiosk: Zuschlag für neues Pächterpaar
Offener Brief der Gemeinderäte zur Karwendelbahn: Zwei Unterschriften fehlen
Ein Zeichen der Geschlossenheit: Die Mittenwalder Gemeinderäte wollten mit einem Offenen Brief demonstrieren, dass die Karwendelbahn-Verantwortlichen keinen Keil …
Offener Brief der Gemeinderäte zur Karwendelbahn: Zwei Unterschriften fehlen
Nach Unfall bei Zugspitzbahn: Neue Gondel ist da - Ursache für Crash immer noch unklar
Bei der neuen Seilbahn an der Zugspitze ist ein Bergewagen in eine der beiden Gondeln gekracht und hat einen Totalschaden verursacht. Die Abfahrt der zerstörten Gondel …
Nach Unfall bei Zugspitzbahn: Neue Gondel ist da - Ursache für Crash immer noch unklar

Kommentare